Nachdem es uns gelungen ist, mit anderen ins Gespräch zu kommen, drängt sich unweigerlich die Frage auf, wie wir im Gespräch bleiben. Was wir in Gang gebracht haben, müssen wir nun am Laufen halten. Stellen Sie sich einfach ein Kaminfeuer vor: Nachdem wir das Feuer mit flachem Papier und dünnen Ästen zum Lodern gebracht haben, liegt es nun an uns, dickere Äste nachzulegen, so dass das Feuer gleichmäßig brennt. Vermeiden Sie daher sowohl das Nachfeuern mit weiteren dünnen, aber auch mit zu dicken Ästen. Ich erinnere daran, dass es zwanglos, aber geistreich, jedoch nicht verbissen weitergehen sollte! Die Bücher über die Kunst der „lodernden Konversation“ füllen ganze Bibliotheken, und ich müsste lügen, wenn ich behauptete, alle Werke gelesen zu haben. Ich darf jedoch von mir behaupten, mir einen ausreichend großen Überblick darüber verschafft zu haben, welchen Hölzern eine angemessene Dicke zugeschrieben wird und welche Äste als zu schwerfällig oder zu leicht befunden werden, um etwas zum Gelingen der gepflegten Unterhaltung beizutragen.

Vom Anfangen und Aufhören. Man kann die Texte zur Konversation drehen und wenden, wie es einem beliebt – um eine Erkenntnis kommen alle nicht umhin: Ohne ein Mindestmaß an Selbstbeherrschung, ohne den kritischen Blick auf sein eigenes Konversationsverhalten hat es noch niemand auf den Olymp geschafft. Und so sollten wir uns immer wieder aufs Neue den Appell Ciceros, jenes meisterhaften Rhetorikers aus Rom, vor Augen halten, bevor wir unser erstes Holz in den Kamin werfen: „Ein kluger Mensch wird genau bemerken, wie lange seine Unterhaltung dem anderen Vergnügen macht; und so, wie er nicht ohne vernünftige Ursache angefangen hat zu reden, so wird er auch das Ziel wissen, wo er aufhören soll.“

  • Achten Sie in Ihrem nächsten Gespräch einmal genau auf Ihre Zuhörer.

Folgen Ihnen Ihre Gegenüber noch, oder scharren Sie schon mit den Füßen? Ist das zustimmende Lachen längst einem monotonen Nicken gewichen, ist überhaupt noch Augenkontakt möglich? Oder starrt der eine bereits in die Luft, während die andere ihre Hände knetet oder das Gespräch mit ihrem Nachbarn sucht? Gehen Ihre – zu Statisten degradierten – Gesprächspartner bereits auf Abstand und entfernen sich Zentimeter um Zentimeter von Ihnen? Wird bereits probiert, in Ihren Gesprächsfluss einzuhaken, um Ihnen sanft das Wort zu entziehen? Wenn Sie sich schon haben unterbrechen lassen, haben Sie direkt gekontert und Ihr Gegenüber gebeten, den Gedanken noch einen Moment hintanzustellen, weil Ihnen selbst gerade noch etwas Atemberaubendes eingefallen ist? Verlängern Sie Ihre eigenen Ausführungen gern mit dem Hinweis „Einen letzten Satz noch dazu“, auch wenn Sie dieses Versprechen bereits dutzendfach gebrochen haben?

Sollten Sie mindestens einer dieser Fragen mit „Ja“ beantworten können, dann ist es höchste Zeit für Sie, den Staffelstab zu übergeben, bevor Ihnen wirklich jemand harsch ins Wort fällt und nicht gewillt ist, es Ihnen in absehbarer Zeit zurückzugeben! Wenn Ihnen also daran gelegen ist, den Konversations-Supergau zu verhindern und der Stigmatisierung als unverbesserlicher Schwätzers zu entgehen, seien Sie klug, lernen Sie den Appell Ciceros auswendig, und halten Sie sich daran!

  • Mäßigen Sie sich!

Wenn es stimmt, dass man aus Schaden klug wird, dann sollte der Spiegel, den wir uns selbst vorhalten, nicht nur helfen, den richtigen Zeitpunkt zu erahnen, um das Wort weiterzureichen, sondern uns auch Lehren im Hinblick auf unser zukünftiges Gesprächsverhalten ziehen lassen.

  • Überprüfen Sie sich selbst!

Wo sind Ihre emotionalen Einfallstüren? Welche Themen sind dazu geeignet, Sie zu nicht enden wollenden Monologen zu verführen? Bei welchen Themen neigen Sie dazu, Ihren Gegenübern „Vorträge“ zu halten und sie zu belehren? Neigen Sie grundsätzlich zu temperamentvollen Gefühlsausbrüchen, oder kann Sie so gar nichts begeistern? Was schätzen Sie, beim wievielten Glas Wein führt Ihre Zunge ein Eigenleben?

Sollten Sie sich diese oder ähnliche Fragen nicht selbst beantworten können, fragen Sie doch eine Person Ihres Vertrauens, wie sie Sie hinsichtlich Ihres Gesprächsverhaltens auf einer Skala von leidenschaftlich bis leidenschaftslos bewerten würde.

  • Widersprechen Sie!

Anders als beim Small Talk ist der unbändige Wille zu Harmonie und Konsens in der gepflegten Unterhaltung kein erstrebenswertes Ziel. Die Konversation wiegt weit schwerer als das kleine Gespräch. Daher sollten die Äste, auf denen sie sitzt, nicht zu dünn sein und ihr sprichwörtlich den Boden unter den Füßen entziehen. Wenn alle einer Meinung sind, wenn die Teilnehmer beginnen, sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, wie harmonisch das Gespräch heute wieder verlaufe, ist das Ende bald nah und das Feuer erloschen. Der Widerspruch hingegen ist die Glut, die das Feuer immer wieder aufs Neue entfacht.

Thematisch stehe ich hier in offenen Widerspruch zu den Empfehlungen der Etiketteliteratur, die meist eher kleinlichen Verboten ähneln. Weder von Religion noch Politik solle man reden. Ja, was bliebe denn da noch, worüber sich trefflich streiten ließe?

  • Beziehen Sie Stellung, und treten Sie in den Diskurs ein! Tragen Sie etwas Substanzielles zum aufflammenden Meinungsstreit bei!

Wenn es Ihnen demnächst wieder einmal zu harmonisch zugeht, weil Politik, Religion oder andere diskutable Themen bewusst vermieden werden oder alle in das selbe Horn blasen, gönnen Sie sich doch das Vergnügen und spielen den Advocatus Diaboli!

  • Lernen Sie, Widerspruch zu ertragen!

Wenn andere Meinungen, unterschiedliche Urteile und gezielter Widerspruch das Salz in Suppe einer jeden gelungenen Konversation sind, dann müssen wir beizeiten erdulden, dass wir selbst mit unseren Meinungen in die Defensive geraten.

Das gilt im Großen wie im Kleinen. Die Gefahr lauert überall, selbst ein achtlos hingeworfener Satz, der doch eigentlich die Zustimmung aller finden sollte, wird plötzlich unter Beschuss genommen. Der Widerspruch, so vernünftig oder unerheblich er auch sein mag, der uns beleidigt und uns – wenn auch nur für wenige Sekunden – nach Atem ringen lässt, reizt zum erneuten Widerspruch. Schon tausendmal haben wir oder andere uns gesagt, dass jedes fremde Urteil unsere eigenen Erkenntnisse bereichern kann, dass Sie uns anregen können und unserem Geist vor neue Herausforderungen stellen. Doch jedes Mal aufs Neue weigern wir uns, den Widerspruch unseres Gegenübers mit offenen Armen zu empfangen, sondern ballen entweder die verbale Faust in der Tasche oder lassen sie sogleich durch den Ring schwingen. Ob der Einwand unseres Gesprächspartners berechtigt ist, das interessiert uns wenig. Wie wir ihn so schnell als möglich wieder aus dem Ring befördern dafür umso mehr. Daher sage ich es Ihnen und mir nun zum 1001. Mal:

  • Lernen wir Widerspruch zu ertragen, wittern wir nicht hinter allem einen persönlichen Angriff.

Sollten Sie jedoch wirklich einmal einen persönlichen Angriff erleiden müssen, dürfen Sie Ihre verbalen Fäuste ruhig auspacken. Damit diese jedoch nicht allzu wild um sich schlagen, schadet es nicht, sich eines Satzes von Baltasar Gracián zu erinnern, sich aufzuschreiben und in die Ringecke zu legen: „Ein redlicher Widersacher sein. Der Mann von Verstand kann genötigt werden, ein Widersacher, aber nicht ein nichtswürdiger Widersacher zu sein!“

  • „Ertrage die Clowns!“

Das stand auf jenem Zettel, den der Publizist Joachim Fest bis zu seinem Lebensende im Portemonnaie trug. Ich möchte Fests Maxime noch einen Satz von Michel de Montaigne zur Seite stellen, der uns selbstbewusst mit einschließt, der den Griff an die eigene Pappnase nahe legt: „Die Dummheit ist eine schlechte Eigenschaft; aber sie nicht ertragen zu können, sich darüber grün und blau zu ärgern, wie es bei mir vorkommt, das ist eine Krankheit anderer Art, die kaum weniger lästig als die Dummheit; und dies ist es was ich jetzt an mir anprangern will.“

Bevor wir uns also das nächste Mal über unsere Mitmenschen erheben und uns über deren Dummheit, Schwatzhaftigkeit, Grobheit, Schmeichelei oder Unbeherrschtheit echauffieren, halten wir doch einmal kurz inne und besinnen uns, ob wir selbst nicht sowohl an der einen als auch der anderen Krankheit leiden und unbewusst im Clownskostüm durch die Manege irren …

  • Schließen Sie niemanden aus!

Gespräche sind Gemeinschaftsprojekte. Wer die Kunst der Konversation beherrscht, versteht sie als „Mannschaftssport“. Jeder Spieler sollte sowohl die Chance bekommen, am Spiel teilzunehmen, als auch die Verpflichtung verspüren, etwas zum Gelingen der Unterhaltung beizutragen.

  • Wählen Sie Themen, die grundsätzlich jedem zugänglich sind, halten Sie Ihr Spezialistenwissen zurück, und erklären Sie Nichtwissenden die Zusammenhänge.

Die gepflegte Unterhaltung ist integrativ, nicht ausgrenzend. Sie ist der komplette Gegenentwurf zu den pubertären Ausgrenzungsritualen wie Sie der ein oder andere noch aus seiner Schulzeit kennt. („Das kapierst Du eh nicht, das war ein Insider.“)

Schauen Sie genau hin und nehmen sich derer an, die noch der Ausbildungsphase der gepflegten Unterhaltung stecken. Wer sitzt abseits? Wer hat in der letzten Stunde gar nichts mehr gesagt oder in den letzten zehn Minuten stetig auf seine Armbanduhr geschielt? Wem würde eine Unterbrechung seines Redeschwalls gut tun? Wer ist mit seinem Lieblingsthema noch nicht zu Zug gekommen? Bleiben Sie aufmerksam, und lassen Sie nichts unversucht, alle am Spiel zu beteiligen!

  • Auf zu neuen Ufern! Wer sich und andere gut unterhalten will, der weiß, wann es an der Zeit, ein neues Thema in Angriff zu nehmen.

So spannend und kontrovers die Unterhaltung über die Bundesregierung, den neuen Deutsche Bank Vorstand oder den Papstbesuch in Israel auch sein mag, geben Sie jedem Thema die Chance auf Abbruch, und verbeißen Sie sich nicht über Gebühr, auch wenn Sie Ihre Leidenschaften drängen! Es muss nicht alles bis zum bitteren Ende ausdiskutiert werden. (Meist landen wir doch ohnehin bei immer denselben Themen, die bereits zum fünfzigsten Mal aufs „Konversationstableau“ erhoben wurden.)

  • Fallen Sie niemanden ins Wort, sondern warten Sie auf Ihren Redebeitrag, um galant zu einem anderen Thema überzuleiten.

Wer galant überleitet, der hat es nicht nötig, den „Spurwechsel“ anzukündigen, der nimmt einfach ein Stichwort aus dem alten Thema, um in ein neues einzuleiten. Wenn das Thema Länderspiel erschöpft ist, erinnert man sich die anwesende Bundeskanzlerin auf der Ehrentribüne, und schon wird die sportliche zugunsten der politischen Bühne verlassen. Wenn Ihnen mehr der Sinn nach Klatsch und Tratsch steht, finden Sie auf selbiger Ehrentribüne garantiert ausreichend Kandidaten, die in den einschlägigen Gazetten für mehr oder weniger Bemerkenswertes gesorgt haben.

  • Hören Sie zu!

Menschen, die viel reden, sind keine Seltenheit. Menschen, die wirklich zuhören können, sehr wohl. Ein aufmerksamer Zuhörer ist eine Wohltat für jede Konversation. Ich rede nicht von „großen Schweigern“ und „stummen Gästen“. Ich rede von Menschen, die wirklich zuhören, die unseren Gedanken folgen, deren kurze Einwürfe, Fragen und Kommentaren uns zeigen, dass sie ganz nah dran sind an dem, was wir denken, fühlen und sagen, ohne uns dabei zu bedrängen. Menschen, die uns helfen, die Relevanz unserer Worte richtig einzuschätzen, die unseren Gedanken neue Nahrung geben und uns während des Erzählens neue Erkenntnisse ermöglichen, die sich uns ohne das Gespräch nicht erschlossen hätten.

Wer gut zuhört, der ist bereit, sich auf die Sichtweisen des Gegenübers einzulassen. Wer gut zuhört, ist nicht nur in der Lage, sich zu überlegen, was er an Stelle des anderen getan hätte, sondern auch, warum der andere das erzählt, was er erzählt, warum der andere so gehandelt hat, wie er gehandelt hat. Ein guter Zuhörer lenkt das Gespräch, jedoch nicht um seiner selbst Willen oder gar um den anderen zu manipulieren, sondern um sich und dem Erzählenden gleichermaßen zu tieferen Einsichten zu verhelfen.

  • Erzählen Sie!

Menschen, die viel reden, sind keine Seltenheit. Menschen, die wirklich erzählen können, sehr wohl. Es gibt Menschen, mit denen trifft man sich in freudiger Erwartung auf eine wirklich gelungene Erzählung. Menschen, denen man, ohne mit der Wimper zu zucken, zehnmal so viel Zeit einräumt, ihre Geschichten zu entwickeln, wie anderen weniger begnadeten Erzählern. Menschen, denen man nicht übel nimmt, dass sie erst nach einer Stunde die erste Frage an uns selbst richten. Menschen, die scheinbar gegen alle Regeln des höflichen Umgangs verstoßen, ohne dass wir auf den Gedanken kämen, sie als unhöflich zu bezeichnen.

Aber was muss man beachten, damit unsere Mitmenschen uns bitten, eine neue Geschichte zum Besten zu geben? Warum erleben zwei Menschen scheinbar dasselbe, doch nur einer weiß damit eine ganze Gesellschaft zu unterhalten, während sich beim anderen die Anwesenden flehentlich wünschen, er möge doch bitte zum Ende kommen?

Ich glaube, weil Ersterer weiß, dass das Thema, die Einzigartigkeit einer Geschichte oder die Auffassung, immer noch einen „draufsetzen“ zu müssen, nicht wichtig für eine gute Erzählung sind. Wichtig ist vielmehr, dass gute Erzähler das Erlebte während des Erzählens noch einmal mit Haut und Haaren durchleben, weil sie ihre eigenen Geschichten bewegen und von diesen bewegt werden. Ein guter Erzähler verliert sich dennoch nicht in den Untiefen seiner Innerlichkeit, ihm gelingt es, ein Bild zu malen, das der Fantasie seiner Zuhörer genügend Raum gibt, ihren eigenen Film zu schauen.

Ein guter Erzähler besitzt eine eigene, aber allgemein verständliche Sprache, er lässt sich Zeit und hechelt nicht durch seine Erzählungen, er verfolgt eine eigene Dramaturgie, die nicht vor lauter Vorfreude auf den Plot der Erzählung verflacht, er lässt sich Zeit. Wir hören denen zu, die auch den alltäglichsten Situationen etwas Humorvolles abgewinnen und ihre Geschichten ernster nehmen als sich selbst. Im Grunde genommen ähnelt ein guter Erzähler einem guten Regisseur: Die Geschichten stehen im Vordergrund, und die Hauptrollen spielen andere!

  • Bringen Sie andere zum Lachen!

Das Menschengeschlecht lässt sich, grob vereinfacht, in zwei Kategorien teilen: Menschen, die sich Witze merken und erzählen können, und solche, die Ersteres und folglich auch das Zweite nicht beherrschen. Sollten Sie zur letzteren Gruppe gehören, darf ich Sie beruhigen: Es gibt auch andere Möglichkeiten, seine Mitmenschen zu unterhalten, zu amüsieren und zum Lachen zu bringen!

In einem sind sich jedoch die Philosophen und Schriftsteller einig: Ohne ein gesundes Maß an Scherzhaftigkeit würde das gepflegte Gespräch dahinsiechen, gepflegt wäre nur noch eines – die Langweile! Übertreiben sollten wir es hingegen auch nicht mit unserer Leidenschaft für das Scherzhafte und Lustige, das rät uns schon Aristoteles, und doch „scheinen Erholung und Scherz im Leben notwendig zu sein“. Wie Recht er hat!

Auf der Suche nach einer trefflichen Beschreibung für das gelungene Maß an Witz, der Fähigkeit also, sich weder zum albernen Possenreißer zu degradieren, noch jeder guten Laune mit einem Gesicht zu begegnen, mit dem sich Eier abschrecken ließen, fand ich einen Satz von Nicolas Faret aus dem 17. Jahrhundert. Dessen zeitlose Gültigkeit hat mich dazu veranlasst ihm nichts mehr hinzuzufügen: „Der Glanz des Bonmots besteht hauptsächlich darin, dass sie kurz sind, treffend, klar, charmant vorgebracht und so rechtzeitig, dass sie nicht mühsam erdacht wirken oder als hätte man sie von zu Hause mitgebracht; aus diesem Grund nämlich werden jene, die erwidern, mehr geschätzt als jene, die angreifen, denn man verdächtigt sie weniger einer Vorbereitung.“

Aber ich wollte Sie nicht unterbrechen, erzählen Sie ruhig Ihren Lieblingswitz!

  • Warten Sie Ihren Auftritt ab!

Wer sich in die Konversation begibt, der sollte in der Lage sein, Spannung aufzubauen. Nicht nur im Hinblick auf seine Wortbeiträge. Neben die Kunst, kluge Fragen zu stellen, unterhaltsame Geschichten zu erzählen und seine Mitmenschen charmant zu amüsieren, tritt die Fähigkeit, seinem gesamten Auftritt ein gewisses Maß an Spannung zu verleihen, einer wohlüberlegten Dramaturgie zu folgen. Einer Dramaturgie, die Sie nicht mit der Tür ins Haus fallen lässt, die Vertraulichkeit an das Ende der gemeinsamen Konversation und nicht an deren Anfang stellt, die Ihre Sinne schärft, Sie die Menschen und die Umgebung beobachten lässt und Ihnen hilft, eine erste Einschätzung vorzunehmen. Die Ihnen Augen und Ohren öffnet, bevor sie dem Mund erlaubt zu sprechen und Ihrem Drang, sich einzumischen, andere zu verbessern, ihnen zu widersprechen, sich aufzudrängen, solange Einhalt gebietet, bis der Zeitpunkt für Ihren Auftritt gekommen ist!

Nehmen Sie sich Zeit, bevor Sie in den Lauf der Konversation einsteigen und Ihre Hölzer in den Kamin legen. Machen Sie sich ein Bild davon, mit wem Sie es zu tun haben, wer Ihre Gesprächspartner sind, welche Themengebiete diese interessieren, wer von ihnen die Gesprächsführung übernimmt, wer leicht oder gar nicht aus der Fassung gerät, wer über was lachen kann, wer streitbar und wer konfliktscheu ist, wer anderen über den Mund fährt und wer selbigen nicht aufbekommt. Beobachten Sie lange genug, um zu wissen, was gespielt wird.

Sie werden sehen, Ihre konzentrierte Zurückhaltung wird nach nicht allzu langer Zeit, den einen oder anderen dazu bewegen, Sie mit einer gezielten Frage auf die Bühne zu bitten. Stoff genug, um zu antworten, haben Sie ja in der Zwischenzeit sammeln können. Sie haben das Wort!

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