Geht das, im Nahverkehr seine gute Laune behalten?  Im Nahverkehr kommt man sich nah. Geht in Bus und Bahn manchmal nicht anders. Wir rücken uns auf die Pelle. Und das kann uns ganz schön auf den Keks gehen. Doch das muss nicht sein. 

Inhaltsverzeichnis | Das erwartet Sie in diesem Artikel:

Mein Platz!

Rempeln, Boomboxen. Kopfhörer, Geschrei, Füsse auf und Kaugummis unter den Sitzen. An Rücksichtslosigkeiten mangelt es im Nahverkehr nicht. Selbst, wenn es einmal leerer ist entlädt sich aufgestaute Aggression noch:

Hannover: Ich sitze in der Stadt–Bahn. Mein Wagen ziemlich leer, höchstens fünf oder sechs weitere Fahrgäste. Mir schräg gegenüber ein Behindertenplatz. Darauf ein gehbehinderter älterer Herr. An der nächsten Haltestelle steigt ein weiterer älterer Herr ein. Ebenfalls gehbehindert. Und geht an allen freien Plätzen vorbei schnurstracks auf den besetzten Behindertenplatz zu.
Guten Tag. Stehen Sie bitte auf! Das ist mein Platz!
Wie Ihr Platz? Das ist offensichtlich mein Platz!
Das ist ein Behindertenplatz und das ist mein Behindertenausweis.
Richtig. Das ist ein Behindertenplatz und ich bin genauso behindert wie Sie.
Dann zeigen Sie mal Ihren Ausweis!
Ich muss Dir gar nichts zeigen!
Wieso duzt Du mich eigentlich? Jetzt steh’ endlich auf!
Jetzt setz’ Du Dich endlich hin! Der ganze Wagen ist doch leer!
Ich musste dann aussteigen. Konnte aber am nächsten Tag in der Hannoverschen Allgemeinen nachlesen, wie es weiterging mit den beiden Herren: Es wird immer verrückter! Gestern musste die Polizei in der Stadtbahn U7 zwei Rentner voneinander trennen, die sich um einen Behindertenplatz prügelten. Einer der Beamten erlitt leichte Verletzungen und musste stationär behandelt werden.“

1. Der Sitzplatz!

Früher war das irgendwie leichter mit dem Anbieten von Sitzplätzen. Alte Menschen sahen alt aus, und damit erübrigte sich die Frage, ob man sich nun zu erheben hatte oder nicht. Aber heute? So mancher Mensch im rentenfähigen Alter wirkt so jung, sportlich und rüstig, dass es einem als Affront ausgelegt werden könnte, ihm den eigenen Sitzplatz anzubieten und eine Freundin von mir bekam letztlich auf ihr freundliches Sitzplatzangebot zu hören: „Sehe ich etwas so alt aus?“ Aber von solchen Unhöflichkeiten lasse ich mich nicht abschrecken. Schon deshalb, weil sie so selten vorkommen. Und denke ich mir: Anbieten kostet ja nichts! Schön, wenn die Menschen mein Angebot annehmen. Schön auch, wenn sie es freundlich ablehnen: „Ach, bleiben Sie ruhig sitzen“. 

Im Übrigen bestimmt ja nicht nur das Alter über das Sitzplatzangebot  Sitzplatz bestimmen. Menschen mit Unmengen an Tüten, Schwangere oder andere schwer Bepackte freuen sich auch über unser Angebot! Ich für meinen Teil bin ja so alte Schule, dass ich  – auch wenn ein Platz offensichtlich frei ist – frage, ob ich mich setzen darf. Aber ich ich lege mir ja selbst im Fast-Food-Restaurant die Serviette auf den Schoß 🙂 

Was ich für nachvollziehbar, aber nicht höflich halte, ist den Platz neben sich mit seiner Tasche oder Rucksack zu blockieren. So baut man eine Mauer auf, die für den anderen zur Hemmschwelle wird. Er muss aktiv fragen, ob er sich setzen darf. Und da das jeder so wie ich tut, wird so mancher Sitzplatz verschenkt. „Können doch fragen, wenn sie was wollen, die Leute!“ mag der eine oder andere denken.  Man kann den Leuten aber auch das Leben leichter machen, denke ich. 

2. Der Stehplatz

Ist die Bahn oder der Bus voll, muss man oft mit den unliebsamen Stehplätzen unmittelbar vor den Türen vorlieb nehmen. Das bringt erhebliche Nachteile mit sich, lässt sich aber leider nicht immer vermeiden. Insbesondere diejenigen, die Ausstieg begehren, verfallen oft in Hektik, so dass man an jeder Haltestelle mit neuen panischen Gesichtern konfrontiert ist, die darum bangen, auch wirklich die Sardinenbüchse verlassen zu können. Steigen Sie einfach mit aus und dann umgehend wieder ein, wenn Sie nicht länger der Ihnen zugedachten Rolle als „menschlicher Punchingball“ gerecht werden wollen! Darüber hinaus bietet der Stehplatz die gute Gelegenheit sich von seiner höflichen Seite zu zeigen: Kinderwagen können hinein- und hinausgetragen werden. (Vorher sollten Sie sich jedoch davon überzeugen, dass Sie in der Brusttasche Ihrer Jeansjacke keine geöffnete Bierflasche transportieren, wie jener junge Mann, der sich neulich aus der Straßenbahn herunterbeugte, um einen Kinderwagen in die Bahn zu hieven), älteren Menschen beim Aus- und Einsteigen geholfen werden, für zu Spät kommenden die Tür geöffnet oder die Lichtschranke unterbrochen werden. 

3. Der Rempler

Gleicht die Beförderung mit Bus und Bahn wieder einmal einer Achterbahnfahrt, die uns aus dem Gleichgewicht wirft und wir uns gerade noch an den Halteschlaufen festklammern können, ist ein abrupter Körperkontakt mit unseren Mitreisenden nicht immer zu vermeiden. Eine kurze Entschuldigung reicht in der Regel aus, unabhängig davon, ob Sie sich als Opfer oder Täter begreifen.  Ich empfehle hier als Blaupause, die schöne englische Excuse-me-Regel: „Entschuldigen Sie sich für jede versehentliche Berührung/Zusammenstoß. Selbst, wenn der andere auf Ihren Füßen steht.“ Warum? Weil das die Situation entkrampft, niemand ernsthaften Schaden erlitten hat Recht behalten meist gute Laune verlieren bedeutet.

4. Der Lärm

Wo viele Menschen zusammenkommen, entsteht schnell ein lauter Geräuschpegel. Das muss nicht schlimm sein. Kann es aber, wenn so mancher seine Launen auf Kosten seiner Mitreisenden auslebt. Daher gilt: Du sollst nicht lärmen: Stell‘ Kopfhörer auf eine Lautstärke, die andere nicht hören können. Mach‘ Deine Boombox aus, Kollegah, sonst Haftbefehl! Unterhalte Dich in einer Lautstärke, die es anderen erlauben, sich noch zu unterhalten oder wegzuhören. Im IC gibt es Ruheabteile, echt. Und das ist ernst gemeint! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Menschen durchaus freundlich darauf hinweisen kann, ihre Lautstärke an die Umgebung anzupassen. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es Situationen gibt, in denen am Wochenende in S- oder U-Bahnen das Recht des Stärkeren gibt, wo man die nicht den Helden spielen sollte. (Siehe hierzu auch: Knigge über Zivilcourage)

 

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