Der Business-Knigge-Germany

An China-Knigges, Gebrauchsanweisungen für Indien, Business-Rules für die USA oder Ratgebern, wie man in Russland ohne Alkoholvergiftung Geschäfte macht, mangelt es nicht.

Was aber ebenso spannend ist, ist die Frage, wie uns eigentlich die Menschen anderer Länder sehen. Was rät man Menschen, die mit Deutschen Geschäfte machen oder in Deutschland arbeiten wollen?

Und so habe ich mich auf die Suche nach Knigges for doing business in Germany gemacht. Das hat übrigens einen ganz praktischen Hintergrund: Wer den Blick von Außen ernst nimmt, der hat mehr Erfolg im Umgang mit Menschen, weil er die Macht der Vorurteile im Umgang mit Menschen besser einschätzen kann. Und die Qualität der eigenen Ratgeberbibliothek besser einschätzen lernt. Außerdem gibt es immer was zu Lachen. Oder kennen Sie den deutschen Trinkspruch 

Erst mach‘ dein‘ Sach dann trink‘ und lach?

Die besten Tipps für den Umgang mit Deutschen

Selbst- und Fremdbild stimmen nie zu 100% überein. „Vorurteile verdunkeln oft die Augen selbst des klügern Mannes, und es ist schwer sich gänzlich an die Stelle eines andern zu denken.“ So riet uns bereits Adolph Freiherr Knigge in seinem berühmten Buch „Über den Umgang mit Menschen“.

Umso schöner, erhellender und amüsanter ist es sich ab und zu mit den Vorurteilen anderer zu beschäftige. Wer seinen seinen Ärger über die schematische Betrachtung unserer deutschen Eigenarten besänftigen möchte, der mache sich klar, wie viele Klischees der letzte gelesene „China-Knigge“ wohl beinhaltete. 

10 Tipps für den erfolgreichen Umgang mit deutschen Geschäftspartnern

How to deal with Germans? Wie gehe ich eigentlich am Besten mit Deutschen um? Der „Business-Knigge“ für Germany!

1. Focus on the Task

In the opinion of many Germans, Americans talk a lot without saying anything. Damn right! Small-Talk? Muss für uns nicht sein. Wir kommen lieber zur Sache, Schätzchen! Beziehungsebene? Wenn es nicht sein muss, lieber nicht. Plauderstunden bitte nach der Arbeit. Auch Kantine, Fahrstuhl sind für uns Deutsche keine Plätze an denen man nicht über die Arbeit redet. Nach der Arbeit vielleicht. Ich sagte vielleicht. 

2. No sloppy E-Mails

Schon Adolph Freiherr Knigge wusste: „Bedenke, ein Brief, den Du verschickt hast, ist weg.“ Ob mit DHL oder via E-Mail, Slack oder Whattsapp, das geschriebene Wort wird in Deutschland ernst genommen und formvollendet. Inklusive vernünftiger Anrede. Unbekannte werden geehrt mit und ohne Titel und gesiezt sowieso, Groß- und Kleinschreibung respektiert, die Rechtschreibung beherrscht, ebenso wie eine personalisierte Verabschiedung. (Freiheit für die „Lieben Grüße“. Raus aus der Autosignatur!) Ausrufezeichen werden sparsam eingesetzt und Kapitale gemieden. Wir wollen doch niemand ANSCHREIEN!!!!

3. Be right on time and stick to the plan

Pünktlich. So sind wir. Obwohl pünktlich ja auf den Punkt bedeutet. Aber in Deutschland bedeutet pünktlich eigentlich vor dem Punkt. Also zu früh. Ich kenne viele, die werden schon 30 Sekunden vor dem verabredeten Zeitpunkt nervös. Noch schlimmer als zu spät kommen sind allerdings Planänderungen sowie Verschiebungen oder gar Absagen. Wir Deutschen lieben unsere Pläne und wehe da kommt jemand und durchkreuzt diese. Das Schlimmste aber sind: Absagen und Verschiebungen nach dem vereinbarten Treffpunkt. Geht gar nicht!

4. Say what you mean

They don’t call it rudeness, they call it effectiveness. Wir gelten als sehr direkt, wir nehmen kein Blatte vor den Mund, weil es uns um die Sache geht. Schliesslich sind wir nicht zum Spaß hier! Bis die Franzosen zum Geschäft kommen, habe ich meinen Dessert schon beendet. Wir klären die Dinge lieber vor dem Essen und Abends arbeiten wir lieber an der Präsentation in unserem Hotelzimmer bei Wasser und Brot als mit der chinesischen Delegation essen zu gehen. Wir mögen es, wenn es ehrlich zu geht und keine Gesichter gewahrt werden müssen. Zeit ist Geld und wenn einer einen schlechten Job macht, dann wird man das wohl noch sagen dürfen. Also: Sag, was Du meinst und hör‘ auf rumzueiern!

5. Shake Hands

Hand geben, Hände schütteln, der perfekte Handschlag. Sich die Hand zu reichen, das ist in Deutschland im Business die klassische Begrüßung. Ein fester Händedruck, der nicht zu lange dauert, ein freundlicher Blickkontakt, so sagen wir Hallo, Guten Tag, Grüß Gott oder Moin. Je nachdem wo wir uns mit wem gerade in Deutschland aufhalten: Am Meer, in den Bergen oder mittendrin. Deutschland ist schön, fahren Sie mal hin! Ein wenig förmlich sind wir schon. Da selbst Deutsche einander die Hand zerquetschen oder tote Fische in die Hände legen, habe ich einen kleinen Knigge für den perfekten Handschlag geschrieben. Für alle! Damit nicht schon beim Hände schütteln der gute erste Eindruck dahin ist. 

6. Guten Appetit

Wir Deutschen lieben unser „Guten Appetit“ als Zeichen dafür, mit dem Essen zu beginnen. Wir Knigges sind in dieser Beziehung eine Ausnahme. Bei uns wurde früher zu Hause nicht „Guten Appetit“ gesagt. Das galt als überflüssig, ja sogar ein wenig spiessig.

Dabei ist eine schöne Geste. Wenn schon kein Tischgebet (In Deutschland weitestgehend ausgestorben) dann lieber Guten Appetit. (Bloß ohne Pieppiep, wir ham uns alle lieb!) Hinzu kommt das Zuprosten mit alkoholischen Getränken. Ob nur angedeutet oder mit den Gläsern tatsächlich angestoßen wird, das hängt von Getränken, Menschen und Alkoholkonsum ab. Auf Trinksprüche wie Erst mach‘ dein‘ Sach dann trink‘ und lach? können Sie aber ruhig verzichten 😉

7. Privacy is holy

Das Private ist uns heilig. Wenn im Büro die Tür geschlossen ist, dann wird angeklopft, was auf dem Gehaltscheck steht, geht niemanden etwas an und ihre privaten Reiche öffnen wir unseren ausländischen Geschäftspartnern nicht wie selbstverständlich. Bier ist eben Bier und Schnaps ist Schnaps. Der Business-Knigge-Germany sieht eine recht strikte Trennung der Lebensbereiche vor. Wir sind halt etwas distanzierter. Eher Geschäftspartner als Geschäftsfreunde. Keine Freunde für einen Abend, no Buddies for Life, aber, wenn wir Vertrauen gefasst, dann sind wir loyal und gute Geschäftspartner ein Leben lang! Und wer doch einmal nach Hause eingeladen wird, der macht nichts falsch einen Strauß Blumen mitzubringen. 

8. Dress like a member in Parliament

Dieser Satz muss von einem Engländer stammen. Wir wären gekleidet wie die Mitglieder des englischen Parlamentes. Dunkle, gedeckte Farben. Graue oder blaue Anzüge, keine extravaganten Farben, selbst bei den Krawatten nicht. Auch bei den Strümpfen kein Risiko. Ob Frau oder Mann, nicht auffallen lautet unsere Devise im Job. Uniformen, die mögen wir: Gediegen, streng aufs Wesentliche reduziert. Wir sind seriös und machen seriöse Geschäfte. Wie könnten da unsere Strümpfe gelb, unsere Krawatten pink und unsere Hosenanzüge british-racing-grün sein?

9. Use surnames

Wir lieben unser „Sie“. Wir werden gerne mit dem Nachnamen angesprochen solange wir uns nicht kennen. Wir gehen auf Distanz, um Nähe herzustellen. Das ändert sich zwar gegenwärtig ein wenig. Aber langsam und eben nur ein wenig. Noch regiert das SIE das DU! Und so heisst es gerade im Business immer noch eher Frau Schmitz und nicht Lisa und Dr. Schütze und nicht Christian und Freifrau von der Hohenlohe und nicht Constanze. Fräulein heisst aber auch bei uns niemand mehr. Höchstens in Österreich. Nachnamen und Titel sind uns wichtig. Wir werden gerne mit vollem Namen angesprochen. So viel Zeit muss sein, Kevin!

10. We’re not that bad

Bei meiner Recherche zum Umgang mit uns Deutschen, fand ich einen erschütternden Bericht einer Amerikanerin, die in München arbeitet. So ganz warm war sie mit uns Deutschen im Allgemeinen und im Besonderen noch nicht geworden:

„Normalerweise bin ich eine fröhliche Person, aber die Deutschen starren mich an, als wäre mit mir irgendwas falsch. Aber ich rieche nicht und sehe eigentlich mit meinen 34 Jahren ganz gut aus. Was ist es, dass ich hier nicht verstehe? Ich habe vorher in Großbritannien gearbeitet und bevor ich nach Deutschland ging, dachte ich es sei ebenfalls eine „Erste-Welt-Land“!?“

Manchmal freut sich auch ein Knigge, wenn er nicht auf alles eine Antwort haben muss, sondern dies einer anderen Chat-Teilnehmerin überlassen kann:

„You’re in Munich — fabulous city. Go to some events and drink until you’re jolly again!“

Andere lasen auch:

Bewerben mit Knigge

Was können wir von Adolph Freiherr Knigge für unser nächstes Bewerbungsgespräch lernen? Eine ganze Menge sagt Moritz Freiherr Knigge und listet dafür einige seiner Lieblingszitate von Adolph Freiherr Knigge auf. Diese Infos und Tipps finden Sie in diesem Artikel:1. Interessiere Dich für andere.2. Sei kunstvoll, aber natürlich.3. Kleide Dich nicht über und nicht über Deinem Stand.4. Lerne Widerspruch zu ertragen.  1. Interessiere Dich für andere. Wir mögen es, wenn andere sich für uns interessieren. Und

Mehr erfahren »

Goldene Regel

Der Publizist Joachim Fest trug zeit seines Lebens einen kleinen Zettel in seinem Portemonnaie, der ihm half, sich in Gottes großem Garten zurechtzufinden. Auf diesem stand: „Ertrage die Clowns!“ Man möchte hinzufügen: Sei dir bewusst, dass du selber einer bist! „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Eine Lebensweisheit, die bereits aus biblischen Zeiten überliefert ist und sich immer noch großer Beliebtheit erfreut. In der Moralphilosophie mittlerweile „als

Mehr erfahren »

Mit der Begrüßung sollte man keine Spielchen treiben – faz.net

Was erlaube Trump? Erst schlägt er die Hand der Bundeskanzlerin aus, dann zerquetscht der dem japanischen Ministerpräsidenten fast die seine, um schliesslich mit dem kanadischen Präsidenten Armdrücken zu spielen. Donald Trump hat eine etwas merkwürdige Auffassung von der Begrüßungsgeste Handschlag. Zu diesen und anderen Besonderheiten des amerikanischen Präsidenten hat die F.A.Z Moritz Freiherr Knigge interviewt. Benimm 6! Setzen! Wir nehmen nicht zu viel vorweg, wenn wir verraten, dass der amerikanische Präsident Donald Trump ernsthaft versetzungsgefährdet

Mehr erfahren »