Nicht das Paradies auf Erden zu errichten kann unser realistisches Ziel sein, aber uns das Leben auf der Erde wenigstens nicht zur Hölle zu machen, das wäre doch schon mal was! Grüßen hilft. Denn nirgendwo steht das gute Benehmen so sehr auf dem Spiel wie im Unternehmen. Dort, wo wir gezwungen sind, mit einer Vielzahl unterschiedlicher Menschen auszukommen, die wir uns in der Regel nicht ausgesucht haben, dort, wo nicht selten das Recht des Stärkeren zu gelten scheint und gute Manieren keinen Platz für sich beanspruchen dürfen.

Knigge Grüßen
Guten Tag=)

Grüßen verbindet

Im Gegensatz zu unseren temporären Begegnungen in öffentlichen Räumen können wir nicht darauf vertrauen, dass die eine oder andere „Nase“ schnellstmöglich wieder aus unserem Blickfeld verschwindet oder der eine oder andere Rüpel mir nichts, dir nichts die Bildfläche verlässt, weil der Einkauf beendet oder das Flugzeug endlich gelandet ist, der Zug fast pünktlich seinen Zielort erreicht hat oder der Film glücklich zu Ende gegangen ist. Natürlich hat nicht jeder von Ihnen ein „Büroekel“ wie Bernd Stromberg, Hauptfigur der gleichnamigen Fernsehserie, zum Chef und notwendigerweise einen ganzen Haufen von Kollegen oder Mitarbeitern, denen er am liebsten nie wieder begegnen würde. Und doch – so möchte ich behaupten –, gibt es einige Grundregeln, die geeignet sind, aus einem guten Betriebsklima ein noch besseres zu machen.

Während im gesellschaftlichen Leben die Frage im Mittelpunkt steht, wie man sich zu begrüßen habe, kann man sich in manchen Unternehmen bereits darüber freuen, dass man überhaupt begrüßt wird. Für viele scheint das Grüßen mittlerweile zur lästigen Zeitverschwendung zu verkommen, frei nach dem Motto: „Seht her, ich bin zu wichtig, zu beschäftigt, um mich mit profanen Höflichkeitsgesten zu beschäftigen.“ Menschen, bei denen wir froh sein dürfen auf unser freundliches „Guten Morgen!“ überhaupt eine Antwort zu erhalten. (Geschweige denn, dass sich die ach so Beschäftigen einmal selbst dazu durchringen würden, von sich aus zu grüßen!) Die hierarchische Position ist im Übrigen die denkbar schlechteste Entschuldigung, sich um diese primitivste aller Höflichkeitsregeln herumzudrücken. Denn ein Recht auf eine freundliche Begrüßung gebührt jedem menschlichen Wesen, ob es über die Vorstandsflure schreitet oder diese auf Hochglanz wienert! Damit wäre wohl alles gesagt, möchte man meinen, und doch lässt sich dieser Grundregel des höflichen Umgangs noch einiges mehr abgewinnen:

Nichts erschrickt empfindliche Gemüter so sehr wie ein zünftiges „Mahlzeit!“ zur Begrüßung – so sehr, dass es bereits Unternehmen gibt, die in ihren Umgangsleitlinien darauf verweisen, dass die Mitarbeiter von dieser Begrüßungsformel Abstand nehmen sollten. Ich selbst halte das für übertrieben. Nicht zurückzugrüßen, weil Ihnen diese Art als unzivilisierte Bodenständigkeit erscheint, kann keine Entschuldigung sein – Leitlinie hin, Leitlinie her. Ob Sie zur Mittagszeit jedoch darauf „Guten Tag“ erwidern, das sollten Sie selbst entscheiden. Wenn Sie bereits in der Morgenstunde mit „Mahlzeit!“ begrüßt werden, dann sollten Sie neben einer Erwiderung überprüfen, ob Sie Ihren Wecker nicht ein wenig früher stellen sollten oder zum Beispiel antworten: „Haben Sie sich etwa einen halben Tag frei genommen?“

Wenn die Begrüßung nicht nur verbalisiert wird, sondern durch entsprechenden Körperkontakt mittels Händeschütteln Unterstützung findet, wird es plötzlich kompliziert! Drei Grundregeln legen uns die Etikette-Experten ans Herz. Ausgangspunkt ist der Grad an „Wichtigkeit“, der dem jeweiligen Personenkreis zugestanden wird:

 

  • Der Vorgesetzte reicht seinem Mitarbeiter die Hand, 2. der Ältere dem Jüngeren und 3. die Dame dem Herrn.

 

Wenn Sie wissen wollen, was passiert, wenn der fünfunddreißigjährige Abteilungsleiter auf die sechsundfünfzigjährige Chefsekretärin des Vorstandes trifft, dann empfehle ich Ihnen eine Recherchereise durch die Benimmliteratur …

 

  • Versäumen Sie es nicht aus Ängstlichkeit vor einem Regelverstoß, Menschen überhaupt zu grüßen oder ihnen die Hand entgegenzustrecken. Im Zweifelsfall ist es besser einen „Fehler“ in Kauf zu nehmen, als mit schamroten Gesicht und gesenktem Haupt ohne Gruß aus der Situation zu fliehen!

 

Zeit ist Geld, und der Marketingabteilung müsste ohnehin mal jemand erklären, was professionelle Arbeit bedeutet? Mag sein, aber das sollte Sie nicht davon entbinden, Ihren Ansprechpartner trotz aller Hektik und allen Termindrucks freundlich zu begrüßen, bevor Sie wutentbrannt Ihr Anliegen vorbringen …

Weitere Informationen:

Knigge Anrede, über die richtige Begrüßung im Umgang
Wer war Adolph Freiherr Knigge, Moritz Knigge?
Heisst es immer »ladies first«, Moritz Knigge?
https://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_Freiherr_Knigge