Fair Play statt Ego-Trip

Menschen spielen gerne. Und glaubt man der Spieltheorie, dann ist alles ein großes Spiel. Wenn es allen Spaß machen soll, dann müssen allerdings vernünftige Regeln gelten. Zumindest dann, wenn die, denen an Fairness liegt, am Ende nicht in die Röhre gucken sollen, durch die die Egozentriker soeben mit ihren üppigen Gewinnen verschwunden sind, und zwar auf Kosten der Ersteren.

Das wohl berühmteste Beispiel der Spieltheorie ist das Gefangenendilemma: Zwei Gefangenen (nennen wir sie Hinz und Kunz), die – und das ist wichtig –, nicht miteinander kommunizieren können, wird getrennt voneinander die Möglichkeit eröffnet, den anderen entweder zu belasten oder zu schweigen. Da jedem der beiden Gefangenen dieselben Alternativen zur Verfügung stehen, ergeben sich insgesamt vier unterschiedliche Möglichkeiten:

  1. Hinz schweigt, Kunz sagt gegen ihn aus, wird zum Kronzeugen und bleibt straffrei.
  2. Kunz schweigt, Hinz sagt gegen ihn aus, er ist der Kronzeuge.
  3. Beide belasten sich gegenseitig und müssen mit einer hohen Strafe rechnen.
  4. Beide halten den Mund und kommen mit einer milden Strafe davon, weil es sich um einen Indizienprozess handelt.

Wofür würden Sie sich entscheiden? Schweigen? Wenn der andere aussagt, haben Sie den Schwarzen Peter! Gegen den anderen aussagen? Dann bleibt Ihnen zwar die Chance auf Haftverschonung verwehrt, aber Sie verhindern immerhin die Höchststrafe. Wenn Sie also nicht den Märtyrer spielen wollen, bleibt Ihnen gar nicht anderes übrig, als gegen den anderen auszusagen. Da dieser sich jedoch genauso entscheiden wird, bleibt Ihnen eine milde Strafe verwehrt! Dumm gelaufen.

Es klingt vielleicht etwas merkwürdig, im Zusammenhang mit Verantwortung auf zwei Gefängnisinsassen zurückzugreifen. Doch dieses Beispiel zeigt sehr anschaulich, welche Folgen unser Verhalten haben kann, wenn wir nicht mit unseren Mitmenschen im Dialog stehen. Wenn Vertrauen – und sei es, wie hier, die Ganovenehre – nicht möglich ist, weil das Gegenüber fehlt, weil jedweder Kontakt abgeschnitten ist. Nur ein weltfremder Idealist würde wohl darauf hoffen, dass der andere für die gemeinsame Tat die alleinige Verantwortung übernimmt oder selbst darauf hofft, dass der Erste so reagiert. Beide würden das Risiko eingehen, am Ende mit Handschellen dazustehen.

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