Fairness braucht Macht. Und mit dieser müssen alle, die bereit sind, fair zu spielen, ausgestattet sein. Wenn die Macht ungleich verteilt ist, wenn Freundlichkeit, Kooperationsbereitschaft und Fairness sich nicht auszahlen, dann besteht die Gefahr, dass alle verlieren. Wenn die Macht in den Händen der Egoisten und Unfairen liegt, dann bricht unser schönes Kartenhaus der Fairness schneller zusammen, als wir es gemeinsam aufbauen können. Das „Öffentliche-Gut-Spiel“ macht deutlich, dass Menschen durchaus bereit sind, in Fairness zu investieren, solange man sie nicht zwingt, nicht auch noch ihre linke Wange hinzuhalten.

Die Spielregeln: Zehn Spieler bekommen jeweils 100 Euro. Es werden zehn Runden gespielt. In jeder dieser Runde kann jeder selbst darüber verfügen, welchen Betrag er in einen gemeinsamen Topf investieren will. Jeder eingezahlte Euro wird verdoppelt, und das Geld aus dem Topf nach jeder Runde an alle zehn Teilnehmer verteilt. Wer einzahlt, verhält sich fair, wer nichts einzahlt, fährt schwarz. Je mehr alle einzahlen, desto höher ist für jeden Einzelnen der Gewinn. Da die Schwarzfahrer von ihnen profitieren, verlieren die Fairen schnell die Bereitschaft, weitere Verluste auf sich zu nehmen. Die Zusammenarbeit sinkt gegen null, und alle verlieren.

Neues Spiel, neues Glück, neue Regeln. Die Fairen erhalten die Möglichkeit, die Schwarzfahrer für ihren Egoismus finanziell zu bestrafen. Diese Strafzahlung zeigt Wirkung. Schon nach drei bis vier Runden investieren alle in das gemeinsame Projekt. Die Fairen setzen sich durch, was den Homo oeconomicus ein weiteres Mal ins Grübeln bringt. Wie können Menschen nur so irrational sein und sich in Unkosten stürzen, um andere zu mehr Verantwortung der Gruppe gegenüber zu erziehen, um allgemeingültige Fairnessregeln zu garantieren?

Womöglich liegt es daran, dass der Homo oeconomicus unter einem äußerst eingeschränkten Bewusstsein, für das, was vernünftig ist, leidet. Zwar gehört es zu unserer Natur, unseren eigenen Interessen zu folgen, aber ebenso natürlich scheinen wir das Bedürfnis nach Interessenausgleich und Kooperation zu haben. Das sind schöne Aussichten. Es gibt genügend Menschen, die mitmachen würden – wenn nur gewährleistet ist, dass der Faire sich keine blutige Nase holt, und wenn die Erziehung der Unfairen durch die Fairen Aussicht auf Erfolg hat.


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