Frag doch den Knigge

Misstrauen

Wer sich selbst misstraut, der misstraut den Falschen. Menschen mit Knoten im Kopf haben schon so mancher Führungskraft schlaflose Nächte bereitet. Frisch gestärkt, mit neuen Führungsinstrumenten ausgestattet, soll nun endlich das in die Tat umgesetzt werden, was das letzte Seminar an Erkenntnissen geliefert hat. Kritik ist nicht nur Schelte, Kritik ist eine begründete Beurteilung, und zu der kann auch Lob gehören. Auf zu Herrn Schmidkunz, sein letztes Projekt hat er wirklich mit Bravour gemeistert. Hut ab! Doch statt Freude im Gesicht finden wir Skepsis auf der Stirn von Herrn Schmidkunz. Achtung, Gefahr im Verzug! Was will die Dr. Schneider von mir? Warum lobt die mich? Da muss doch irgendwas da hinter stecken?

Es ist nicht gut bestellt um die Angstarmut von Herrn Schmidkunz. Dabei steht er allerdings nicht ganz alleine da, wenn er auch den Angstreichtum nicht exklusiv für sich beanspruchen kann. Der werfe den ersten Stein, der noch keine Angst verspürt hätte, wenn es darum ging, anderen zu vertrauen!

Je mehr Angst im Spiel ist, desto weniger Verantwortung können wir erwarten. Angst blockiert. Und das gleich in einem doppelten Sinne: Die eigenen Verantwortungspotenziale geraten genauso aus dem Blick, wie es nicht gelingt, loszulassen, wenn wir uns einmal für etwas verantwortlich erklärt haben. Das führt zu einem merkwürdigen Widerspruch: Während wir einerseits jegliche Verantwortung abstreiten, verbeißen wir uns anderseits förmlich in die Verantwortung. Wir entmündigen uns und andere zugleich. Im Ergebnis trauen wir weder uns noch anderen etwas zu. Wohlwollen in der Marktwirtschaft? Nonsens! Menschen ohne Sicherheiten, die ihre Kredite freiwillig zurückzahlen? Ja, wahrscheinlich, hör doch auf! Das Misstrauen schraubt sich in schwindelerregende Höhen. Die Angst geht um. Das anschaulichste Beispiel für einen besorgniserregenden Reichtum an Angst ist wohl der gesellschaftliche Dauerbrenner Erziehung. Vertrauensstörungen und Verantwortungskrisen sind an der Tagesordnung. Die Angst ist die Regel, nicht die Ausnahme.

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