„Kann man sich ja nicht aussuchen!“ – Freunde und Freundinnen von Freundinnen und Freunden

„Also dieser Manfred, ich weiß ja nicht!“ – „Wie man mit so einer Frau sein Leben verbringen kann, wird mir auf ewig verschlossen bleiben!“ Ihnen fallen sicher noch andere, gar drastischere Formulierungen für die Herausforderung ein, sich mit den Entscheidungen des besten Freundes oder der besten Freundin hinsichtlich des jeweiligen Lebenspartners zu arrangieren. Ich glaube, dass eine Freundin von mir einen sehr weisen Satz sprach, als sie die Lebensgefährten – gleich welchen Geschlechts – für die größte Bedrohung hielt, der jede Freundschaft ausgesetzt ist!

Da meint man jemanden in und auswendig zu kennen, seine Stärken und Schwächen, geht in seiner oder ihrer Familie ein und aus, teilt Leid und Freud, und dann so was! Plötzlich drängt sich jemand in das gemeinsame Leben und stellt alles in Frage, was bisher als unumstößliche Wahrheit galt: „Du, Gregor, darf ich Dir die Anna vorstellen?“ Gibt es etwas Schöneres als die Freundinnen, Freunde, Ehefrauen und Ehemänner der eigenen Freunde zu mögen, nicht zu dulden, nein, zu mögen? Als eigenständige Persönlichkeiten, als Glücksgriffe – nicht nur für die eigene Freundin oder den eigenen Freund. Nein, als Bereicherung für sich selbst und den gesamten Freundeskreis! Nein, es gibt nichts Schöneres. Wer würde da nicht freiwillig auf die eine oder andere Stunde gemeinsamer Treffen verzichten?

Doch wehe, wenn sich dieses Glücksgefühl nicht einstellt! Was tun, wenn uns diese merkwürdige Mischung aus persönlicher Eifersucht und Beschützerinstinkt ergreift, an deren Ende die „natürlich ganz objektive und ungetrübte“ Einschätzung steht, „dass die Anna dem Eckart einfach nicht gut tut“?

Bevor wir uns überhaupt irgendwelchen Verhaltensempfehlungen widmen, sollten wir stets bedenken, dass wir uns auf dem dünnsten Eis bewegen, das die Umgangsliteratur mit sich bringt. Nirgendwo anders lauern dermaßen viele Gefahren, Dinge falsch ein- und sich selbst zu überschätzen, wie auf dem glatten Parkett des Themas „Freunde und Freundinnen von Freundinnen und Freunden“. Jeder Schritt will wohlüberlegt sein, wollen wir nicht am Ende selbst das Opfer unserer „gut gemeinten“ Einschätzungen werden!

Bevor Sie also beginnen, Eckart den Fängen Annas zu entreißen, indem Sie mit ihm ein ernstes Wort reden oder Anna im Umfeld diskreditieren, sollten Sie sich ein umfassendes Bild über Ihre eigenen Motive machen! Tut Anna eigentlich Eckart nicht gut oder Ihnen? Stehen Sie mit Ihrer Meinung im Freundeskreis nur deswegen alleine da, weil die anderen einfach zu feige sind, ihre Bedenken zu äußern, oder unterliegen Sie möglicherweise doch einer subjektiven Fehleinschätzung? Geben Sie sich und Anna und Eckart Zeit, bevor Sie Ihre Rettungsaktion starten.

  • Tun Sie alles, um sich ein wirklich objektives Bild zu machen. Und bedenken Sie – selbst wenn Sie jede Form der persönlichen Betroffenheit ausgeschlossen haben – dass jeder Mensch die Freiheit besitzt, sich unglücklich zu machen.

Haben Sie sich dennoch entschlossen, aus dem jungen Glück kein altes werden zu lassen? Wenn Sie sich ernsthaft bemüht haben, Anna kennenzulernen, sie nicht als Nebenbuhlerin zu betrachten und ausreichend „Beweise“ dafür gesammelt, dass sich Ihr Freund auf dem besten Wege befindet, sich einer unheilbaren Gehirnwäsche zu unterziehen, irreparable Wesensveränderungen inklusive, dann handeln Sie!

  • Suchen Sie ein Gespräch mit Eckart, und schildern Sie ihm ganz unumwunden Ihr Problem mit Anna.

Alle Rückversicherungen – wie zum Beispiel ähnliche Meinungen im Freundeskreis – sollten nicht zum Thema gemacht werden. Im Mittelpunkt steht Ihre ganz persönliche Wahrnehmung! Enthalten Sie sich darüber hinaus jedweder Anklagen („Ich weiß einfach nicht, welcher Teufel Dich da geritten hat!“), Drohungen („Du weißt schon, dass Du dabei bist, unsere Freundschaft zu zerstören?“) und freundschaftlicher Tipps („Auch andere Mütter haben schöne Töchter!“). Fragen Sie den Freund nach seinen Empfindungen hinsichtlich Ihrer gemeinsamen Freundschaft: „Hat sich nach Deiner Meinung etwas zwischen uns verändert?“, und bitten Sie ihn ganz konkret, über Vorschläge nachzudenken, durch die alle Beteiligten bestmöglich mit der schwierigen Situation umgehen können.

  • „Die oder ich“ gilt nicht! Jede gute Freundschaft muss Krisen aushalten, auch wenn diese von nun an von Dauer sein sollte. Treffen Sie sich allein mit Ihrem Freund, sparen Sie das Thema Anna aus, suchen Sie nach dem, was sie beide noch teilen, nicht nach dem, was sie trennt. Bauen Sie ein neues möglicherweise kleineres Fundament Ihrer Freundschaft, anstatt alles einzureißen!

Wissen Sie eigentlich wie gut Ihnen Ihre Frau/Ihr Mann tut? Fragen Sie doch mal bei Gelegenheit Eckart …

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