Mäßigung

Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben, denn dann müssen wir unseren Blick von der einfachen und attraktiven Losung, alles maximieren zu wollen, abwenden und ihn auf die weitaus kompliziertere Handlungsmaxime der Mäßigung richten. Ein Maxime, die besonders in wirtschaftlichen Zusammenhängen ein Schattendasein führt. Jegliche Appelle, sich zu mäßigen, verhallen in der Welt der Maximierung ungehört. Die hohe Kunst der Selbstdisziplinierung funktioniert ja zum Zwecke größtmöglicher Gewinne ganz hervorragend – die Optimierung der eigenen Leistungsfähigkeit ist nun wirklich nicht das Problem der gegenwärtigen und angehenden Spitzenkräfte der Wirtschaft. 18 Stunden Tage, Marathonläufe, Ernährungspläne und Personal Coaches gehören längst zum Standardrepertoire der wirtschaftlichen Funktionseliten. Die Bereitschaft, sich zu quälen, um Großes zu erreichen, daran mangelt es nun wirklich nicht.

Woran es aber mangelt, ist die Einsicht, dass die Konzentration auf eine einzige Fähigkeit – die gnadenlose Erfolgsorientierung – in die Irre führt. Unsere postmodernen Funktionseliten erinnern bisweilen an die Spartaner der Antike: gestählt, doch unfähig, eine andere Vorstellung von Erfolg gelten zu lassen als ihre eigene. Gefangen auf dem Schlachtfeld einer einseitigen Optimierung.

Um es noch einmal ganz deutlich zu machen. Es geht uns nicht darum, und es kann nicht darum gehen, dass wir erfolgreichen Menschen ihren Erfolg missgönnen. Aber wir müssen die Deutungshoheit über das, was als erfolgreich gelten soll, zurückgewinnen. Nicht die Höhe des Gewinns ist der Stein des Anstoßes, sondern welche Kollateralschäden damit einhergehen. Verantwortungslos ist nicht derjenige, der hohe Gewinne einfährt, sondern derjenige, der sich einen Eintrag im „Schwarzbuch“ verdient hat, weil er auf dem Schlachtfeld gewütet hat wie ein Spartaner. Ohne Rücksicht auf Verluste, mit unheiligen Mitteln, für seine Zwecke, ohne Sinn, ohne Verstand und ohne Maß.

Andere lasen auch:

Toleranz – Über die Kunst des Duldens

Tolerant kann nur sein, wer sich Störgefühle gegenüber dem Verhalten anderer eingesteht, sagt Moritz Knigge. Wer alles gleich gültig findet, der ist es selbst: gleichgültig.  Adolph Freiherr Knigge sagte: „Verleugne nicht Wahrheit, selbst die bittre Wahrheit nicht! Sei freimütig, aber ohne grob zu werden …“  Über den Umgang mit Menschen, III, 1, 9 Diese Infos und Tipps finden Sie in diesem Artikel:Wieviel Wahrheit verträgt das Miteinander?Gleichgültigkeit ist KapitulationEin Plädoyer für die eigene KulturMisch Dich nicht

Mehr erfahren »

Gibt es unnütze Geschenke?

Danke, das kann ich gut gebrauchen Moritz Freiherr Knigges mag liebt Geschenke. Solange sie nicht nützlich sind. »Weihnachten war echt hart für Max dieses Jahr.« stöhnte meine Cousine. »Zu wenig Geschenke?« fragte ich.  »Nee, die falschen.« Max ist sechs. Sein Tobsuchtsanfall aber war ausgewachsen. Denn statt Todessterns im Manuel-Neuer-Trikot gab es Fäustlinge und einen kratzigen Merinopulli. Kinder haben ein feines Gespür für das Wesen von Geschenken. Geschenke sind das Größte, das Wunderbarste, das Außergewöhnlichste, was

Mehr erfahren »

Zählen Geschenk oder Idee?

Das ist eine tolle Idee. Gute Frage, Moritz.« sagt mein alter Freund Tian aus Shanghai. »Den Beschenkten sage: Gut gemeint ist gut gemacht. Den Schenkenden aber sage: Gut gemacht ist gut gemeint. Es zählen Geschenk und Idee. Es gibt nur ein Geschenk, wenn beide sich einig sind.« »Hä?« »Na komm, Moritz. So schwer ist das nicht. Wer schenkt, der kommt nicht mit leeren Händen. Wer doch mit leeren Händen kommt, schweigt. Wer beschenkt wird, kennt

Mehr erfahren »