Was schenkt man eigentlich seinen lieben Kolleg_innen?  Wer besorgt das Geschenk? Wie viel Beteiligung ist angemessen und ist der Gutschein aus dem letzten Jahr eigentlich schon eingelöst? Fragen, die ich gerne beantworten möchte. 

1. Nicht den Miesepeter geben

„Dauernd kommt jemand mit einer dieser bunt bedruckten Karten in unser Büro – ich würde sagen, im Schnitt zweimal die Woche –, und bittet um eine Unterschrift und einen kleinen Geldbetrag. Natürlich gab es das früher auch. Aber neben Geburtstagen, Jubiläen und Pensionierung von Menschen, die man kannte, hat sich das Spektrum um Hochzeiten, Umzüge, Geburten, kranke Haustiere und mir gänzlich unbekannte Personen beträchtlich erweitert. Ein wenig übertrieben, wie ich finde, aber schließlich möchte man ja auch nicht als Miesepeter aus dem fünften Stock gelten!“

Und wer möchte schon gerne als „Miesepeter“ gelten? Aus diesem Grund schadet eine positive Grundeinstellung gegenüber dem jeweiligen Anliegen sicher nicht. Wenn anderen eine Freude bereitet werden soll, steht man mit allzu vielen und allzu grundsätzlichen Bedenken meist allein auf weiter Flur. Natürlich können Sie auf Kino- und CD-Gutscheine ebenso gut verzichten wie auf kreative Geschenkideen, die nicht einmal den Geschmack Ihrer verwitweten Großtante treffen würden, doch sollten Sie bedenken, dass dem Miesepeter aus dem fünften Stock Liebesentzug mit weitreichenden Folgen drohen könnte.

2. Wohlwollend sein

Im Falle kranker Haustiere und anderen skurrilen Ansinnen können Sie ja auch mal getrost die Verweigerungskarte ziehen. Ob Ihnen hingegen die betreffende Person unbekannt ist, die nun nach 30 Dienstjahren ausscheidet, könnte als Argument in die Irre führen. Womöglich handelt es sich ja um den Pförtner, der Ihre Gäste stets freundlich empfangen hat, oder die Putzfrau, die Jahrzehnte lang Ihren Arbeitsplatz sauber gehalten hat. Jetzt kommt die Zeit, sich dafür zu bedanken, auch wenn Ihnen dies im direkten Kontakt noch nicht gelungen sein sollte. 

3. Den Initiator_innen danken

Was glauben Sie, wie viele peinliche Situationen Ihnen dadurch erspart blieben, dass andere sich durch das Einsammeln eines kleinen Obolus auf wichtige Anlässe hingewiesen haben, die Sie sonst vergessen hätten? Allein schon deshalb sind die drei Euro und die Zehntelsekunde, die Sie für die Unterschrift auf der Dankeskarte aufbringen müssen, eine gute Investition in Ihre unternehmensinterne Reputation. Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal im Kollegenkreis Geld und Unterschriften eingesammelt oder ein Geschenk besorgt?

4. Es nicht übertreiben

 Oder sind Sie selbst eine der „guten Seelen“, die für die Aufmerksamkeiten innerhalb Unternehmens zuständig ist? Dann sollten Sie darauf achten, dass es nicht zu inflationären Tendenzen kommt. Dazu gehört neben der Beschränkung auf bestimmte Anlässe – kranke Haustiere oder zweitägige Abwesenheiten aufgrund eines grippalen Infekts bedürfen nicht unbedingt einer förmlichen Anteilnahme – die Fähigkeit, nicht unnötigen Druck auf die Miesepeter aus dem fünften Stock auszuüben („Da kann man doch gar nicht nein sagen!“) und darauf zu achten, dass die jeweiligen Aufmerksamkeiten gleichberechtigt verteilt werden. (Nichts wäre unwürdiger, als persönliche Sympathien und Antipathien mit Hilfe von Geschenken zum Ausdruck zu bringen!)

5. Auch schlechte Geschenke sind gute Geschenke

„Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht!“ Das stimmt. Doch selbst wer keine wirkliche Freude über die „gut gemeinten“ Karten für den „Starlight Express“, die CD „Best of Phil Collins“ oder die DVD der neuesten „Desperate-Housewives-Staffel“ empfinden kann, der sollte das Sprichwort auch auf seine eigenen Reaktionen anwenden können. Nichts wäre unhöflicher, als seine Enttäuschung über ein gut gemeintes Geschenk zum Ausdruck zu bringen!

Eugen hat Geburtstag

Zum Abschluss noch eine Geschichte aus dem Geschenke-Alltagsirrsinn, über die ich immer wieder sehr herzlich lachen muss. Ein Lieferant hatte an Eugen Webers* Geburtstag über dessen Sekretärin einen Termin mit selbigem vereinbart und suchte an jenem Tag die Räumlichkeiten seines Kunden auf. Doch etwas war anders, die Räume und Flure lagen verwaist da. Kein Mensch in Sichtweite. Verwunderlich, denn die Uhr zeigte 10.30 Uhr – für die Mittagspause zu früh, für den Arbeitsbeginn zu spät. Doch der Lieferant hatte Glück: Einige Flure und Büros weiter traf er die gesamte Mannschaft an. Im Gemeinschaftsraum, fröhlich feiernd, mit Sektflöten und Schnittchen bewaffnet. Nur einer fehlte: Eugen. Doch auf Nachfragen des Lieferanten löste sich das Rätsel schnell auf.

„Eugen? Der ist doch heute gar nicht im Büro.“

„Warum das denn?“

„Der hat heute Geburtstag!“

„Ach so, dann muss das wohl ein Missverständnis sein“, erwiderte der Lieferant.

Ein Missverständnis, das gleich zwei Menschen im Raum eine leicht rötliche Gesichtsfarbe verlieh: dem Lieferanten selbst und der Sekretärin, hatten doch beide den Geburtstag von Eugen vergessen. Doch der Lieferant blieb souverän, auch wenn er sich darüber ärgerte, den Geburtstag seines langjährigen Geschäftspartners vergessen zu haben. Schon wieder auf dem Rückzug, erkundigte er sich noch höflich nach dem Anlass der teaminternen Feier und erhielt als ebenso überraschende wie entwaffnende Antwort:

„Ähem, wir feiern den Geburtstag vom Eugen!“

Name von mir geändert. 

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