Die Welt da draußen. Wir können unseren Blick nämlich auch dem zuwenden, was gut läuft in dieser Welt da draußen:

  • Tyrannen müssen sich für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor UN-Tribunalen verantworten.
  • Unternehmen stehen zunehmend in der Verantwortung, ihre Waren unter sozialen und ökologischen Standards zu produzieren.
  • Der Leitsatz einer gewaltfreien Erziehung ist nicht mehr zu diskutieren.
  • Verstöße gegen unsere marktwirtschaftliche Ordnung wie Korruption, Preisabsprachen und Kartellbildung nehmen nicht zu, sondern werden härter bestraft als in der Vergangenheit.
  • Arbeitende Mütter gelten nicht länger als Rabenmütter.
  • Politische Alleingänge in einer globalisierten Welt gehen zurück.
  • Restaurants weisen in ihren Speisekarten darauf hin, auf tierquälerische Speisen zu verzichten.
  • Bei Pöbeleien in der U-Bahn greifen in sechs von sieben Fällen couragierte Bürger ein.

Wir leben in einer gesellschaftlichen Ordnung, in der ein Staatspräsident sich selbst dann nicht für Karikaturen entschuldigen kann, wenn er sie selbst kritisch sieht, und wir erkennen, dass George Bush Barack Obama erst möglich machte. Wir können uns selbst daran erinnern, welch großartige zivilisatorische Errungenschaften, die Soziale Marktwirtschaft, die Demokratie und die universellen Menschenrechte darstellen, und uns fragen, was wir dazu beitragen können, um diese dauerhaft zu sichern und weiterzuentwickeln. Wir können unsere Kräfte mobilisieren, uns unserer eigenen Möglichkeiten bewusst werden und einen Beitrag in der Welt leisten, in der wir leben.

Wir können auch weiterfragen:

  • Erinnern uns die braven Kinder von damals nicht manchmal an dressierte Äffchen? Wer möchte denn heute noch ernsthaft die Umgangsformen pflegen, die in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts durch den Verband der deutschen Tanzlehrer vermittelt wurden?
  • Wie groß ist der Unterschied zwischen den „fürsorglichen“ Patriarchen des industriellen Zeitalters in Europa, die ihre Mitarbeiter für vierzehn Stunden unter Tage schickten, zu den Vertretern eines staatlichen Kapitalismus im Reich der Mitte?
  • Was meinen wir denn, wenn wir von größerem Respekt sprechen? Bedingungslose Unterordnung oder freiwillige Anerkennung?
  • Und worin bestehen eigentlich die seelischen Folgen für Sprösslinge von Patchworkfamilien im Vergleich zu denen, die Onkel Hubert und Tante Martha das „schöne Händchen“ geben mussten?

Natürlich ist das die reine Polemik, genauso allerdings wie das ewige Loblied auf die alte Welt.

Lieber mit einer Brille durch die Gegend laufen, mit der man die rosaroten Farbkleckse in unserer Welt noch sieht, als mit einer, in der die Gegenwart tiefschwarz und die Vergangenheit rosarot erscheinen. Wer sollte einem verbieten, an rosarote Farbkleckse auch zu glauben? Höchstens jene, die gestern noch eine unblutige Revolution in der ehemaligen DDR, den Niedergang der amerikanischen Autoindustrie, einen schwarzen Präsidenten, Biolebensmittel bei Aldi, einen griechischen Fußball-Europameister oder den Zusammenbruch der internationalen Finanzmärkte für unmöglich hielten.

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