Knigge über Vertrauen

Vertrauen – An sich und andere glauben

 

„Ich achte mich selbst nicht,

Ich kann niemanden achten, der mich achtet.

Ich kann nur jemanden achten, der mich

nicht achtet.“

 

Auf so wundervolle Weise hat der Paartherapeut Ronald D. Laing in seinem Buch „Knoten“ mangelndes Vertrauen in sich selbst und in die anderen zum Ausdruck gebracht.

Ohne Vertrauen wird es schwierig. Man muss sich selbst und anderen schon über den Weg trauen, wenn man die Komplexität des Lebens einigermaßen in den Griff bekommen will. Vertrauen reduziert Komplexität. Wer vertraut, der bleibt handlungsfähig, und wer handlungsfähig ist, der hat ein wenig mehr Zeit zum Luftholen als andere. Der kann kurz in sich gehen und überlegen, ob er etwas tun will oder es lieber bleiben lässt. Wer hingegen allem und jedem misstraut, der misstraut letztlich seiner eigenen Urteilskompetenz und kommt am Ende zu gar nichts mehr.

In der Tiefenpsychologie gibt es den Begriff des Urvertrauens, der längst in die Umgangssprache eingegangen ist. Wer Kinder hat, der weiß, wie überraschend es sein kann, wenn diese sich einfach von einem Klettergerüst oder dem heimischen Küchentisch fallen lassen, darauf vertrauend, dass Mama oder Papa sie auffangen werden. Das treibt einem bisweilen den Schweiß auf die Stirn, aber auch Tränen der Rührung in die Augen. Denn da schleicht sich das subjektive Gefühl ein, man habe es in seiner Erziehung immerhin so weit gebracht, dass sich das eigene Kind auf einen verlässt.

Das Erleben von Urvertrauen ist die Voraussetzung dafür, dass ein Mensch in seinem späteren Leben überhaupt belastbare vertrauensvolle Beziehungen aufbauen kann. Oder, wie es in der Sprache der Psychologie heißt: Urvertrauen ermöglicht die angstarme Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt. Nur wer sich selbst vertraut, vertraut anderen.