Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben, denn dann müssen wir unseren Blick von der einfachen und attraktiven Losung, alles maximieren zu wollen, abwenden und ihn auf die weitaus kompliziertere Handlungsmaxime der Mäßigung richten. Ein Maxime, die besonders in wirtschaftlichen Zusammenhängen ein Schattendasein führt. Jegliche Appelle, sich zu mäßigen, verhallen in der Welt der Maximierung ungehört. Die hohe Kunst der Selbstdisziplinierung funktioniert ja zum Zwecke größtmöglicher Gewinne ganz hervorragend – die Optimierung der eigenen Leistungsfähigkeit ist nun wirklich nicht das Problem der gegenwärtigen und angehenden Spitzenkräfte der Wirtschaft. 18 Stunden Tage, Marathonläufe, Ernährungspläne und Personal Coaches gehören längst zum Standardrepertoire der wirtschaftlichen Funktionseliten. Die Bereitschaft, sich zu quälen, um Großes zu erreichen, daran mangelt es nun wirklich nicht.

Woran es aber mangelt, ist die Einsicht, dass die Konzentration auf eine einzige Fähigkeit – die gnadenlose Erfolgsorientierung – in die Irre führt. Unsere postmodernen Funktionseliten erinnern bisweilen an die Spartaner der Antike: gestählt, doch unfähig, eine andere Vorstellung von Erfolg gelten zu lassen als ihre eigene. Gefangen auf dem Schlachtfeld einer einseitigen Optimierung.

Um es noch einmal ganz deutlich zu machen. Es geht uns nicht darum, und es kann nicht darum gehen, dass wir erfolgreichen Menschen ihren Erfolg missgönnen. Aber wir müssen die Deutungshoheit über das, was als erfolgreich gelten soll, zurückgewinnen. Nicht die Höhe des Gewinns ist der Stein des Anstoßes, sondern welche Kollateralschäden damit einhergehen. Verantwortungslos ist nicht derjenige, der hohe Gewinne einfährt, sondern derjenige, der sich einen Eintrag im „Schwarzbuch“ verdient hat, weil er auf dem Schlachtfeld gewütet hat wie ein Spartaner. Ohne Rücksicht auf Verluste, mit unheiligen Mitteln, für seine Zwecke, ohne Sinn, ohne Verstand und ohne Maß.

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