Tja, wenn wir es nicht tun, tun es andere!

Man kann in manchen Ländern nur so (sprich: mit Korruption) Geschäfte machen!

Kommen Sie erst einmal in mein Alter!

Nichts für ungut, aber da fehlt Ihnen einfach die Erfahrung.

Können oder wollen Sie das nicht verstehen?

Sie müssten es doch eigentlich besser wissen!

Das sage ich schon seit Jahren!

Ich bin doch der Einzige, der sich traut, auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen!

Moral und Werte? Das war für mich immer die Triebfeder meines Handelns!

Im Mittelstand, da finden Sie so was noch.

Man muss eben auch mal Schwein sein, um in dieser Welt etwas zu erreichen.

Wissen Sie, junger Freund, da kommen Sie auch drauf!

Ja, dann machen Sie mal, ich lass mich gerne überzeugen.

Das ist doch nicht Ihr Ernst … also noch mal …

Unsere Schallplatte läuft in der Endlosschleife, und wir hören uns selbst beim Reden zu.

„Die soziale Verantwortung von Unternehmen besteht nun einmal darin, ihre Gewinne zu maximieren!“

„Der Kapitalist ist der natürliche Feind der Menschenwürde, das war immer so, und das wird auch immer so bleiben!“

Hopp oder topp! Basta! Friss oder stirb!

Überall um uns herum entstehen vereinfachende Weltanschauungen:

  • Da sollen wir unser Leben vereinfachen, indem wir uns selbst vereinfachen. Das klingt simpel.
  • Da brauchen wir uns nicht zu verantworten, weil es nach den Erkenntnissen der Hirnforschung ja keinen freien Willen gibt. Das klingt attraktiv.
  • Da sollen wir die Disziplin loben, wenn wir den schiefen Turm von PISA wieder begradigen wollen. Das klingt vertraut.
  • Jetzt muss endlich Schluss mit lustig sein, wenn wir als Gesellschaft nicht an unserem eigenen Hedonismus ersticken wollen. Das klingt aufrecht.
  • Und endlich: Im Zeitalter von aus den Fugen geratenen Finanzsystemen, horrenden Managementgehältern und flächendeckenden Korruptionsskandalen sollten die „Nieten in Nadelstreifen“ aus den Vorstandsetagen gejagt werden. Das klingt nach Déja-vu!

Es wird vereinfacht, was das Zeug hält, auch dort, wo es nichts zu vereinfachen gibt. Ideologien, die alles in einen Topf werfen, versuchen, die ganze Welt von einem einzigen Standpunkt aus zu erklären, sei es in Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft! Und tatsächlich gibt es mittlerweile ja überall Patentrezepte, die uns als einzige, als alleinig selig machende Lösungen präsentiert werden und uns helfen sollen, jegliche Überraschung aus unserem Leben zu verbannen.

Wer sich die Dinge zu einfach macht, der reduziert die Vielschichtigkeit an der einen Stelle und wundert sich, wenn sie an der anderen wieder auftaucht. Wer nach Einheit strebt, droht die Vielfalt zu vergessen. Wer Sicherheit und Ordnung sucht, will Verwirrung vermeiden, lässt sich aber von allem, was nicht in sein Schema passt, grundlegend irritieren. Aber so kommen wir nicht weiter, so bleiben wir stehen! Die Welt dreht sich nur deshalb schneller, weil wir nicht bereit sind, uns mitzudrehen.

Und all diese einfachen Lösungen – das ist das Amüsante – sind ja nicht falsch. Sie haben einen bemerkenswerten Kern, sind aber eben nicht der Kern an sich. Des Pudels Kern, den wir laut Albert Einstein nur dann erreichen, wenn wir „die Dinge so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher“!

Vereinfachung und Verabsolutierung sind die Quelle der Unverbundenheit. Mit nicht zu unterschätzenden Folgen: Wir verlieren die Fähigkeit, unsere Standpunkte in einen Dialog einzubringen. Wir führen Monologe, weil wir unsere Lösung bereits gefunden haben und diese zu einzig gültigen verklären. Wir sind weder mit unseren Mitmenschen verbunden noch mit unseren Ideen, weil wir sie nicht mehr als die eigenen betrachten, sondern ihnen längst den Status der Objektivität verliehen haben. Wir sagen dann merkwürdige Sätze wie: Das ist doch ganz klar, ich weiß nicht, was daran nicht zu verstehen ist, das kann man doch gar nicht anders sehen. Wir hören anderen nicht mehr zu und wiederholen das bereits mehrfach Gesagte mit dem Vorspann: „Also, noch mal …“, solange bis unser Gegenüber endlich die Waffen streckt: „Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil.“

Na also, es geht doch! Aber so geht es eben nicht. Der „Ort der Verantwortung“ ist nun an jedem anderen Ort, nur nicht mehr bei uns selbst. Wir haben uns entbunden. Wir sind Verständige in einer Welt der Unverständigen.

  • Wer unempfänglich für Ideologien sein will, der sollte sein Blindsein für die eigne Blindheit, seine Taubheit für das eigene Taubsein erkennen und sich trauen, einmal eine neue Schallplatte aufzulegen oder der Musik anderer zu lauschen. Wer nach Verbundenheit strebt, sollte sich und anderen das Weiterdenken nicht verbieten oder verbieten lassen.

Nur wer es sich nicht zu einfach macht, wird die Freiheit genießen, auch anders denken und handeln zu können.

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