Jeder erfolgreiche Umgang mit Menschen beginnt mit dem ICH-MENSCH-DU-SPIEL. Früher sagte man dazu gute Kinderstube. Theoretisch kennen sich die meisten Menschen mit der guten Kinderstube aus. Praktisch weniger. Daran wurde ich letztlich bei einem Besuch im Seniorenheim von Anni erinnert. “Gewöhnlich erlaubt man sich alles, verzeiht man sich alles und anderen nichts.”  Sagt Adolph Freiherr Knigge. (Über den Umgang mit Menschen, Teil I, 2, 8) “Wer glaubt die anderen seien die Idioten, ist selbst ein Idiot! ” Sagt Anni.

Annis gute Kinderstube

Anni lebt in einem Seniorenheim. In ihrem Zimmer hat sie ein Puppenhaus. Eine antiquarische Schönheit. Als ich Anni neulich besuchte nahm sie mich in den Arm und sagte : „Weisst Du, was das ist, Moritz? Das ist meine gute Kinderstube: Da sagen sich die Menschen guten Tag und Auf Wiedersehen, Danke und Bitte und Schwamm drüber, wenn sich einer entschuldigt! Da werden Pflegerinnen genauso freundlich gegrüsst wie Ärztinnen. In meiner guten Kinderstube werden Fragen gestellt und Antworten abgewartet. Zugehört statt vollgeschwafelt. Hier wird sich für andere interessiert und sich in Frage gestellt. Hier lachen wir lauter über uns selbst als über andere!“

Warum erzählt Anni mir das? Dachte ich. Ich bin der Knigge! Ich weiss, was eine gute Kinderstube ist: „Anni, Du weisst doch, was ich beruflich mache!“  Da klopfte Anni mir wohlwollend auf die Schulter und lächelte: „Ich weiss Moritz, ich weiss: Das Leben könnte so schön sein. Wären da nicht all’ die anderen RÜPEL! Wären doch mehr Menschen zuvorkommend und aufmerksam. Wären doch mehr Menschen ein ganz klein wenig mehr wie DU.“

1. Jeder nickt und keiner fühlt sich angesprochen

Da musste ich schmunzeln. Weil meine eigene Reaktion mich an ein Gespräch nach einem meiner Vorträge erinnert hat. Ein Herr sprach mich an; sehr freundlich. Mein Vortrag hätte ihm gut gefallen und er würde mir in allem 100% zustimmen. Das freute mich. Liegt mir doch der gute Umgang mit Menschen am Herzen. Doch sein Nachsatz machte mich stutzig: „Ich bin auch immer wertschätzend, aber die anderen, die sind das nicht.“

„Ich weiss, ich weiss: Das Leben könnte so schön sein. Wären da nicht all’ die anderen RÜPEL! Wären doch mehr Menschen zuvorkommend und aufmerksam. Wären doch mehr Menschen ein ganz klein wenig mehr wie Sie.“

2. Machen ist wie Wollen nur krasser

Ich habe wenige kennengelernt, die Respekt, Höflichkeit und Wertschätzung ablehnen. Aber viele, mich eingeschlossen, die zu wissen meinen und nicken und danach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Aber der respektvolle Umgang zeigt sich im Konkreten. Die zwischenmenschliche Wahrheit liegt auf dem Platz der Begegnungen. Das Ich-Mensch-Du-Spiel lebt vom Spielen nicht vom Auswendiglernen der Gebrauchsanleitung. Der Umgang mit Menschen braucht Menschen, die mitspielen.

3. Anfangen

Das Ich-Mensch-Du-Mensch-Spiel braucht Menschen, die den Anfang wagen und nicht darauf warten, dass die anderen beginnen. Menschen, die sich bemühen das zu tun, was sie von anderen erwarten. Die zuhören statt zuzutexten, die freundlich sind statt sich unfreundlich behandelt zu fühlen, die Lächeln statt das Lächeln anderer zu brauchen, die anderen auf Augenhöhe begegnen statt über arrogante Schnösel zu wittern.

4. Selbstbewusstsein

Das Ich-Mensch-Du-Mensch-Spiel braucht Menschen, die ihre Wirkung auf andere kennen. Denn die Lücke zwischen unserer Selbst- und Fremdwahrnehmung ist größer als wir meinen. Und der Blick in den Spiegel sehr hilfreich, um etwas über sich zu lernen. Wer Rückmeldungen ernst nimmt und ein besseres Gespür für seine Wirkung auf andere entwickelt, der wird sich seiner selbst bewusst. und Selbstbewusstsein ist eine gute Voraussetzung für den erfolgreichen Umgang mit Menschen.

5. Wohlwollen

Das Ich-Mensch-Du-Mensch-Spiel braucht Menschen, die ihren Mitmenschen wohlwollend begegnen. Die Missverständnisse Konflikten vorziehen, die auch mal Fünf gerade sein lassen und aus Mücken keine Elefanten machen. Weil sie wissen, dass auch sie tagtäglich auf das Wohlwollen anderer angewiesen. die das gleiche tun. Die ein Auge zudrücken und sich sagen: Schwamm drüber, ist ja nix passiert. Alles gut! Menschen, die erfinden, was das Zeug hält, damit jeder eine gute Figur und nicht sein Gesicht verliert. Wohlwollen ist der Schlüssel für einen Umgang mit Menschen, dessen Losung BESSER MITEINANDER lautet.

Also denn: Frisch ans Werk. Viel Freude im Umgang mit Menschen,

 

 

 

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