Lehrer Lämpel hatte es alles andere als leicht, waren doch Max und Moritz in seiner Klasse. Die interessierten sich weder für das ABC noch für die Weisheit, sondern einzig und alleine für Streiche. Ungezogene Lausbuben, die nicht anderes im Sinn hatten, als ihre Mitmenschen gehörig zu verärgern. Am Ende war den beiden verantwortungslosen Gesellen jedoch ein böses Ende beschieden. „Ja, ja, ja“, rief Meister Böck, „Bosheit ist kein Lebenszweck.“

Bosheit und Charakterlosigkeit werden bestraft. Das ist die Moral von der Geschicht’. Kurzfristigen Erfolgen in Form gemeuchelter und verspeister Hühner, angesägter Brücken, ausgestreuter Krabbelkäfer, explodierender Pfeifen und gestohlener Zuckersachen folgt das böse Ende. Wer nicht hören will, muss fühlen. Wer sich nicht bilden will, sollte sich nicht einbilden, damit durchzukommen. Soweit Wilhelm Busch. Und heute? Wie steht es um unser Vergnügen an Weisheit und Charakterbildung?

Der Charakter ist das Zentrum unserer Persönlichkeit. Durch Erfahrungen und Erkenntnisse geprägt, durch versäumtes oder geleistetes Nachdenken geformt, ist der Charakter der Kern unseres Wesens. Wenn wir anderen Charakter bescheinigen, dann meist Menschen, die reichlich Erfahrungen gemacht, Erkenntnisse gesammelt und eher viel, als wenig nachgedacht haben. Menschen, die sich ihrer Sache sicher sind, die Entscheidungen treffen und zu ihren Entscheidungen stehen. Die Charakterdarsteller des Lebens erscheinen als weitgehend autonom, selbstbestimmt und souverän. Sie lassen sich durch wenig aus der Ruhe bringen, weder von ihren eigenen Leidenschaften noch durch ihre Mitmenschen. Sie haben einen eigenen Kopf, unverrückbare Standpunkte und lassen sich nicht leicht von ihren Überzeugungen abbringen. Es sei denn, sie kommen zu der Ansicht, dass ihr Gegenüber ähnliche Anstrengungen bei der Charakterbildung unternommen hat wie sie selbst. In diesem Fall haben sie kein Problem damit, sich überzeugen zu lassen und ihre bisherigen Überzeugungen loszulassen.

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