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Business Knigge | Business-Dresscodes knigge business Kleidung

Business-Dresscodes

Wie kleide ich mich Business richtig? Welche Dresscodes muss ich beachten? Branchenvielfalt, Urbaniserung und Gender haben das modische Spektrum in Gesellschaft und Wirtschaft stark verändert. Noch immer sind Business-Kleidung und Uniform verwandt, aber es gibt viel mehr Modelle und Formen und in den letzten Jahren scheint es einem Platzhirsch an den Kragen zu gehen: der Krawatte. Das Leben ist Veränderung. Aber einiges bleibt auch gleich.

Grundregeln des guten Geschmacks

Da ich selbst nicht zur Nostalgie neige, sondern Zeitloses mag, kann ich mit Veränderungen gut lebe. Sei es im Umgang mit Menschen oder in der Mode: Haltung, Qualität und guter Geschmack setzte sich durch.  Klassiker verschwinden nicht so schnell von der Bildfläche. Sie werden aber selbstverständlich von Moden berührt und verändert. Und so hatten selbst die Hosen der Tweed-Anzügen in den 1970er-Jahren einen leichten Schlag. Allen Moden zum Trotz haben sich im Business einige Konstanten erhalten, die ich gerne vorstelle.

Knigge bleib bei Deinen Leisten

Sie suchen modische Anregungen.  Dann verweise ich Sie ganz unumwunden an die Kolleginnen und Kollegen. Ob „Elle“, ob „Vogue“ oder „Brigitte“, das dortige Know-how en Detail übersteigt das meinige bei Weitem. Da bin ich ehrlich. Wer sich für GOS im Business-

1. Wissen, was gespielt wird

Ein Must-Have in der Business-Kleidung ist für zunächst eine Aufmerksamkeit dafür zu entwickeln, was das jeweilige Umfeld erwartet. Wer in einer Kleinstadt bei der Volksbank im Kundendienst arbeitet, der sieht sich anderen Erwartungen ausgesetzt als Kreative in Düsseldorf oder Hamburg. Sich unangemessen gekleidet zu fühlen ist unangenehm. Für den Träger mehr als für Betrachter. Gut sitzen sollen Anzug und Hemd von Schuhen begleitet, die den Auftritt stützen. Für mich gilt noch immer: An den Füßen zeigt es sich.

2. Kostüm und Hosenanzug

Das beherrschende Axiom der Kunst des Anzugs im wirtschaftlichen Kontext „Gut gekleidet sein, heißt nicht auffallen!“, gilt ebenso für die Damenwelt. Was dem Mann der Anzug, ist der Frau das Kostüm, was dem Herrn das Hemd, der Dame die Bluse, was ihm die Krawatte, ist ihr das Halstuch oder die Kette, seine Strümpfe sind ihre Strumpfhose.

Doch bei aller Ähnlichkeit gibt es auch Unterschiede, geschminkte Männer mit Schmuck abseits des genannten sind eher die Seltenheit in der Welt der notwendigen Anpassung. Doch auch für die Geschäftskleidung der Frau gilt: Weniger ist mehr! (Um Missverständnissen und Stilblüten vorzubeugen: Ich spreche nicht von Miniröcken oder tiefen Dekolletees …)

Auch wenn in manchen Unternehmensknigges vor „Männerverkleidung“ gewarnt wird und in einigen Grandhotels der Hosenanzug beim Personal nicht gern gesehen wird, sind Hosenanzüge durchaus eine geeignete Alternative zum Kostüm. Auf den Marlene-Dietrich-Look im Sinne einer dazu kombinierten Krawatte dürfen Sie jedoch getrost verzichten!

3. Schmuck

Da Frauen meiner Meinung nach ohnehin über mehr Möglichkeiten als Männer verfügen, Schmuck zu tragen – wir sprachen bereits davon –, ist hier besondere Vorsicht geboten. Während der geschmückte Mann lediglich mit Spott bezüglich seines „gockelhaften Auftretens“ rechnen muss, unterstellt man Frauen oftmals ganz andere Dinge, die sich an dieser Stelle als nicht zitierfähig erweisen. Insbesondere Frauen in Führungspositionen sehen sich oft hinter vorgehaltener Hand den bigotten Vorwürfen ihrer männlichen Kollegen, aber auch Kolleginnen ausgesetzt, „so gar nichts Weibliches mehr zu haben“ oder wahlweise „nur aufgrund ihrer weiblichen Reize“ in die entsprechende Führungsposition vorgerückt zu sein.

Eine Frau, die keinen Schmuck trägt, gilt als „Mannsweib“, trägt sie zu viel und anderer Stelle zu wenig, wird sie nicht nur als „wandelnder Tannenbaum“ verunglimpft, sondern gilt als „männermordender Vamp“. Um sich aus dieser weiblichen Zwangslage zu befreien, hilft neben der klaren Ansprache gegenüber missgünstigen Kollegen die maßvolle Fünfstückeregel:

Tragen Sie nie mehr als fünf Schmuckstücke! Ehering und Uhr werden mitgerechnet, die Ohrringe einzeln. Als verheiratete Frau bleibt Ihnen demnach ein weiteres Schmuckstück, als Single haben Sie zwei weitere Preziosen zur freien Verfügung!

4. Die Tasche

Nichts ist verwerflicher als ungefragt eine Damenhandtasche zu durchwühlen. Die Tasche ist mehr als Aufbewahrungsort, sie ist Statussymbol und beste Freundin, auch wenn es sie im Dutzend teurer gibt. Keine Frau, die ich kenne ist einstellig, was die Anzahl ihrer Handtaschen. Ob Kelly-Bag, Birkin, Gucci oder Liebeskind. Formen, Farben und Größen sind keine Grenzen gesetzt. Haben Männer noch im 16. und 17. Jahrhundert Gürteltaschen getragen, der Adel reich verzierte, das Bürgertum meist im schlichten Leder, wurden die Taschen immer kleiner und schliesslich zum Portemonnaie. In den letzten Jahren nehmen die Männertaschen jedoch rapide zu. Erst mit dem Ruf für Tennissocken tragende Proleten und Hinterwäldler, mittlerweile als hippes menbag quer über den Oberkörper geschwungen. Im Business-Dresscode – außer in Kreativagenturren aber klarer Außenseiter hinter funktionalen Laptop-Taschen und fein gearbeiteten Ledertasche.

5. Die Schuhe

Es sei denn, Sie haben kein Geld oder keine Zeit, sich die passenden Schuhe dazu zu besorgen. Sollten Ihnen die Begrifflichkeiten „Budapester“, „Oxford“, „Derby“, „Full-Brogue“ oder „Semi-Brogue“ nichts sagen, dann empfehle ich eine kurze Recherche. Dass man seine Schuhe beizeiten putzt und die Absätze erneuern lässt, bedarf eigentlich keiner gesonderten Erwähnung.

6. Socken & Strümpfe

Strümpfe oder Socken? Strümpfe oder lange Socken! Über den Blick auf behaarte Männerbeine zwischen Socke und hochgerutschter Hose ist schon soviel geschrieben worden, dass es höchstens bei denen noch nicht angekommen ist, die noch immer nicht auf ihre geliebten Tennissocken verzichten wollen. Bei den Farben bin ich der falsche Ansprechpartner. Meine Strümpfe sind rot, ganz in der Tradition der Kniggeschen Familienfarben Rot und Weiß. Rote Strümpfe auf weißer Haut … Aber so ganz schwierig ist es ja mit den Farben ansonsten auch nicht, 85 Prozent des normalen Sortiments sind grau, blau oder schwarz, da fällt die Wahl wohl nicht allzu schwer!

7. Hemden & Manschetten

Über Hemden und Krägen ließe sich so einiges sagen, konzentrieren wir uns jedoch auf einige wesentliche Dinge: Bitte keine Button-down-, also am Kragen geknöpfte, Hemden zur Krawatte. Ob Sie sich hingegen beim Kragen für einen Kent, einen Cutaway, einen Windsor oder einen Tab entscheiden, bleibt Ihnen überlassen. Darüber hinaus empfehle ich, auf die doppelte Manschette zu setzen. (Nicht vergessen: Kümmern Sie sich um Manschettenknöpfe! Die Manschette sollte zwar unter dem Sakkoärmel zu erkennen sein, jedoch nicht die Handschuhe im Winter ersetzen . Da außerdem die „Schmuckmöglichkeiten“ des Mannes begrenzt sind, empfehlen sich die Knöpfe als hervorragende Ergänzung von Uhr und Ring und als Ersatz von zu vermeidenden Krawattennadeln.) Sie mochten Michael Douglas in „Wall Street“? Schön! Aber verzichten Sie auf blaue Hemden mit weißem Kragen, Ihren Sympathiewerten wird es nicht schaden. Apropos weiß: Mit weißen Hemden machen Sie nichts falsch, aber es gibt doch so viele andere schöne Farben und Muster!

8. Krawatten & Knotten

Kennen Sie Menschen, die Krawatten aus Leder, Strick, Holz oder Plastik tragen? (Ich wusste gar nicht, dass es letztere außerhalb der Karnevalssaison gibt). Gut, Krawattennadeln mit goldenen oder silbernen Kettchen begegnen einem schon mal, aber in der Regel hat sich die Seidenkrawatte ohne Zusatz doch durchgesetzt. Wenn Sie sich bei der Farbwahl unsicher sind, hören Sie auf Ihre Frau oder das Fachpersonal, wenn Sie Single sind oder lieber allein einkaufen gehen. Bleibt noch die Länge: bis zur Gürtelschnalle geht immer! Und das Binden selbst? Die Klassiker sind der Four-in-Hand und der Windsor, wobei Ihnen Spezialisten sicher noch 35 andere nennen könnten.

9. Der Anzug

Mit einem Maßanzug (mittlerweile zu vergleichsweise moderaten Preisen) oder einer geschmacklichen Kombination machen Sie als Mann wenig falsch.

10. Das Einstecktuch

Noch etwas: Als Freund des Einstecktuches möchte ich an dieser Stelle auch für dieses kleine Accessoire Werbung machen. „Falsch“ machen kann man dabei eigentlich nicht viel, es sei denn man wählt den selben Stoff wie den der Krawatte (diese Stoff-in-Stoff-Variante untergräbt schlicht die Eigenständigkeit beider Accessoires), oder man arbeitet in dem Unternehmen meines Freundes, in dem nur den Vorstandsmitgliedern des Unternehmens das Tragen von Einstecktüchern gestattet ist. Unglaublich, aber wahr!

Überhaupt sollten Sie die nicht zu unterschätzende Korrelation zwischen Hierarchieebene und Kleidung nicht unterschätzt werden. Menschen sind eitel, und wenn der neue Auszubildende seinem Vorgesetzten dauerhaft in Geschmacksfragen den Rang abläuft, dann braucht er sich über die Häufung an Überstunden nicht zu wundern! (Wie heißt es schon bei Baltasar Gracián: „Hüte Dich vor dem Sieg über Deinen Vorgesetzten!“)

11. Nicht zu grau!

Erinnern Sie sich noch an die „grauen Herren“ aus Michael Endes Roman „Momo“? So grau sollten Sie nun doch nicht werden, weder als Mann noch als Frau! Dazu gehört neben der ausführlich beschriebenen Akzeptanz der Rollenerwartungen im beruflichen Kontext vor allem eines: der Spaß daran, sich gut zu kleiden und sich ästhetisch weiterzubilden. Dazu bedarf es der Bereitschaft, den eigenen Blick für die Nuancen im Uniformen schulen zu wollen, ohne mit den konventionellen Regeln zu brechen. Sie müssen ja nicht gleich meine roten Strümpfe tragen.

12. Einen eigenen Stil haben

Bei aller Notwendigkeit zur Konformität, bleiben Sie als Person erkennbar. Bilden Sie Ihren eigenen Geschmack! Von Bazon Brock stammt der großartige Satz: „Das Gegenteil von Stil haben ist nicht keinen Stil haben, sondern keinen eigenen Stil haben.“  Und im Gegensatz zu Karl Lagerfeld finde ich nicht, dass man die Kontrolle über sein Leben verloren hat, wenn man Jogginghose trägt, würde aber zu Moleskin raten. Ist genau so gemütlich, aber man sieht einfach angezogener aus. Ich selbst bin kein Freund von Männerknöcheln und behaarten Beinen. Sneakersöckchen und Socken würde ich durch Strümpfe ersetzen. Von den Farben her bin ich ganz klar ein Freund der 70er Jahre. Ich mag Farben. Jacke, Hose, Krawatte, Einstecktuch, Hemd und Schuhe. Jedes meiner Kleidungsstücke darf seine eigene Farbe mitbringen. In meinem Stil folge ich weniger Epochen als Orten, die mich geprägt haben. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und war in England auf der Schule. Meine Leidenschaft für kräftige Grün und Brauntöne mag daher rühren. Meine Freude an Rot passt hingegen gut zu meinem Feuerkopf. In der Damenmode finde ich die zwanziger Jahre spannend. Sehr weiblich, verspielt und farbenfroh. Und Lebensfreude, die schadet auch im Business nicht.

 

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