Knigge-Regel: Von SIE zum DU geht schneller als zurück. In einem meiner Seminare sprach ich mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Frage, ob und wie man von DU zum SIE zurückkehren könne. Insbesondere in der Unternehmenswelt gar nicht ein so ungewöhnlicher Fall, wie ich von einer der Teilnehmerinnen erfuhr:

Von DU zum SIE – Erst Kollegin, dann Vorgesetzte, was nun?

„Eine schwierige Kiste, Herr Knigge. Als ich seinerzeit befördert wurde, hatte ich plötzlich eine Team von 14 Personen, von denen ich mich mit 13 duzte. Schon die Ansprache einer DU-und-SIE gemischten Gruppe ist schwierig: „Ich wollte EUCH mitteilen“ lässt zum Beispiel das förmliche SIE zurück. Während „Ich wollte IHNEN noch sagen“  sehr formell klingt. Zudem fand ich es extrem schwer die Unterschiedlichkeit in der Anrede meiner Mitarbeiter nicht als Ungleichbehandlung meiner Teammitglieder.

Die einen DUZEN und die anderen SIEZEN?

Tatsächlich besteht die Gefahr der Ungleichbehandlung. „Wenn die duzt, dann besteht doch da eine viel engere Bindung!“ „Wenn es mal hart auf hart kommt, dann ist ja klar, wer bevorzugt behandelt wird!“  Im Zwischenmenschlichen wird ja vieles im Kopf entschieden. Und nicht immer alles gesagt sondern sich der berühmte Teil gedacht. In solchen Fällen, in der das Teamgleichgewicht in Gefahr ist, kann es durchaus Sinn machen, zum Sie zurückzukehren. Tatsächlich habe ich das gemacht, Herr Knigge. Seitdem Sieze ich mich wieder mit meinen drei ehemaligen Kolleginnen und denke das war genau der richtige Schritt. Aber nur vor den anderen, musste sie lachen, wenn wir uns alleine sehen natürlich nicht! Von SIE zum DU, das beherrschen wir us den EffEff.

Ewiges und temporäres DU

Adel verpflichtet – Einmal DU, immer DU

In adligen Kreisen würde im übrigen niemand von einem DU aus ein SIE gehen. Zum einen duzen sich Adlige ohnehin meist untereinander. Ob verwandt oder nicht. Ist man verwandt, dann grüßt man sich sich bis zum Lebensende. Das gilt für den stoffeligen Vetter ebenso wie für den Sohn mit dem Jahren nicht mehr spricht oder den Bruder, den man mit dem Allerwertesten nicht mehr anschaut. Die Rückkehr vom DU zum SIE ist ausgeschlossen. Das DU gilt ewig.

Das DU auf dem Golfplatz

Auf dem Golfplatz ist das anders. Hier kann man es noch antreffen, die seltene Form des temporären DU. Siezen sich Frau von Crailsheim und Frau Schlüter im echten Leben, sind sie auf dem Golfplatz per DU. Wichtig ist auf dem Platz, da sind alle gleich. Das kann im wahren Leben ganz anders sein. Und so sind  Lydia und Marianne nach gespielter Runde schnell wieder beim SIE. Ohne mit der Wimper zu zucken.

Vom englischen YOU zum deutschen SIE

Auch bei internationalen Meetings wenn die offizieller Sprache englisch ist, sind die Teilnehmer schnell beim temporären DU. Kehren aber danach mit ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen rasch wieder zum „Sie“ zurück und aus dem kurzeitigen Lothar wird schnell wieder der Head of Controlling Dr. Meyer.

Das DU auf der Weihnachtsfeier

Das populärste temporäre DU ist des Vorgesetzten auf der Weihnachtsfeier des Unternehmens. Kurz nach Mitternacht bier- und redselig und wenig sentimental flüstert es dann durch Deutschland: „Karin was meinen Sie? Wollen wir uns nicht Duzen? Wir arbeiten doch lange und richtig gut zusammen, finden Sie nicht? Sie sind einfach die Beste, ehrlich. Also ich bin der Henning. Vergessen wir mal diesen ganze Dr. und Hauptabteilungsleiter-Quatsch.“ Mein Knigge-Tipp: Wenn Sie kein Problem damit geduzt zu werden, willigen Sie ein. Warten Sie dann den nächsten Tag im Büro ab, ist der Henning dann immer  noch der Henning, prima. Ist er wieder Hauptabteilungsleiter Dr. Quatsch, auch prima!

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