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Anreden und Titel

Anreden und Titel

Gibt es wirklich noch Menschen, die ihre Eltern Siezen? Wie redet man eigentlich den Papst an oder die Bundeskanzlerin an? Und sollte ich Menschen mit Adelstiteln mit dem Titel anreden, wo es doch seit 1918 gar keinen Adel mehr gibt? Gerne gebe ich Antworten rund um die Klassiker rund um Anreden und Titel.

1. Wahre die Distanz

Der französische Philosoph Alain behauptet in seinem Buch: „Die Pflicht, glücklich zu sein“ der unhöflichste Ort der Welt sei die Ehe. Immer, wenn Menschen sich zu nahe kommen, bestehe die Gefahr einander unhöflich zu behandeln. Eine gewisse Distanz schadet nicht, um den Respekt voreinander zu bewahren. Man sagt eben nach wie vor leichter DU Arsch als SIE Arsch.

2. Begrüße Deine Mitmenschen

Ob höher gestellt, älter, Dame, Herr, Frau oder Mann, jeder Mensch hat einen Gruß verdient. Grüßen Sie lieber einmal zu viel, verstoßen Sie lieber gegen alle Konventionen der richtigen Begrüßung, als gar nicht zu grüßen. Und schauen wir unseren Mitmenschen in die Augen, wenn wir sie begrüßen ohne sie anzustarren.

3. Stelle Menschen einander vor

Stellen Sie Menschen einander vor, wenn diese zwar Sie, aber nicht Ihre Begleitung kennen. Nichts ist unangenehmer, als wenn man als fünftes Rad am Wagen leicht verlegend grinsend daneben steht! Zögern Sie auch nicht, sich als „fünftes Rad“ selbst vorzustellen.

4. Umarme nicht jeden

Ich bemühe mich, der Verhaltensempfehlung Adolph Freiherr Knigges zu folgen, der uns folgendes rät: „Mache einigen Unterschied in Deinem äußeren Betragen gegen die Menschen, mit denen Du umgehst, in den Zeichen von Achtung, die Du ihnen beweisest. Umarme nicht jeden. Drücke nicht jeden an Dein Herz. Was bewahrst Du den Besseren und Geliebten auf, und wer wird Deinen Freundschaftsbezeigungen trauen, ihnen Wert beilegen, wenn Du so verschwenderisch in Austeilung derselben bist?“

5. Spreche mit Titel an, stell‘ Dich nicht mit Titel vor 

Als einfache Fausformel gilt: Titel + Nachname = Anrede: Baron Knigge, Graf Lambsdorff, Fürstin von Thurn und Taxis. Nenne Titel, aber stelle Dich nicht mit Titel vor: Je mehr ein Mensch Wert auf seinen Titel legt, je eher sich „Doktor Klöbner“ als solcher vorstellt, desto suspekter erscheint er mir. Ich antworte auf die Frage, wie ich richtig angesprochen werde übrigens mit:  So lange Knigge drin vorkommt, fühle ich mich angesprochen.“ 
 

6. Duzen und Sieze richtig

In Deutschland galt die einfache Regel: Es geht immer vom SIE zum DU. Ist man erst einmal beim DU kommt man schwer wieder zurück. Ich selbst bin eine Freund des SIE, weil man es eine gewisse Distanz wahrt. Komme aber doch einer Generation, in der sich Gleichaltrige sehr selbstverständlich DUZEN, wenn sich in privateren Umfeldern begegnen. Und ich selbst habe auch schon vor gerunzelten Stirnen meiner Nachbarn gesessen, als ich jemanden meines Alters ungefragt gesiezt habe. Ältere Menschen sieze ich immer noch ganz selbstverständlich. Als junger Mensch ist das ja auch schwierig. Man ärgert man sich, dass man von Älteren einfach geduzt wird und könnte heulen, wenn einen Jüngere SIEZEN, obwohl man doch mit 25 echt noch jung ist. Das DUZEN und SIEZEN ist überhaupt eine vertrackte Sache, dass ich beschlossen habe dem DU und SIE ein eigenes ausführliches Kapitel gewidmet habe: DUZEN oder SIEZEN.

7. Frauen, Herren, Baronessen und Grafen

Die ursprünglichste aller Adelstitel „Frau“ und „Herr“ fielen dem Bürgertum zu. Freiherren wurden ursprünglich auch als Herr angesprochen. Aber Herr und Freiherr zusammen, das klang nicht, so dass der Baron als Anrede erfunden wurde. Eigentlich heisse ich jetzt wieder so , wie ich auch als Adliger geheißen hätte: Herr Freiherr Knigge. Und so ganz weg war der Herr dann doch nie, weil die Bewohner bei uns im Dorf mich immer noch mit Herr Baron ansprechen. Sonst kommt den meisten ein Baron kaum noch über die Lippen. Und Baronesse für die Tochter von Baronin und Baron wohl noch weniger. Und doch wäre es am einfachsten: Titel + Nachname = Anrede: Baron Knigge, Graf Lambsdorff, Fürstin von Thurn und Taxis.

8. Bundeskanzler*innen, Heiligkeiten und Exzellenzen

Sie treffen in nächster Zeit auf Frau Merkel. Dann liegen Sie mit der Anrede Frau Bundeskanzlerin goldrichtig. Sie haben eine Audienz in Rom beim Papst? Dann wird sich der Vertreter Gottes auf Erden über ein freundliches „Heiliger Vater“ freuen, während mögliche anwesende Bischöfe sich mit „Exzellenz“ zufrieden geben würden, während alle anderen christlichen Würdenträger mit „Hochwürden“ gut zurecht kommen. Ebenfalls auf „Exzellenz“ hören ausländische Diplomaten, während der deutsche Botschafter mit einem klassischen „Herr Botschafter“ zufrieden ist.

9. Doktoren*innen und Professoren*’innen

Akademische Titel verdient man sich durch Leistung. Und in westlichen Demokratien darf sich Leistung lohnen. So dass akademische Würdenträger nicht der Makel anhaftet durch Geburt mit einem Titel ausgestattet zu sein für den sie nichts können. Seinen akademischen hingegen hat man sich durch Leistung erworben. Diese Leistung zu achten, wird der Titel dem Vornamen vorangestellt. Bei Frauen meist noch das „Frau“ davor bei der Begrüßung und Vorstellung bspw. Frau Doktor Hartmann. Bei Männern bleibst es meist Doktor Hartmann. Kommt der Professorentitel sticht dieser den Doktor in der mündlichen Anrede aus: Frau Professor Hartmann oder eben Professor Hartmann.

Mit der Anrede beginnt das Ich-Mensch-Du-Mensch-Spiel. Spielen wir mit. 

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