Nachdenken lohnt sich immer noch! Sind wir so frei und mutig, uns unseres eigenen Verstandes bewusst zu bedienen! Denn seit Kants Feststellung, es sei bequem, unmündig zu sein, hat sich wenig geändert: Solange ich ein Buch habe, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt (usw. – man möchte hinzufügen: ein Gehirn habe, das für mich denkt, einen Bauch habe, der für mich entscheidet), so lange brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.

Der Mann, der den Menschen nicht schnellere Pferde verkaufte, sondern das Automobil, war nicht nur ein kluger Geschäftsmann sondern auch ein kluger Denker. „Weil Denken die schwerste Arbeit ist, die es gibt, beschäftigen sich auch nur wenige damit“, sagte Henry Ford einmal.

Doch wer schwerste Arbeit nicht scheut und kein Problem dabei verspürt, zu den Wenigen zu gehören, der macht sich auf die Suche nach Antworten auf die Fragen, mit denen das Leben ihn konfrontiert, und ist bereit, sich selbst Fragen und sein Handeln infrage zu stellen. So überschätzt das Nachdenken auch sein mag, so wollen wir doch einen Versuch wagen. Wir sind so frei. Denn je intensiver wir über etwas nachdenken, desto umfassender wird auch das, was wir gemeinhin unsere Willensfreiheit nennen. Und da von nichts nichts kommt, kommt von viel viel. Wer viel nachdenkt, erkennt viel, wer wenig nachdenkt, erkennt weniger.

Nachdenken lohnt sich. Auch dann, wenn es bisweilen tiefe Verzweiflung auslösen kann. So stellt der Philosoph Peter Bieri zu Recht fest: „Das Thema Willensfreiheit kommt uns auch deshalb zum Verzweifeln schwierig vor, weil sich so viele andere schwierige Themen darin kreuzen: etwa die Frage, wie Gehirn und Geist zusammenhängen; oder wie sich ethische Normen und Verantwortlichkeiten begründen lassen.“

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