Von Damen, Fräuleins und Vatis

Es war einmal: Die Dame. Das überirdische Wesen. Vollkommen. Überlegen, den Frauen und den Männern ohnehin. Selbst den Gentlemen unter diesen. Bis die Frau die Dame um 1968 abschaffte. Zu tantenhaft, zu sehr Ornament, zu sehr Weibchen des weissen heterosexuellen Mannes mittleren Alters, dem die Mutti die Pantoffeln nach einem anstrengenden Arbeitstag zum Fernsehsessel bringt.

Im Fernsehen sitzen kluge Männer in dämlichen Kapseln bei der „Der große Preis“. Und der kluge Vati rät mit. In der Küche erledigt Mutti derweil das bißchen Haushalt und freut sich des Lebens und über den klugen Vati, der ihr Mann ist. Dem Muff aus Talaren und Pantoffeln wurde der Kampf angesagt. Nicht länger mit Kernseife, sondern mit Ho Chí Minh und Uschi Obermaier. Die 68er machten sich bereit der Republik ein neues Gesicht zu geben. Damen und Fräuleins wurden von nun an den Geschichtsbüchern überantwortet. (Tauchen aber ab und zu noch mal auf. Das Fräulein zum Beispiel vor Kurzem in Wien.

Aber doofe Fragen gibt es immer noch

Doch so schnell geht es dann doch nicht mit den gesellschaftlichen Umwälzungen. Wer Gleichberechtigung fordert, muss ja nicht freiwillig auf seine Privilegien verzichten! Und ein Privileg der Dame war, dass man sie nicht nach ihrem Alter fragt. Keinesweg, niemals, um Gottes Willen! So wie man überhaupt niemanden, ob Dame, Frau, aber auch Herr oder Kerl Fragen stellt, die man nicht beantworten will. Curiosity killed the cat.

Bei der Frage nach dem Alter von Frau aka Damen mussten schon fünfjährigen Kindern erfahren, wie es sich anfühlt, wenn jemand nicht raus will mit der Sprache:

Wie alt bist Du, Frau Schmitz?“

„Ungefähr ein Jahr älter als Du liebe Lisa!“ 

Also frag‘ nicht so doof!

Altert die Sonne? Altern die Sterne? Also. Frag doch nicht so doof. Die Dame welkt nicht. Sie ist Rose bis ans Ende aller Tage. Nie junges Ding, nie alte Schachtel. Die Dame ist eine Göttin, die im Körper einer Frau lebt. Weil es sie offiziell nicht mehr gibt. Männer haben ein Alter, Frauen und Damen nicht. Basta! Bei der Kolumnistin des Tagesspiegel Dr. Elisabeth Binder las ich ein sehr schlagkräftiges Argument, warum sich Männer und auch Kinder bis in alle Ewigkeit die Frage „Wie alt bist Du, Frau Schmitz?“ verkneifen sollten. Wie sehr sie ihre unhöfliche Neugier auch verklausulieren mögen: „Ich frage mich gerade, wie alt Sie sind, Frau Schmitz…“ „Ich weiss, das macht man eigentlich nicht Frau Schmitz, aber würden Sie mir verraten, wie jung Sie sind?“ Statt einer Antwort wartet nämlich eine Gegenfrage wie ein Tiefschlag. 

Was würdest Du denn schätzen?

Ganz dünnes Eis. Man kann schon auf den Grund des Sees schauen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit das Thema wechseln. Wer auch nur dran denkt zu schätzen, hat schon verloren. Wer tatsächlich schätzt, sollte sich selbst teeren und federn. Zu gewinnen gibt es jedenfalls nichts. Nada. Niente. Das musste ich letztlich selbst schmerzhaft erfahren:  Erst bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe von meinen geschätzten Alter 15 Jahre abgezogen. „Nee, Moritz jetzt mal im Ernst.“ Dann habe ich fröhlich gesagt: 38! Und die eiskalte Antwort erhalten: „Ich bin 32, Herr von und zu!“

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