Machtstrategien – Zehn Vorschläge für Ihren Erfolg

Seinen Job, sein Fachgebiet zu beherrschen, das reicht schon lange nicht mehr aus. Wer unter vielen Fürsten der Primus werden will, der muss mehr draufhaben. 48 Gesetze der Macht hat alleine Robert Greene ausfindig gemacht, Balthasar Gracián gibt uns im 17. Jahrhundert mit seinem „Handorakel der Weltklugheit“ gar 300 Aphorismen mit auf dem Weg, die uns helfen sollen, uns zur Geltung zu bringen. Nicht zu vergessen die zahlreichen Ratgeber und Weiterbildungsangebote, die dafür sorgen wollen, dass wir endlich in der Lage sind, ein Machtwort zu sprechen. Fertigkeiten, um andere fertigzumachen und sich endlich durchzusetzen. Wenn es doch nur so einfach wäre, wie es uns die Bücher und Weiterbilder verheißen. Wenn es doch wirklich ein Leichtes wäre, den Bismarck, Alexander den Großen und den Hannibal in uns zum Leben zu erwecken und mal so richtig auf den Putz zu hauen!

Die Vorstellung, wie sich Menschen bei ihrer Abendlektüre an den Gesetzen der Macht abarbeiten, um den Bismarck in sich zu wecken, hat fast etwas Rührendes. Was in den Vorstandsetagen von Politik und Wirtschaft funktionieren mag, muss in der Buchhaltung eines kleinen Betriebes im Sauerland noch lange nicht gelingen. Aber gut, wer sich zu Höherem berufen fühlt, der muss ja irgendwann seinen Marsch in die Schaltzentralen der Macht antreten. Nun denn, allen moralischen Ballast über Bord geworfen! Wer nicht gefressen werden will, der muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Für Risiken und Nebenwirkungen der nun folgenden Machtstrategien sind sie selbst verantwortlich. Alle stehen unter der Überschrift: Weniger ist mehr.

 

1. Hüten Sie sich vor dem Sieg über Ihren Vorgesetzten. Niemand lässt sich gerne von einem anderen übertreffen. Besonders jene nicht, die uns vorgesetzt sind, die uns schon aufgrund ihrer hierarchischen Position übertreffen sollten. Sie sind eitel genug, überall die Anstrengungen anderer zu vermuten, sie übertrumpfen zu wollen, und sie besitzen die Macht, solche Unverschämtheiten zu bestrafen. „Selbst Vorzüge niedriger Gattung“ so Balthasar Gracián, „wird der Behutsame verhehlen, wie etwa seine persönliche Schönheit durch Nachlässigkeit im Anzug verleugnen.“

 

2. Sagen Sie immer weniger als nötig. Sprache ist Macht. Sie wird jedoch zur Ohnmacht sowohl des Sprechenden als auch des Zuhörenden, wenn die Worte kein Ende nehmen wollen. Sie beeindrucken niemanden, wenn Sie viel reden. Je kürzer und später Ihr Redebeitrag erfolgt, desto mehr Gewicht wird Ihrer Meinung zugemessen. Hören Sie zu, lassen Sie die anderen reden. Sparen Sie sich die Energie für Ihren Auftritt. Wenn fünf Menschen 50 Minuten sprechen, ist insgesamt nicht mehr als fünf Minuten wirklich etwas gesagt worden. Fünf Minuten, Sie haben das Wort!

3. Üben Sie sich in gutem Geschmack. Guter Geschmack ist eine Frage der Übung. Wer gutes Essen, guten Wein, gute Kleidung, gute Möbel, gute Musik schätzen lernen will, der suche sich Menschen, die über guten Geschmack verfügen. Woran man diese erkennt? Daran, dass sie auch mit den einfachen Dingen zufrieden sind, sparsam mit ihrem Lob umgehen, ihre eigene Kennerschaft nicht herausstellen und nicht dauernd den Nörgler spielen. Wenn sie ihren Unmut äußern, dann unprätentiös und überhaupt nur dann, wenn der gute Geschmack wirklich auf dem Spiel steht oder andere eine geschmacklose Staatsangelegenheit daraus machen.

 

4. Finden Sie die Daumenschrauben. Das Leben auf dieser Erde ist zu kurz, um es in Gänze zu erfassen. Dasselbe gilt für unsere Mitmenschen. Jeder ist ein eigener Kosmos. Überlassen Sie das Entschlüsseln der Persönlichkeit Ihrer Mitmenschen den Psychologen und Psychiatern. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Hören Sie zu, nicht hin. Ein offenes Ohr und ernsthaftes Interesse haben noch das Herz eines jeden geöffnet. Die Lieblingsneigungen kommen zum Vorschein. Die kleineren und größeren Vergnügungen, die den anderen garantiert mehr und Sie weniger sagen lassen als nötig.

 

5. Schonen Sie die eigenen und fremde Nerven. Es gibt Menschen, die leben in derselben Stadt, fahren und gehen auf denselben Straßen, besuchen dieselben Restaurants und kaufen in den Geschäften ein, in denen auch Sie einkaufen. Haben Sie meist wenig zu berichten, berichten Ihre Mitmenschen täglich von Dutzenden Unannehmlichkeiten, die ihnen widerfahren sind. Jedes Gespräch gerät zum Zeter und Mordio, Widerspruch ist zur Gewohnheit geworden. Von allem und jedem schlecht reden, aber selber nichts auf die Reihe kriegen! Halten Sie sich von solchen Menschen fern, und achten Sie darauf, nicht selbst so zu werden.

 

6. Verweigern Sie sich. Macht braucht Autonomie. Nur wer sich beizeiten entzieht, dem bleibt das Unwichtige und Unangenehme erspart. Lassen Sie sich nicht gegen Ihren Willen verpflichten. Bieten Sie denen die Stirn, die Sie vereinnahmen wollen, für sich, ihre Meinung und ihre Arbeit. Verbitten Sie sich Zudringlichkeiten aller Art, und lassen Sie den Zudringlichen als Zudringlichen erscheinen. Rumeiern können die anderen, Sie hingegen sprechen ein klares Wort zur rechten Zeit. Reden Sie Tacheles, wenn es sich sonst keiner traut. Zunicken werden Ihnen alle, weil Sie das aussprechen, was ohnehin jeder gedacht hat.

 

7. Lassen Sie Ihre Macht abfärben. Machiavelli wurde einmal gefragt, ob ein Herrscher eher geliebt oder gefürchtet sein sollte. Er gab zur Antwort, „dass beides erstrebenswert ist; da man jedoch beides nur schwerlich miteinander verbinden kann, ist es viel sicherer, dass ein Fürst gefürchtet wird, als dass er geliebt wird, wenn er schon nicht beides zugleich erreichen kann“. Ob Sie dieser Schlussfolgerung zustimmen oder nicht, ob Sie das Unmögliche, gleichzeitig geliebt und gefürchtet zu werden, anstreben, es bleibt das Phänomen, dass die eigene Macht abfärbt, auf die, die einem folgen. Macht ist eine Droge, der Mächtige ein Dealer und seine Getreuen sind Junkies. Wer andere an seiner Macht teilhaben lässt, der wird sie an sich binden. Gemeinsam ist man stärker. Das schweißt zusammen. Wir gegen die, wir gegen den Rest der Welt. Wer sich ermächtigt, der muss andere bemächtigen, der muss abfärben, ohne selbst farblos zu werden.

 

8. Entwickeln Sie ein Herz für Gemeinsinn. Ein wenig entsetzt war ich schon. Schließlich war das Thema der nun folgenden Fernsehsendung „Wirtschaft und Werte“. Die Kameras waren noch aus, als ein Gesprächspartner aus der Wirtschaft mir Naivität vorwarf, wenn ich ernsthaft daran glaubte, dass Ethik in der Wirtschaft etwas zu suchen hätte. Als die Sendung begann, eröffnete er sie mit den Worten: „Eine Wirtschaft ohne Ethik ist weder vorstellbar noch wünschenswert. Wer das nicht kapiert, der wird Lehrgeld bezahlen müssen.“ Ich hatte mein Lehrgeld bereits bezahlt. Mehr Schein als Sein. Ohne mit der Wimper zu zucken vorgetragen. Gib dem Affen Zucker! Wer ein Herz hat, dem gönnt man seine Macht, wer sich herzlos gibt, erregt Zorn.

 

9. Rechtfertigen Sie sich nicht. Der Fehler, das Versäumnis ist noch nicht entdeckt, aber das schlechte Gewissen schreitet bereits zur Tat. Was dem durch und durch Moralischen unter uns eine Pflicht ist, liegt dem Mächtigen fern. Sich entschuldigen lassen, das kann er immer noch, da besteht keine Eile. Warum sollte er, bevor es nicht verlangt wird, bereits den Kopf rausstrecken und vor jemandem Rechenschaft ablegen, der gar keine verlangt hat? Was soll das bringen, außer Misstrauen? Mit Entschuldigungen und Rechtfertigungen sollten Sie vorsichtig umgehen. Sie nutzen sich ab, und am Ende steht die Frage: „Entschuldigung angenommen. Aber wie wär’s denn beim nächsten Mal mit Bessermachen?“

 

10. Mit Leichtigkeit. Wir wissen, dass ohne Mühe und Disziplin wenig zu erreichen ist. Doch die Anstrengung, die es gekostet hat, das Ziel zu erreichen, muss wieder verflogen sein, wenn es soweit ist. Gehen Sie schweißgebadet durch die Proben und leicht wie eine Feder in die Premiere, mit Spielfreude, nicht vom Ehrgeiz zerfressen. Entwickeln Sie eine Lässigkeit, ja Nachlässigkeit, die den Betrachter die dahinter liegende Mühe nicht einmal erahnen lässt. Wenn Sie die Illusion vermitteln können, man habe es bei Ihnen mit einem Naturtalent zu tun, das die Grenzen der menschlichen Möglichkeiten wie im Handumdrehen erweitert hat, gibt das der Macht einen fast magischen Anstrich. Anmut nannte man dies in früheren Zeiten.

Diese zehn Machtstrategien sollten erst einmal ausreichen, um Ihnen einen Überblick darüber zu geben, mit welchen Schafspelzen sich der menschliche Wolf bedecken sollte, wenn ihm an Einfluss auf seinen Mitmenschen gelegen ist. Zehn Fertigkeiten auf dem Weg ins Zentrum der Macht. Ein Anfang, immerhin. Doch bevor Sie sich gierig auf die weiteren, noch zu erlernenden Fertigkeiten stürzen, können wir Ihnen die Auseinandersetzung mit der Frage nach Sinn und Zweck von Macht nicht ersparen.