Kartoffeln und Spaghetti mit der Gabel.

Von mir aus halten Sie es gerne mit Karl Heinz Graudenz, wie in seinem 1956 erschienen Klassiker „Das Buch der Etikette:“ Kartoffeln werden – gleich welcher Art – grundsätzlich nur mit der Gabel gegessen! Sie mit dem Messer zu zerschneiden ist barbarisch. Nun war 1956 gegen die Barbarei noch ein durchaus vitaler Kampf zu führen. Doch während wir heute in Frieden und Freiheit versöhnt sind, stehen in der Kartoffelfrage zwei unterschiedliche Blöcke – unversöhnlich wie Dubcek und die Sowjetpanzer im Prager Frühling.

Geschmäcklerische Sulfidisten vertreten die Meinung, dass früher in den Klingen enthaltenes Silber mit in den Kartoffeln enthaltenem Schwefel reagiere und diesen einen ekelhaft seifigen Geschmack verleihe. Während oberflächliche Oxidisten weniger den Geschmack als den schwarzen Überzug des Bestecks als Begründung anführen. Ich erwidere allen Graudenzern, Oxidisten und Sulfidisten dieser Welt: Wenn sich an eurer Tafel nur ein Besteck schickt, legt mir halt nur dieses hin.

Womit wir unmittelbar bei den Spaghetti wären: Natürlich dürfen Sie Ihren Löffel beim Aufdrehen zur Hilfe nehmen. So frei und fröhlich, wie der gebratene Lachs im Magen schwimmt – egal ob im Beaujolais oder im Grauburgunder.

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