Es gibt nicht wenige, die behaupten, die härteste Bewährungsprobe einer Ehe bestünde in der Organisation der Hochzeitszeremonie. Ich glaube, das ist wahr.

Ausgang aus der selbstverschuldeten Unverbindlichkeit

Viele Paare durchleben im Vorfeld ihrer Hochzeit zum ersten Mal den Ausgang aus der selbst gewählten Unverbindlichkeit. Damit ist jetzt Schluss, jetzt wird es ernst! Kompromissbereitschaft und Konsensfähigkeit der zukünftigen Eheleute stehen auf dem Prüfstand. Da hat man sich Zeit seines Lebens um alle möglichen Riten und Kulte herumgedrückt, um sich nun mit einem Batzen von Anforderungen und Herausforderungen herumzuschlagen!

Kein Wunder, dass so mancher noch im Vorfeld die Brocken hinschmeißt und das Aufgebot abbestellt oder sich aufs „Wesentliche“ konzentriert: auf ins Standesamt, keinem Bescheid sagen, der Standesbeamtin kurz erläutern, dass „Der kleine Prinz“ heute Pause habe und Trauzeugen nicht vonnöten seien. Dann schnell die Heiratsurkunde eingesteckt, für zwanzig Euro ein Familienbuch erworben und raus an die frische Luft. Erstmal durchatmen! So weit die graue Theorie.

10 To Dos

Doch die Ansprüche aus dem Umfeld der frisch Vermählten lassen sich nicht so einfach auf Eis legen. Eltern, Freunde, Verwandte und Bekannte haben sich das schon ein wenig anders vorgestellt. Und was zunächst hinter vorgehaltener Hand an Vorhaltungen gemacht wird, bahnt sich irgendwann den Weg in die Gehörgänge der Eheleute: „So einfach kommt Ihr nicht davon, wann wird denn gefeiert?“

Wer sich hingegen ganz bewusst für Glanz und Gloria entscheidet und fest entschlossen ist, die eigene Trauung zur unvergesslichen Traumhochzeit werden zu lassen, der ist in der Pflicht:

  1. Da müssen Einladungen inhaltlich gestaltet und gedruckt
  2. im Falle einer kirchlichen Trauung Traugespräche geführt,
  3. liturgische Programme gestaltet und gelayoutet,
  4. Gästeliste
  5. und Tischordnungen verabschiedet,
  6. Trauzeugen und Fürbittensprecher bestimmt,
  7. Brautkleider und Bräutigamgarderobe ausgesucht,
  8. festliche Räumlichkeiten gefunden,
  9. DJs geordert, Geschenkwünsche definiert
  10. und, last but not least, Hochzeitsreisen geplant werden.

Selbst erfahrene Mitarbeiter aus Eventagenturen, zu deren täglichem Brot es gehört, größere Veranstaltungen zu organisieren und deren reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, ächzen bisweilen unter der Last des bevorstehenden Jawortes!

Locker bleiben

Und nicht immer ist es damit getan, die obige Liste Schritt für Schritt abzuarbeiten. Meinungsverschiedenheiten sind in allen Bereichen vorprogrammiert, was nicht zuletzt mit der unfassbar großen Erwartungshaltung zusammenhängt, die die beiden Brautleute – jeder aus seiner Warte – mit dem „großen Tag“ verbinden. Für den einen ist eine kirchliche Trauung ein Muss, für den zweiten ein romantisches Sahnehäubchen, während der nächste mit Kirche auch an diesem Tag nichts am Hut zu haben gedenkt. Während die Braut einen kleinen Kreis an Gästen bevorzugt, können es für den Bräutigam gar nicht genug Menschen sein. Dafür könne man gerne am Essen sparen: „Die kommen doch nicht zu unserer Hochzeit, um gut zu essen!“ Und so gibt ein Wort das andere, bis alle Argumente ausgetauscht sind, eine Krise nach der nächsten durchlebt und am Ende im besten Fall ein tragfähiger Konsens erzielt wurde.

Wedding Planner

Um diesen wahrscheinlicher zu machen, die darauf folgende Zeremonie ohne seelische Blessuren zu überstehen und am frühen Morgen gemeinsam selig einzuschlafen, bräuchte es eigentlich einen professionellen „wedding planner“. Eine Hochzeitsplanerin wie Mary Fiore aus dem gleichnamigen amerikanischen Film aus dem Jahre 2001, das wär’s! Da Jennifer Lopez jedoch momentan nicht zur Verfügung steht, müssen Sie mit meinen Empfehlungen vorlieb nehmen

1. Die Einladung

Laden Sie rechtzeitig ein, scheuen Sie sich nicht, baldige Ab- oder Zusage einzufordern, legen Sie eine Anfahrtsskizze bei, reservieren Sie Hotelkontingente für Ihre auswärtigen Gäste, stellen Sie kurz den geplanten zeitlichen Ablauf dar, äußern Sie sich bei Bedarf zum gewünschten Dresscode, und teilen Sie mit, was Sie sich wünschen.

2. Die Geschenke

Sie fragen sich, ob es in Ordnung ist sich zur Hochzeit lediglich Geld zu wünschen? Ich kann nichts Schlimmes daran erkennen, schließlich ersparen Sie sich und anderen leidiges Kopfzerbrechen. Einen konkreten Verwendungszweck sollten Sie jedoch angeben. Sei es Ihre Hochzeitsreise, eine neue Couchgarnitur oder die Neugestaltung der beiden Kinderzimmer. Vergessen Sie aber nicht diejenigen Gäste, die sich scheuen, Geld zu verschenken, weil Sie es für zu unpersönlich halten. (Da ich selbst dazu gehöre, gestehe ich mein eigennütziges Motiv gerne ein.) Als eleganter Zwischenweg eignet sich eine Hochzeitsliste in einem Kaufhaus oder bei einem Innereinrichter. Als Einladender können Sie angeben, was Sie sich wünschen, und die Gäste haben die Gelegenheit, die Geschenke auszuwählen, die Sie sich auch wirklich wünschen. Beim nächsten gemeinsamen Abendessen wird Ihnen dann vielleicht aus der Suppenschüssel serviert, die Sie selbst verschenkt haben, das ist doch nett.

3. Kirchliche Trauung

Sie heiraten kirchlich, kennen aber kein einziges, dem Anlasse angemessenes Kirchenlied? Keine Scheu, hören Sie sich im Freundes- und Bekanntenkreis um, kramen Sie die liturgischen Programme bereits vergangener Hochzeitsfeste heraus und schauen nach, wofür sich andere Brautpaare entschieden haben.

Auf zwei Lieder, die man getrost als zeitlose Klassiker bezeichnen darf, werden Sie bei Ihrer Recherche immer wieder stoßen: „Lobe den Herren“ von Joachim Neander und „Großer Gott, wir loben Dich“ von Peter Ritter. Einer meiner Favoriten ist Paul Gerhards „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Natürlich können Sie auch den Pfarrer im Traugespräch fragen, da dieser Sie ohnehin bitten wird, mit ihm gemeinsam die Liturgie für den Traugottesdienst festzulegen. Je weniger Ihnen und Ihren Gästen die Liturgie vertraut ist, desto gezielter sollten Sie Lieder aussuchen, deren Melodie sich spätestens nach der zweiten Strophe mitsummen lässt.

4. Fotos

Nichts stört das Gelingen einer kirchlichen Trauung mehr, als wenn der Pfarrer zum Solisten mutiert. Vielleicht kennen Sie ja auch jemanden, der im Chor singt und bereit wäre, mit einigen Mitstreitern Ihrer zaghaften Hochzeitgesellschaft stimmlich ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Wenn Sie die Kirche gemeinsam verlassen, stellen Sie sicher, dass Sie sich weit genug vom Eingang postieren, um die Glückwünsche entgegenzunehmen.

Da Ihnen jeder Ihrer Gäste persönlich gratulieren möchte, ist die Schlange je nach Gästeanzahl sehr lang. Stellen Sie sicher, dass alle Gäste die Kirche relativ zügig verlassen können. Nicht etwa, weil es nicht erträglich wäre, sich noch eine Zeit lang wartend in der Kirche aufzuhalten, wohl aber, weil frische Luft immer gut tut und das erste Gläschen Champagner die Wartezeit versüßen hilft!

War das Blitzlichtgewitter in früheren Tagen den Prominentenhochzeiten vorbehalten, sind Digitalkameras und Camcorder nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken.

Überlegen Sie im Vorfeld, wie viel Blitzlichtgewitter Ihnen selbst lieb ist. Sprechen Sie mit Pfarrer oder Pfarrerin, welche Anzahl an rasenden Reportern er oder sie als angemessen empfindet.

Oft ist eine Person, die ihr Handwerk auch tatsächlich versteht, die bessere Wahl als Dutzende passionierte Amateure und deren verwackelte und unscharfe Bildershow. Im Übrigen ist nichts unromantischer als ein laienhafter Videofilm. Wenn Sie sich für einen „Profi an der Linse“ entscheiden, stellen Sie sicher, dass dieser auch die abschließende Party fotografisch begleitet. Ich habe es jedenfalls oft genug erlebt, dass der Bilderstrom noch vor der losgelösten nächtlichen Heiterkeit abrupt abbricht. Wäre doch schade drum!

5. Hochzeitsspiele

Keine Hochzeit ohne lustige Spielchen. Machen Sie sich auf ein buntes Potpourri gefasst, verhindern können Sie es ohnehin nicht. Ich rate auch davon ab, bereits im Vorfeld nichts unversucht zu unterlassen, die kreativen Bestrebungen der Hochzeitsgäste im Keim zu ersticken. („Und kommt bloß nicht auf die Idee, irgendwelche Spielchen zu organisieren!“)

Lassen Sie die jeweiligen Aufführungen lieber mit einem wohlwollendem innerlichen Kopfschütteln über sich ergehen, als vehement und miesepetrig dagegen einzuschreiten. Halten Sie im Vorfeld engen Kontakt zu Ihren Trauzeugen, und wirken Sie bei Bedarf auf diese ein, Umfang und Inhalt des geplanten Entertainments in akzeptablen Grenzen zu halten.

Den Trauzeugen und ausführenden Gästen sei gesagt, dass auf jeder Hochzeit das Brautpaar im Mittelpunkt stehen sollte und daher von allzu selbstverliebten Darbietungen oder gar persönlichen Abrechnungen dringend Abstand genommen werden sollte!

6. Hochzeitskleid, Cut, Smoking & Co

Noch ein Wort zur Kleidung der Gäste. Sie wissen, was ein Cut ist und dass der Smoking in der Kirche, gelinde gesagt, unüblich ist? Sie wissen, dass die Farbe Weiß der Braut vorbehalten ist? Sie haben aber noch weitergehende Fragen zum Thema Kleidung? Dann lade ich Sie herzlich ein, sich im Kapitel „Wie aus dem Ei gepellt! – Was ziehe ich an?“ ein Bild über meine weiterführenden Antworten zu machen!

Sie wissen, dass der Hut in der Kirche Frauen vorbehalten ist, die bereits „unter der Haube“ sind, und freuen sich als Junggeselle über die geringe Hüteanzahl unter den weiblichen Besuchern? Vorsicht, passen Sie auf, dass Ihr „Jagdtrieb“ nicht mit Ihnen durchgeht: Wer keinen Hut trägt ist noch lange nicht „zu haben“. Erstens handelt es sich um eine nicht allseits bekannte Konvention und zweitens: Vergessen Sie nicht die verlobten Frauen. Die sind zwar noch nicht unter der Haube, aber dennoch behütet, auch ohne Hut!

Sie wollen oder müssen eine Rede halten? Dann empfehle ich Ihnen, einen intensiven Blick auf mein Kapitel Rede halten zu werfen.

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