Auf der Suche nach dem verlorenem Maß

Maßlosigkeit ist in aller Munde. Etwas ist aus der Balance geraten, etwas in seinen Grundfesten erschüttert. Maßlosigkeit ist ein Alarmsignal. Wem vorgeworfen wird, er sei maßlos, der steht am Pranger. Wer andere maßlos enttäuscht und maßlos wütend macht, der muss Konsequenzen befürchten, der kann nicht einfach weiter wurschteln wie bisher. Wer maßlos enttäuscht oder wütend ist, der muss aufpassen, nicht maßlos zu übertreiben in seiner Enttäuschung und Wut.

Maßlosigkeit ist die größte anzunehmende Entfernung vom richtigen Maß, einer goldenen Mitte, die es anzustreben galt, die aber völlig außer Sichtweite geraten ist. Was aber ist dieses richtige Maß? Wann ist etwas angemessen, wann unangemessen? Was soll das sein, ein angemessener Milchpreis, ein angemessenes Managergehalt, eine angemessene Wortwahl, eine angemessene Bestrafung, eine angemessene Belohnung? Wann ist etwas dem Anlass angemessen? Was macht Menschen so zornig, dass sie andere der Maßlosigkeit bezichtigen? Was muss passieren, dass Menschen andere Menschen maßlos enttäuschen und maßlos wütend machen? Und wer bestimmt überhaupt, ob etwas zu extrem geraten ist?

Die Antwort darauf ist denkbar einfach, der Weg dorthin denkbar beschwerlich: Wir selbst bestimmen, was wir für angemessen halten, und wir selbst müssen uns auf den Weg machen, die Kriterien dafür zu finden. Alleine oder gemeinsam. Meditierend oder kommunizierend.


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