„Nahkampfzone Straßenverkehr?“

Glaubt man den archäologischen Erkenntnissen, dann lässt sich die Erfindung des Rades auf ca. 4000 v. Chr. zurückdatieren. Es ging also noch einige Zeit ins Land, bis wir Deutschen zu unserem „liebsten Kind“ kamen, dem Auto, dieser zunächst argwöhnisch beäugten Erfindung des 20. Jahrhunderts. So regt der Ausspruch des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.: „Ich halte das Auto für eine Modeerscheinung und setze auf das Pferd“, noch immer zum Schmunzeln an, hatten doch weder das Pferd noch er selbst eine gesellschaftliche Zukunft. Das Auto trat einen überwältigen Siegeszug an, der bis heute anhält und dessen Ende nicht absehbar ist.

Doch so viel Freude uns das Fahren auch bereitet, so viel Nerven kostet es uns auch. „Frauen, die nicht einparken können“, „Rentner, denen man an Ort und Stelle den Führerschein entziehen müsste“, „Sonntagsfahrer“, „terroristische Fahrradfahrer“, „Fußgänger, die betont langsam über die Straße gehen“, „Mercedesfahrer mit eingebauter Vorfahrt“ oder sonstige „Verbrecher“ machen uns das Leben auf der Straße zur Hölle (von Politessen oder Bediensteten von Abschleppunternehmen einmal ganz zu schweigen). Kaum ein Bereich, der konfliktträchtiger wäre als das Leben im und um das Automobil. Und noch der Zurückhaltendste von Ihnen wird sich vermutlich an seine persönliche Mutation zum HB-Männchen erinnern.

Aber wer wird denn gleich in die Luft gehen? Holen wir gemeinsam tief Luft …

  • Bevor Sie das nächste Mal zum verbalen Rundumschlag ausholen, halten Sie kurz inne und wagen den Perspektivenwechsel: Wann waren Sie selbst Fußgänger oder Fahrradfahrer? Wie würden Sie Ihren momentanen Fahrstil aus dieser Perspektive bewerten?
  • Wenn schon Frust ablassen, dann bitte mit offenem Visier und ein wenig mehr Risikofreude! Der nicht nur vor Blitzeinschlag schützende Faradaysche Käfig verleitet uns oft genug dazu, Ausdrücke zu benutzen und Gesten zu wählen, auf die wir im direkten Duell tunlichst verzichten würden.
  • Können Sie aus dem Stegreif drei mahnende flächendeckende Autobahnschilder benennen, deren inhaltliche Appelle durchaus vernünftig sind? Sie wissen überhaupt nicht, wovon ich spreche? Ich gebe Ihnen einen Tipp: „Fair Play auf der Autobahn“ oder „Nicht rasen, sondern reisen!“…

Außer auf diese unbeweglichen Schilder empfehle ich Ihnen auch, ab und zu auf die durchaus amüsanten Aufdrucke auf Lastern zu achten („Wenn Sie wirklich keine frische Milch, Joghurt oder Butter mögen, dann sehen wir uns nie wieder!“ Versprochen!), wenn sich wieder einmal eines dieser Ungetüme auf der linken Spur vor Sie gesetzt hat.

Der Reißverschluss wurde ab 1851 von mehreren Erfindern entwickelt. Die erste praktikable Idee dazu hatte der US-Amerikaner Whitcomb Judson aus Chicago im Jahr 1890, der sie 1893 zum Patent anmeldete. Im selben Jahr war der Reißverschluss dann eine der Hauptattraktionen auf der Weltausstellung in Chicago. Doch bis heute hat sich das Reißverschlussverfahren noch nicht überall herumgesprochen.

  • Meine ganz persönliche Bitte: Fahren Sie im Falle einer Fahrbahnverengung bis zum Ende durch, und ich verspreche Ihnen hoch und heilig, ich lasse Sie rein! Ganz bestimmt!
  • Es gibt ein Gebot auf der Autobahn, rechts zu fahren. Tun Sie mir und anderen einen Gefallen, und halten Sie sich daran. Nur weil Sie gute Augen haben und den nächsten LKW in kilometerweiter Entfernung erahnen, müssen Sie weder den Mittelstreifen noch die linke Fahrbahn blockieren! Es soll ungeduldige Zeitgenossen geben, die aus erzieherischen Gründen rechts überholen. Das ist unverantwortlich. Tragen wir unseren Teil dazu bei, dass es nicht dazu kommt!

Parkplätze sind rar. Kein Wunder in einem Land, in dem rund 46 Millionen Personenkraftwagen zugelassen sind und die verkehrsberuhigten Zonen stetig zunehmen. Ebenfalls kein Wunder, dass wir vor lauter Freude über einen freien Parkplatz oft die anderen Suchenden vergessen. Wer hätte sich noch nicht über das rücksichtlose Parkverhalten seiner Zeitgenossen geärgert? Menschen, die sich vor lauter Freude gleich zwei Parkplätze sichern, sei es im Parkhaus oder auf der Straße, die die Länge ihres eigenen Autos notorisch um zwei Meter überschätzen.

  • Ein wenig mehr Rücksicht täte uns gut: ein Blick in den (Rück-)Spiegel, um uns und anderen das Einparken zu erleichtern!


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