Mehr miteinander erreichen

Gastgeber

Gastgeber

Herzlich Willkommen! Was macht eigentlich perfekte Gastgeber aus?

„Kein Gast und kein Fisch halten sich länger als drei Tage im Hause“. So Adolph Freiherr Knigge in seinem berühmtesten Buch „Über den Umgang mit Menschen“. Doch auf was gilt es zu achten, damit es überhaupt drei schöne Tage werden? Zehn Verhaltensempfehlungen für Menschen, die gerne Gäste haben. Gelernt von den besten Gastgebern, die ich kenne.

1. Sei ein guter Botschafter

Von meiner georgischen Freundin Maka stammt der schöne Satz: Unsere Großzügigkeit als Gastgeber ist nicht nur Visitenkarte unserer selbst sondern auch die unseres Landes. Jeder ausländische Gast wird in seiner Heimat freudig erzählen, wie er heimisch er sich bei uns fühlte.

2. Der gute Gastgeber zeigt sich im Umgang mit dem Ungebetenen

„Wen habt ihr denn da mitgebracht?“ fragte meine Mutter zum gemeinsamen Frühstück einfanden. Komisch. Diesmal hatte keiner einen Übernachtungsgast mitgebracht. Wer aber lag dann friedlich schlummernd in unserem Gästezimmer? Ein Landstreicher, wie sich herausstellte, jemand, der letzte Nacht das seltene Glück gehabt hatte, ein unverschlossenes Haus mit einem unbenutzten Gästezimmer zu finden.

3. Decke einen Teller mehr

Ich hatte das Glück in einem offenen Haus groß zu werden. Jeder war willkommen. Und so wurde bei uns zu Hause zur Mittagszeit immer ein Teller mehr gedeckt. „Wer weiß, wer noch kommt, Moritz“ hat meine Mutter immer gesagt. Und es kamen reichlich spannende Menschen.

4. Mische Deine Gäste wild durcheinander

Das habe ich von einer guten Freundin Katja: „Weißt Du, was ich schrecklich finde? Wenn es bei einem gesetzten Essen keine Tischordnung gibt und Ehepaare zusammensitzen . Man hat sich auf der Hinfahrt schon nichts zu erzählen und aus der Rückfahrt immer noch nichts.“

5. Mach’ Dich nicht verrückt

Es ist Deinen Gästen zuzumuten Spülmaschinen einzuräumen, den Nachtisch zu verteilen und Wein nachzuschenken.

6. Bereite anderen die Bühne

Nur wer im Hintergrund bleibt, bleibt als guter Gastgeber in Erinnerung. Wenn ich mich schlafen legen kann, ohne dass es jemand merkt, habe ich alles richtig gemacht.

7. Wer in der Küche steht, kann nicht am Tisch sitzen

Gute Gastgeber stellen Gemeinschaft her und nicht ihr kulinarisches Können zur Schau.

8. Erzähle und höre zu

Und lerne zu unterscheiden, was wann gefragt ist.

9. Geh’ ins Bett

Die besten Gastgeber sind die, die schon im Bett sind, wenn die letze Rest vom Schützenfest sich für den Wahnsinnsabend bedanken will.

10. Gäste galant loswerden

Zum Abschluss eine etwas längere Geschichte für Gastgeber, die nun ohne Gäste sein wollen. 

Es soll ja auch Menschen geben, die Gastfreundschaft ausnutzen. Kennen Sie das? Ein rauschender Abend geht zu Ende, nur die üblichen Verdächtigen drehen noch mal auf auf. Rückenwind! Man selbst möchte ins Bett. Basta. Doch die Party-Animals genießen gerade ihren dritten Wind. Und Sie sind der Gastgeber, blöd gelaufen. Wie wird man eigentlich galant seine Gäste los? „Aber im Ernst, Moritz. Was mach ich mit Gästen, die partout nicht nach Hause gehen wollen? Wie bleibe ich höflich, obwohl ich schon mit dem Zaunpfahl wedele. Offensichtliches Gähnen, MÜÜÜÜDEEEEE schreien, am Kragen packen?“  Coole Frage, findet Moritz Knigge und ist um coole Antworten bemüht, wie man auf galante Weise seine Gäste loswerden kann.

Höfliche Menschen sind Meister der indirekten Kommunikation. Direktheit ist ihre Sache nicht. Auf die Frage: „Wie geht es Ihnen?“ antworten sie mit heiterer Miene: „Ganz wunderbar“ auch wenn sie auf dem Weg zum Zahnarzt sind. Die Frage: „Wie gefallen Ihnen meine neuen Schuhe?“ würden sie selbst im Traum nicht stellen. Nicht weil sie die Antwort fürchten, sondern weil sie ihrem Gegenüber das unangenehme Gefühl ersparen möchten, die Wahrheit beugen zu müssen. Höfliche Menschen lesen zwischen den Zeilen und gegen davon aus, dass auch andere das tun.

„Ist es wirklich schon halb zwei? Wie schnell die Zeit vergeht, wenn man sie mit netten Menschen verbringt.“ „Auch der schönste Abend geht einmal zu Ende.“

„Wirklich ein wunderbarer Abend, schön dass Ihr gekommen seid.“ „Ich rufe Euch gerne eine Taxi, sagt einfach Bescheid.“ Es stört Euch hoffentlich nicht, wenn ich schon mal langsam den Tisch abräume.“ „Je älter ich werde desto schwerer fällt es mir mal richtig auszuschlafen?“ „Da habt aber auch nur noch fünf Stunden Schlaf, wenn Ihr morgen zum Sonntagsfrühstück eingeladen sein.“

Der Wink mit dem Zaunpfahl ist ihre Ultima Ratio. Offenes Wort und offener Mund unvorstellbar. Aber wenn’s nicht anders geht?

GÄÄHN. „So. Seid mir nicht böse. Aber man soll ja gehen, wenn es am Schönsten ist. Und das ist genau jetzt.“ „So, die Herrschaften. Der letzte Schluck auf ex. Ich schließe jetzt.“ „Lasst Euch nicht stören, aber ich geh’ jetzt ins Bett.“ „Ehrlich gesagt: Ich mache jetzt keine neue Flasche mehr auf. Das wäre bei Eurem Zustand Perlen für die Säue.“

 

Die lockernde Wirkung eines schönen Schluck Weins kann dazu führen, dass selbst die aufmerksamsten Gäste an ihren Stühlen kleben bleiben und die großzügigsten Gastgeber grobschlächtige Phantasien hegen, wie sie Sitzfleisch ihrer Gäste in Bewegung setzen können. Um in solchen Situationen ihr Herz nicht auf der Zunge tragen zu müssen und die lallenden Zungen ihrer Gäste zu verstummen, hat meine Freundin Anna sich professionelle Hilfe geholt. Sie schweigt und lässt Sarah Brightman und Andrea Bocelli – „Time to Say Goodbye“ für sich singen. In voller Lautstärke. Sieben Minute schwelgen, schweigen, sich in den Armen liegen, sich darüber freuen, dass man einander kennt. Und Zuhause beseelt davon einzuschlafen.

 

Ein Sprichwort aus dem Sudan lautet: Das Haus stirbt nicht, das einen Gast willkommen heißt. Möge auch Ihr Haus ewig leben. Als frisch ans Werk: Laden Sie ein, was das Zeug hält. 

Geschenk-Ideen

Fortbildung

Knigge erleben