Shop
Video
Vita
Presse&Medien
Termine
Referenzen
Kontakt
Style | Machen Kleider Leute? Frag doch den Knigge

Machen Kleider Leute?

Ein gewisser Adolph Freiherr Knigge schrieb einmal, „man ist in Gesellschaft verstimmt, sobald man sich bewusst ist, in einer unangenehmen Ausstaffierung aufzutreten.“ Ich mag diesen Satz sehr. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von der angstbesetzten Frage „Was sollen denn die Leute denken?“ hin zu der selbstbestimmten Frage „Welches Bild möchte ich von mir abgeben? Wie wollen wir uns fühlen und wie unseren Mitmenschen begegnen? Darum geht’s. Denn zur angenehmen Ausstaffierung  gehört ein angenehmes Auftreten. Zum äusseren Schein das innere Sein.

Das Gegenteil von Stil haben ist keinen eigenen Stil haben

Wie sagte der Kunsttheoretiker Bazon Brock so schön: „Das Gegenteil von Stil haben ist nicht keinen Stil haben, sondern keinen eigenen Stil haben.“ Und dieser eigene Stil fällt weder vom Modehimmel noch von der Stange, dieser Stil muss sich bilden. Stilvolle Menschen haben sich gebildet, im Umgang mit sich selbst und ihren Mitmenschen. Sie geben ein stimmiges Erscheinungsbild ab. Unsere Kleidung hat keine Empathie, keinen Humor, keine Intelligenz, keinen Esprit, solange wir selbst nichts von alledem haben.

Nicht was, sondern wie wir unsere Kleidung tragen

Kleider mögen Leute machen, aber Menschen machen Kleider! Ob Jogginghose oder Jackett, ob H&M oder Hermes, Wir sind es, die unsere Kleider zum leuchten bringen. Und so wage ich es sogar Karl Lagerfeld zu widersprechen, der allen, die Jogginghose tragen, attestierte, sie hätten die Kontrolle über ihr Leben verloren. Nicht, was wir tragen, sondern wie wir es tragen, ist entscheidend. Leute können den schönsten Maßanzug, das schönste Ballkleid durch ihre innere Hässlichkeit obszön aussehen lassen, Menschen eine Jogginghose mit ihre innerer Schönheit zum Glänzen bringen.

Gepierct. Vom Scheitel bis zur Sohle

So wie jene Journalistin, mit der ich vor Kurzen ein Interview führte. Jogginghose, heftig gepierct und stak tätowiert vom Scheitel bis zu Sohle. Aber sehr freundlich, zuvorkommend und angenehm im Umgang, nur ein wenig über die Maßen aufgeregt wie ich fand. Die Ursache für Ihre Aufregung verriet sie mir nach unserem Interview: „Herr Knigge, mir war mein Erscheinungsbild heute ein wenig unangenehm, weil ich einen Zeitungsartikel über sie gelesen habe in dem Sie sagten, wie schrecklich Sie Piercings finden.“

„Piercings mag ich auch immer noch nicht“, antwortete ich lächelnd, „aber was hat das mit Ihnen zu tun?“

 

Sie wollen mehr Miteinander?