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Anreden und Titel

Anreden und Titel

Gibt es wirklich noch Menschen, die ihre Eltern Siezen? Wie redet man eigentlich den Papst an oder die Bundeskanzlerin an? Und sollte ich Menschen mit Adelstiteln mit dem Titel anreden, wo es doch seit 1918 gar keinen Adel mehr gibt? Gerne gebe ich Antworten rund um die Klassiker rund um Anreden und Titel.

Wichtige Regeln zu Begrüßen, Anreden und Titel

  1. Lieber einmal zu viel als zu wenig grüßen: Grüßen Sie lieber einmal zu viel, verstoßen Sie lieber gegen alle Konventionen der richtigen Begrüßung, als gar nicht zu grüßen!
  2. Umgang mit Missverständnissen: Sollten Sie selbst einmal „falsch“ angesprochen werden, weisen Sie Ihr Gegenüber nicht darauf hin, solange Ihr Name richtig genannt wurde. Was wäre das für ein Einstieg in die gemeinsame Konversation? („Von Tatten, so viel Zeit muss sein …“)
  3. Einander vorstellen: Stellen Sie Menschen einander vor, wenn diese zwar Sie, aber nicht Ihre Begleitung kennen. Nichts ist unangenehmer, als wenn man als fünftes Rad am Wagen leicht verlegend grinsend daneben steht! Zögern Sie auch nicht, sich als „fünftes Rad“ selbst vorzustellen.
  4. Hand geben: Reichen Sie Ihrem Gegenüber die Hand, und vermeiden Sie, die Hand des Gegenübers zu zerquetschen oder ihm den sprichwörtlichen „toten Fisch“ in die Hand zu legen.
  5. Grüße angemessen: Ich bemühe mich, der Verhaltensempfehlung Adolph Freiherr Knigges zu folgen, der uns folgendes rät: „Mache einigen Unterschied in Deinem äußeren Betragen gegen die Menschen, mit denen Du umgehst, in den Zeichen von Achtung, die Du ihnen beweisest. Umarme nicht jeden. Drücke nicht jeden an Dein Herz. Was bewahrst Du den Besseren und Geliebten auf, und wer wird Deinen Freundschaftsbezeigungen trauen, ihnen Wert beilegen, wenn Du so verschwenderisch in Austeilung derselben bist?“
  6. Schau mir in die Augen Kleines: Schauen wir unseren Mitmenschen in die Augen, wenn wir se begrüßen ohne sie anzustarren.
  7. Verbeugen: Darüber hinaus rate ich zu einer kurzen Verbeugung. Auch, wenn diese aus der Mode gekommen ist, halte ich die Verbeugung nach wie vor für eine schöne Geste der gegenseitigen Gunstbezeugung.
  8. Vom DU zum SIE. Eine gewisse Distanz schadet nicht, um den Respekt voreinander zu bewahren. Man sagt eben nach wie vor leichter DU Arsch statt SIE Arsch.
  9. Wie spricht man Menschen mit Titel an? Als einfache Fausformel gilt: Titel + Nachname = Anrede: Baron Knigge, Graf Lambsdorff, Fürstin von Thurn und Taxis.
  10. Nenne Titel, aber stelle Dich nicht mit Titel vor: Je mehr ein Mensch Wert auf seinen Titel legt, je eher sich „Doktor Klöbner“ als solcher vorstellt, desto suspekter erscheint er mir. Ich antworte auf die Frage, wie ich richtig angesprochen werde übrigens mit: „So wie Sie sich selbst am wohlsten fühlen. So lange Knigge in Ihrer Anrede vorkommt, fühle ich mich angesprochen …“
  11. Professor kommt vor Doktor und mit Frau Bundeskanzlerin machen Sie nichts falsch. 

Der unhöflichste Ort der Welt ist die Ehe

Im französischen Film „Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss“ wird sich in einer großbürgerlichen Familie noch gesiezt. Die Eheleute siezen sich untereinander ebenso wie die Kinder ihre Eltern. Der Film spielt im 20. Jahrhundert, nicht im 18. Jahrhundert. In Deutschland gibt es nur noch wenige Familie, in denen die Kultur des Siezens so hochgehalten wird. Dass der unhöflichste Ort die Ehe, das behauptete im übrigen der französische Philosoph Alain in seinem Buch: „Die Pflicht, glücklich zu sein“. Und was sich wie ein Scherz anhört mit dem unhöflichen Ort und der Ehe, und im Film des langen Flusses auch als Persiflage auf die Verlogenheit der Bourgeosie gemeint ist, meint Alain ernst: Immer, wenn Menschen sich zu nahe kommen, besteht die Gefahr einander unhöflich zu behandeln. Eine gewisse Distanz schadet nicht, um den Respekt voreinander zu bewahren. Man sagt eben nach wie vor leichter DU Arsch statt SIE Arsch.

Anrede ist Begrüßung

Die Begrüßung ist die erste Möglichkeit, seinem Gegenüber Respekt zu erweisen und ihn als Menschen wahrzunehmen. Wirft man einen Blick in die Etikette-Literatur, kommt einem bisweilen jedoch ketzerische Gedanken: Da werden einem in Form einer Vielzahl von genau zu beachtenden Regeln bereits so viele Knüppel zwischen die Beine geworfen, dass das eigentliche Ziel, einander mit Achtung zu begegnen, aus dem Blickfeld zu geraten droht. Da ist von höher gestellten Personen die Rede, die kraft ihres Alters, ihres Geschlechts, ihrer tatsächlichen oder vermuteten hierarchischen Position oder anderen Eigenschaften Vorrechte zu genießen scheinen. So manchem Besucher eines Etikette-Seminars wurde durch die Menge an Regeln und ihrer Rangordnung untereinander so schwindelig, dass er vor lauter Unsicherheit über die „richtige Begrüßung“ vergaß, sich überhaupt mit seinen Mitmenschen bekannt zu machen. Neben die Kategorisierung in höher und niedriger gestellte Personen tritt ja noch eine weitere Hürde: die richtige Anrede. Ein Thema, das mir zwar nicht in gesteigertem Maße am Herzen liegt, mit dem ich jedoch immer wieder konfrontiert bin. Bei jeder Vortrags-, Schulungs- oder Medienanfrage beginnt das Gespräch so: „Nur kurz vorab. Wie spreche ich Sie eigentlich richtig an?“

Richtige Anrede

Obwohl der Adel in einer demokratischen Gesellschaft doch eigentlich nur noch eine Schimäre sein dürfte, ein Hirngespinst längst vergessener Zeiten, das es „eigentlich doch gar nicht mehr gibt“, wünscht sich fast jeder Aufklärung, wie man die Mitglieder dieses Hirngespinstes (die es ja folgerichtig auch nicht geben dürfte) richtig anzusprechen habe. Ich habe es mir angewöhnt, sowohl eine kurze als auch eine lange Antwort parat zu haben. In der kurzen weise ich darauf hin, dass ich mich eigentlich immer dann richtig angesprochen fühle, wenn der Name Knigge in der Anrede vorkommt.

In der langen Version erlaube ich mir einen kleinen Ausflug in die Historie. Denn tatsächlich hat es ja einmal einen Stand namens Adel gegeben, ganz offiziell. Dies ist auch noch nicht so lange her, dass man meinen historischen Ausflug mit den Worten „Es war einmal …“ einleiten müsste. Als nämlich die Nationalversammlung im August 1919 per Gesetz alle Reichsangehörigen zu gleichberechtigten Bürgern machte, verschwanden nicht nur die Privilegien, sondern auch die Titel. Diese wurden in Deutschland kurz und bündig als dem Namen zugehörig erklärt. Damit ergeben sich neben der von mir durchaus akzeptierten Anrede Herr Knigge, zwei formal „richtige“ Varianten: Die vor 1919 existierende lautete Baron Knigge (Freiherren wurden mit Baron angeredet) und die nach 1919 geltende – dem demokratischen Namensrecht entsprechend – Herr Freiherr Knigge.

„So weit so gut, Herr Baron von Knigge!“ So weit, so falsch. Sie sehen, was man aus zwei richtigen Varianten machen kann. Das „Herr“ wird mit „Baron“ kombiniert und ein „von“ hat sich plötzlich auch noch eingeschlichen. Das „Herr Baron“ war in früheren Zeiten den Bediensteten und den Dorfbewohnern vorbehalten – in heutigen allen, denen es über die Lippen geht. Und um das verlorene „von“ ranken sich die wildesten Geschichten. Fest steht lediglich, dass es in Deutschland nicht einmal ein halbes Dutzend Familien gibt, die trotz Titel oder Namenszusatz über kein „von“ verfügen. Keineswegs verbrieft und versiegelt ist die Anekdote, Adolph Freiherr Knigge habe in Wirklichkeit Adolph Freiherr von Knigge geheißen und als glühender Verfechter der Französischen Revolution seinen Namen um das standesgemäße „von“ gekürzt, um künftig als „freier Herr Knigge“ für Aufsehen zu sorgen.

Doch wo wir schon beim Kürzen sind, vielleicht ahnen Sie ja bereits, warum ich mit der Anrede „Herr Knigge“ gut leben kann. Es macht die Sache für alle Beteiligten einfacher, und schließlich wäre es doch töricht, schon zu Beginn des Kennenlernens Schutzwälle aufzubauen, auch wenn sich unser Familiennamen aus den Weiß- und Schwarzdornhecken ableiten lässt, die den früheren mittelalterlichen Befestigungen als Schutz dienten.

Je mehr ein Mensch Wert auf seinen Titel legt, je eher sich „Doktor Klöbner“ als solcher vorstellt, desto suspekter erscheint er mir. Vermutlich liegt es an den Dr. Klöbners dieser Welt, dass ich mir den Zusatz meiner „kurzen Antwort“ bis zum Ende aufgehoben habe. Tatsächlich antworte ich auf die Frage, wie ich angesprochen werden möchte nämlich folgendes: „So wie Sie sich selbst am wohlsten fühlen. So lange Knigge in Ihrer Anrede vorkommt, fühle ich mich angesprochen …“

Anreden

In Deutschland galt die einfache Regel: Es geht immer vom SIE zum DU. Ist man erst einmal beim DU kommt man schwer wieder zurück. Ich selbst bin eine Freund des SIE, weil man es eine gewisse Distanz wahrt. Komme aber doch einer Generation, in der sich Gleichaltrige sehr selbstverständlich DUZEN, wenn sich in privateren Umfeldern begegnen. Und ich selbst habe auch schon vor gerunzelten Stirnen meiner Nachbarn gesessen, als ich jemanden meines Alters ungefragt gesiezt habe. Ältere Menschen sieze ich immer noch ganz selbstverständlich. Als junger Mensch ist das ja auch schwierig. Man ärgert man sich, dass man von Älteren einfach geduzt wird und könnte heulen, wenn einen Jüngere SIEZEN, obwohl man doch mit 25 echt noch jung ist. Das DUZEN und SIEZEN ist überhaupt eine vertrackte Sache, dass ich beschlossen habe dem DU und SIE ein eigenes ausführliches Kapitel gewidmet habe: DUZEN oder SIEZEN.

Gibt es keinen Adel mehr?

Als wären DU und SIE nicht bereits kompliziert genug, wird es so richtig knackig, wenn es um die Titel geht. Das hat mehrere Gründe: Zum einen hat man in Deutschland den Adel nach 1918 abgeschafft. Das ist schon 100 Jahre her. Oder sollte man lieber sagen erst 100 Jahre? Denn die Erinnerung an den Adel als herrschende gesellschaftliche Klasse lässt sich nicht so schnell aus der Erinnerung tilgen. Die vielen Zeitschriften und Online-Seiten, die gut von den Storys über den Adel leben, zeugen von einem nach wie vor vitalen Interesse am Adel. Doch es gibt auch Menschen, die allergisch auf Adelstitel reagieren und beharrlich auf das Grundgesetz verweisen. Ich habe kein Problem damit, da ich auch mit der Anrede „Herr Knigge“ leben kann, glaube aber, dass man der Realität nicht gerecht wird, wenn man den Adel als solches auf dem aristokratischen Müllhaufen der republikanischen Geschichte wünscht. Wem aber Frau und Herr oder Du als Anrede reicht, dem empfehle ich einen anderen Artikel aus dem Hause Knigge. Wer aber Lust hat ein wenig tiefer in die Titel-Geschichte des Adels einzusteigen, der sei herzlichst eingeladen.

Fettnäpfchen–Alarm

Während man sich in anderen europäischen Ländern etwas einfacher Formen der Rangordnung bediente, war die Anrede von Titelträgern in Deutschland schon immer recht kompliziert. So lesen wir bei Asfa-Wossen Asserate: Bis 1918 hätte man, bevor man das Wort an diese Person richtetet, wissen müssen, was das für eine Prinzessin war, eine verheiratete oder unverheiratete, eine königliche oder eine fürstliche, eine regierende oder mediatisierte, ob sie , wenn verheiratet, von Geburt womöglich einen höheren rang als ihr Mann bekleidete, der in der Anrede dann zu berücksichtigen wäre. Seit dem 20. Jahrhundert geht es in Deutschland allerdings ein wenig unkomplizierter zu.

Von Frauen, Herren, Baronessen und Grafen

Die ursprünglichste aller Adelstitel „Frau“ und „Herr“ fielen dem Bürgertum zu. Freiherren wurden ursprünglich auch als Herr angesprochen. Aber Herr und Freiherr zusammen, das klang nicht, so dass der Baron als Anrede erfunden wurde. Eigentlich heisse ich jetzt wieder so , wie ich auch als Adliger geheißen hätte: Herr Freiherr Knigge. Und so ganz weg war der Herr dann doch nie, weil die Bewohner bei uns im Dorf mich immer noch mit Herr Baron ansprechen. Sonst kommt den meisten ein Baron kaum noch über die Lippen. Und Baronesse für die Tochter von Baronin und Baron wohl noch weniger. Und doch wäre es am einfachsten: Titel + Nachname = Anrede: Baron Knigge, Graf Lambsdorff, Fürstin von Thurn und Taxis.

Von Bundeskanzlerinnen, Heiligkeiten und Exzellenzen

Sie treffen in nächster Zeit auf Frau Merkel. Dann liegen Sie mit der Anrede Frau Bundeskanzlerin goldrichtig. Sie haben eine Audienz in Rom beim Papst? Dann wird sich der Vertreter Gottes auf Erden über ein freundliches „Heiliger Vater“ freuen, während mögliche anwesende Bischöfe sich mit „Exzellenz“ zufrieden geben würden, während alle anderen christlichen Würdenträger mit „Hochwürden“ gut zurecht kommen. Ebenfalls auf „Exzellenz“ hören ausländische Diplomaten, während der deutsche Botschafter mit einem klassischen „Herr Botschafter“ zufrieden ist.

Von Doktoren*innen und Professoren*’innen

Akademische Titel verdient man sich durch Leistung. Und in westlichen Demokratien darf sich Leistung lohnen. So dass akademische Würdenträger nicht der Makel anhaftet durch Geburt mit einem Titel ausgestattet zu sein für den sie nichts können. Seinen akademischen hingegen hat man sich durch Leistung erworben. Diese Leistung zu achten, wird der Titel dem Vornamen vorangestellt. Bei Frauen meist noch das „Frau“ davor bei der Begrüßung und Vorstellung bspw. Frau Doktor Hartmann. Bei Männern bleibst es meist Doktor Hartmann. Kommt der Professorentitel sticht dieser den Doktor in der mündlichen Anrede aus: Frau Professor Hartmann oder eben Professor Hartmann.

Mein Vortrag,
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Gestatten, Moritz Freiherr Knigge

Ich helfe Menschen in Städten, Verbänden und Unternehmen, mehr miteinander zu erreichen. Aufgewachsen auf Rittergut Bredenbeck wie mein Urahn Adolph Freiherr Knigge habe ich eins gelernt: ohne Handkuss kommt man gut durchs Leben. Ohne offene Arme nicht. Heute besuche ich Deutschland, Österreich und die Schweiz als Mentor und Keynote Speaker. Mein Motto: „Wertschätzung ist Wertschöpfung.“ Wann darf ich für Sie mehr Miteinander erreichen?