Ideale – Woran wollen wir uns orientieren?

Verantwortung braucht Ideale. Nüchterne, pragmatische und illusionslose Menschen mögen in der Lage sein, sich der Welt anzupassen, in der sie leben, doch jegliche Weiterentwicklung ist stets von denen ausgegangen, die die Welt ihren Vorstellungen angepasst haben und bereit waren, ihre Ideale auch unter Stress aufrecht zu erhalten.

Es sind Menschen, auf die anfangs niemand einen Pfifferling gesetzt hätte. Ob Jesus, Galilei, Mutter Teresa, Ärzte und Reporter ohne Grenzen, Amnesty International, Greenpeace und alle anderen Menschen, die an eine bessere Welt glauben und glaubten und bereit sind und waren, für ihre Ideale einzustehen, ganz konkret und im höchsten Maße pragmatisch. Mit gutem Gewissen und praktischer Klugheit ausgestattet, gehen sie nicht selten bis zum Äußersten und opfern ihr Leben im Dienst der guten Sache. Am Kreuz, in den Slums von Kalkutta, in Dafur, in Afghanistan oder im Alltäglichen. Sie sind nicht bereit, das Leben als täglichen und bloßen Kampf ums Dasein zu akzeptieren, nicht bereit, ihre Ideale auf dem Altar der normativen Kraft des Faktischen zu opfern, sondern sie streiten für eine normative Kraft ihrer Ideale. Lieber David als Goliath, lieber Don Quijote als Sancho Pansa. Ob Utopie oder tatsächlich zu verwirklichendes Ziel spielt keine Rolle. Ob vollständig oder nur annähernd erreichbar, völlig egal.

Die Idee zählt! Schon in der Antike galt die Vollkommenheit als etwas Göttliches, für den Menschen nicht Erreichbares. Das entband ihn aber nicht von der Pflicht, nach Vollkommenheit zu streben, es besser zu machen als bisher. Bereits den Aufklärern war bewusst, dass der vollständige Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit nur wenigen gelingen würde. Na und? Es ist die Idee, die zählt! Die vernünftige Idee einer Welt, in der Menschen sich menschlich begegnen, in der der Mensch mehr ist als seine tierischen Geschwister, nicht dazu verdammt, seinen Instinkten zu folgen. Eine Welt, in der niedrige Instinkte als niedrige benannt, beurteilt und verworfen werden, Hochgesinntes erkannt, benannt und angestrebt wird.

Allen Widerständen zum Trotz: Idealisten sind immer der Kritik ausgesetzt, Wolkenkuckucksheime zu bauen, unter Realitätsverlust zu leiden, den Boden unter den Füßen zu verlieren und sich der Naivität schuldig zu machen. Ihnen wird nachgesagt,das Gegenteil von dem zu erreichen, was sie großspurig versprochen hatten, und einem utopischen Menschenbild anzuhängen, das mehr Verderben über die Welt gebracht habe als alle realistischen Biedermänner zusammen. Der Weg vom Idealisten zum Ideologen sei nicht weit. Gibt man den Idealisten den kleinen Finger, sagen die Realisten, nehmen sie die ganze Hand. Einmal an der Macht, würden sich die ehemaligen Kriterien von Wahrheit und Wirklichkeit schnell als von eigenen Interessen und Zwecken geleitete Allmachtfantasien entpuppen. Dann doch lieber mit den Füßen auf dem Boden der Tatsachen als im real existierenden Sozialismus oder mit Tom Cruise in der Gehirnwäscherei von Scientology!

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