Wie könnte da der Zweck eine weiße Weste behalten? Ein Verantwortungsbegriff, der sich ausschließlich am materiellen Erfolg festmacht, mag ausreichen, um die Logik zu beschreiben, der wirtschaftliche Akteure folgen. Als verantwortbare Begründung, dieser Logik folgen zu sollen, erscheint er allerdings höchst unangemessen.

Eine Verantwortung, deren moralische Kriterien für die gesamte Bandbreite menschlichen Handelns – vom Zweck über die eingesetzten Mittel bis hin zu den Folgen – Gültigkeit beanspruchen, sollte sich nicht auf materiellen Erfolg zuspitzen lassen. Erfolg im Sinne einer Maximierung des materiellen Nutzens – wie er sich beispielsweise in Unternehmensgewinnen oder in der Ersparnis an der Supermarktkasse ausdrückt –, kann ja durchaus ein Zweck der Übung sein. Dort aber, wo er zum einzigen Zweck wird, heiligt er weder die Mittel noch die Folgen.

Doch nicht nur Unternehmen stehen in der Verantwortung, sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie sie den Zweck, die Mittel und die Folgen ihres Handelns gleichermaßen heiligen könnten. Jeder von uns kann – wenn er denn will – darüber nachdenken, welchen Zwecken er folgt, welche Mittel er dafür einsetzt und welche Folgen dies für ihn und andere hat.

Und siehe da, niemand von uns ist vor den Risiken und Nebenwirkungen seines Handelns gefeit. So genannte Zivilisationskrankheiten wie Burnout, psychosomatische Erkrankungen, Entfremdung, gestörte oder zerstörte zwischenmenschliche Beziehungen, innere Unruhe, wachsende Ungeduld, chronische Unaufmerksamkeit und notorische Unzufriedenheit sind zu unserem ständigen Begleiter geworden. Was unweigerlich Fragen aufwirft: Wie geheiligt ist der Zweck, dem wir in unserem Leben folgen? Was erwarten wir vom Leben, und was erwartet das Leben von uns?

Was wollen wir denn? Glück, Liebe, Erfolg, Wohlstand, Anerkennung, unsere Ruhe, Spannung und Abwechslung Loyalität, Selbstverwirklichung und alles, was Ihnen sonst noch so einfällt. Kurz: eine Menge. Manchmal so viel, dass wir gar nicht danach fragen, ob das so gut ist, was wir da wollen. Für uns und für andere. So viel, dass wir gar nicht mehr daran denken, den Zweck unsers jeweiligen Handelns zu hinterfragen. Funktionieren wir noch, oder leben wir schon?

Vor lauter Perfektionierung der Mittel, die wir anwenden, droht uns etwas Wesentliches abhandenzukommen. Wir versäumen es, eine Antwort auf die Frage zu finden: Wozu das Ganze überhaupt? Wir tragen nämlich nicht nur Verantwortung gegenüber den Zwecken und Normen, die uns auferlegt werden, sondern auch dafür, die Zwecke und Normen unseres Handelns kritisch zu hinterfragen. Es reicht nicht, etwas besonders gut zu machen, sondern es bedarf auch der Überzeugung, dass das gut Gemachte zu etwas Gutem führt.

Um auf die Frage nach dem Wozu eine Antwort zu erhalten, müssten wir bereit sein, hinter die Kulissen zu schauen. Immer wieder neu zu überlegen, ob wir uns den gegebenen Bedingungen unterwerfen wollen, weil wir sie für vernünftig und gut halten oder weil wir vergessen haben, selbst darüber zu bestimmen, was wir wollen. Weil wir vor lauter Routine den Stress übersehen, die diese Routine produziert. Weil wir unter stressigen Bedingungen unserer Verantwortung nicht mehr gerecht werden, Zweck, Mittel und Folgen unseres Handelns in gleicher Weise zu heiligen.

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