Knigge-Regel: Mach Dich locker. Hans-Otto Schrader ist Chef der OTTO-Gruppe. Dem größten Versandhändler Deutschlands. Mit über 50.000 Mitarbeitern. Duzen im Büro? Für Hans-Otto Schrader Null Problemo! Alle dürfen ihren Chef „Hos“ nennen. Duzen ja, aber nicht Hans-Otto bitte, sondern Hos H für Hans, O für Otto und S für Schrader. Ein bißchen abseits des Mainstreams darf’s dann schon sein.

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Das SIE macht sich locker

Auch Sven Seidel, LIDL-Chef will nicht länger der Herr Seidel sondern viel lieber der Sven sein. Deutsche Unternehmen machen sich locker. Alle machen sich locker. Sogar der für seine Strenge bekannte Discounter ALDI hat den Krawattenzwang aufgehoben. Lockerheit verspricht bessere Kommunikation, flache Hierarchien effizientere Ergebnisse. So die neue Losung.

Mein DU gehört mir

Doch ganz so locker geht es in Deutschlands Unternehmen auch dann nicht zu, wenn sich laut Umfrage mittlerweile jeder zweit duzt. Ganz so flach sind die Hierarchien dann doch nicht nicht. Noch immer sind manche gleicher als andere. Ganz so steil ist auch die These nicht, dass viele sich im beruflichen Alltag mehr Distanz wünschen als ihnen gewährt wird. Das DU ermöglich mehr Kommunikation, das stimmt, aber es verschleiert auch die Hierarchie, die es nicht mehr geben sollte. Aber immer noch gibt. Das DU verspricht eine Nähe, die nicht immer angenehm ist dort wo man auf Menschen trifft, die einander nicht ausgesucht haben.

Hey Boss, ich brauch mehr Geld!

Ein Teilnehmer eines meiner Seminare sagt eimal zu mir: „Ich komme gut mit meinem Chef klar, aber ob mich jemand duzt oder nicht, darüber entscheide ich.“ Oder wie es Tillmann Prüfer in der ZEIT so wunderbar wie polemisch auf den Punkt brachte: „Der gesiezte Angestellte gibt seine Lebenszeit und behält wenigstens noch seine Würde. Der Chef darf sich nicht einbilden, dass er mit dem Monatsgehalt auch persönliche Freundschaft einkauft.“ Nähe gibt es nicht per Knopfruck und gelungene Kommunikation nicht weil sich plötzlich alle Duzen. Barrierefreie Kommunikation entsteht dort, wo Vertrauen und Verlässlichkeit herrschen, wo man DU oder SIE Arschloch sagen kann und danach Schwamm drüber und frei nach Gunter Gabriel der Angestellte zum Vorgesetzten: Hey Boss, ich brauch mehr Geld! Wenn das so läuft, dann könnt es klappen mit dem Duzen im Büro.


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