Ein Plädoyer fürs Ich-Mensch-Du-Spiel: Immer mehr Gastronomen und Gastronominnen vermissen hinter vorgehaltenen Hand die einfachsten Umgangsformen und bemängeln zunehmend eine „All-inclusive-Mentalität“. „Kein Danke, kein Bitte, aber ein Benehmen wie Graf Koks. Ich habe nichts gegen König Kunde, solange er sich nicht wie ein Sklavenhalter verhält.“ Sagt Gastronom aus der Spitzenküche.

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Kundenwüste Deutschland?

In der Ständegesellschaft glaubten manche, Gefolgschaft nicht erwerben zu müssen. Besaßen sie sie doch von Geburt. Dienstbare Geister sollten unsichtbar bleiben nach dem Motto: »Ich Mensch, Du Luft« statt »Ich- Mensch-Du-Mensch« In der Dienstleistungsgesellschaft wanderte dieser Dünkel in den ein oder anderen Geldbeutel. Mit ihm die einfache Logik: Dienstleistung kommt von dienen, nicht von frech werden. Sonst hieße es ja Frechleistung.

Kleiner Knigge für Kunden

Wertschätzung ist nie im Preis enthalten. Sie ist das Preisgeld des gelungenen Miteinanders. Egal unter welchen Vorzeichen wir einander begegnen: Kultur beweist, wer andere nicht zum bloßen Mittel seiner Zwecke macht. Aber machen wir das nicht alle, täglich? Ist denn König Kunde nicht auch bloß Mittel zum Zweck, wenn er dankbar seine Zeche zahlt? Nein. Wenn beide, Gastgeber und Gast, einander über den bloßen Zweck ihrer Begegnung hinaus wahrnehmen und wertschätzen.

Nachhilfe im Ich-Mensch-Du-Spiel

Ihre Frage kenne ich übrigens aus eigener Erfahrung. Erst neulich kam nach einem Vortrag ein Nachwuchs-Despot: »Baron Knigge, muss ich Ihnen jetzt danken? Mein Unternehmen hat sie gut bezahlt.« Ich sagte: »Nichts müssen Sie. Aber vielleicht wollen Sie sich als Mensch zeigen. Probieren Sie es. Überall und so oft Sie können. Grüßen Sie. Bitten Sie. Danken Sie. Entdecken Sie andere Augen und verschenken Sie Ihr Lächeln. Sonst versäumen Sie ein Spiel, das nur Menschen miteinander spielen können: Das königliche Ich-Mensch-Du-Mensch-Spiel«.

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