„Beim Geld hört die Freundschaft auf!“ – Von kleinen Schulden und gemeinsamen Rechnungen

Geld und Freundschaft in einem Atemzug? Das gehört sich doch nicht. Wie kann man nur. Ist doch die Freundschaft das letzte zweckfreie Refugium, in dem der schnöde Mammon noch nicht eingedrungen ist. Da mögen ehemalige Motivations- und Erfolgsheroen wie der unvergessene Bodo Schäfer noch so sehr dazu raten, uns von den Freunden zu trennen, „die uns nichts bringen“.

Doch so ganz „unschuldig“ ist auch die innigste Freundschaft nicht. Wenn es ums Geld geht, wurde schon so manche langjährige und unverbrüchliche Beziehung großen Herausforderungen unterworfen. Wenn der ohnehin als geizig bekannte Vorgesetzte wieder mal kein Trinkgeld gibt, Utes sowieso merkwürdiger Lebensabschnittsgefährte sich jeder Gemeinschaftsrechnung verweigert, die gut situierte Frau Dr. Schikedanz aus dem Golfklub noch nie in ihrem Leben eine Runde geschmissen hat und Kollege Graudörfer ständig mit seinen neuen Errungenschaften protzt, dann ist das ärgerlich. Doch was tun, wenn die beste Freundin die Karriereleiter hinauffällt? Carsten immer zwei Getränke weniger vom Gemeinschaftsdeckel bezahlt? Marianne ständig vergisst, ihre kleinen Schuldenbeträge zurückzubezahlen oder Andreas einem ständig wegen der zwei Euro in den Ohren liegt, mit denen er uns ausgeholfen hat? Von Connie ganz zu schweigen, die ständig nur über Geld redet. Sie wissen, wovon ich spreche?

Für alle Dinge, die einem auf der Seele liegen, gilt immer und überall eines, ich sollte besser sagen zweierlei:

  • Machen Sie entweder Ihrem Ärger Luft, oder lernen Sie, mit den kleinen Unzulänglichkeiten der anderen zu leben!

In einer intakten freundschaftlichen Beziehung sollte es doch möglich sein, zwischen großen und kleineren Ärgernissen zu unterscheiden und gleichermaßen die eigenen Unzulänglichkeiten zu berücksichtigen. Machen Sie also nicht aus jeder Mücke einen Elefanten, wenn Sie nicht Gefahr laufen wollen, selbst eine stattliche Liste von eigenen Versäumnissen vorgehalten zu bekommen.

Sie haben noch kleinere Schulden vom letzten Wochenende? Weil Sie wieder zu wenig Geld mithatten, aber wussten, dass Fred das Gott sei Dank nie passiert? Zahlen Sie Ihre Schulden rechtzeitig zurück, warten Sie nicht, bis Fred Sie darauf anspricht. Vermutlich ist es ihm unangenehm. Es liegt an Ihnen, die Situation zu bereinigen.

  • Verlassen Sie sich ruhig auf Ihre Freunde, aber geben Sie Ihnen bloß nicht das Gefühl, Ihre Großzügigkeit auszunutzen.

Wer sich einmal den Ruf als Wiederholungstäter erworben hat, der läuft beim nächsten Mal zum Geldautomaten, wenn er wieder ohne Geld an der Kinokasse steht, oder muss sich auf das wochenendliche Fernsehprogramm verlassen!

Es ist Ihnen unangenehm, dass Klaus und Suse Ihnen immer so prächtige Geschenke machen, Sie regelmäßig in ihr Ferienhaus auf die Bahamas einladen oder in das beste Restaurant der Stadt? Natürlich ist es nicht einfach, wenn sich die finanziellen Spielräume im Freundeskreis erheblich unterscheiden. Aber erfinden Sie bitte kein Problem! Meinen Sie nicht, Suse und Klaus wüssten nicht um das „Vermögensgefälle“? Na also: Man muss Einladungen auch annehmen können!

  • Lassen Sie sich einfach verwöhnen, aber fangen Sie nicht an, mit Ihren wohlhabenderen Freunden zu konkurrieren.

Klaus und Suse und Ihr Bankkonto werden es Ihnen danken! Bleiben Sie bei Ihren „Leisten“. Nichts setzt eine Freundschaft mehr aufs Spiel als der Verlust an Glaubwürdigkeit, und schon so mancher Bordeaux-Verwöhnte hat sich über ein kühles Pils samt zünftiger Brotzeit mehr gefreut als über sich abstrampelnde Freunde, die meinten, in der selben Preisklasse boxen zu müssen! Ich verspreche Ihnen, die gemeinsame Freundschaft wird dauerhaft währen. Es sei denn, Sie betrachten sie als behagliche Hängematte. Dieter und Uschi sind ja auch plötzlich aus dem inneren Kreis verschwunden. War es nicht Uschi, die meinte: „Na ja, gut, Klaus und Suse können es sich ja auch leisten! Die sollen uns ruhig mal auf die Bahamas einladen.“?

  • Hören Sie auf, Ihren Freunden Fragen zu stellen, die Sie selbst beantworten können! Niemand sollte besser wissen als Sie selbst, wie viel Bier Sie getrunken haben, was die Vorspeise gekostet hat oder ob es fair wäre, diese extra zu bezahlen, wenn alle anderen auf selbige verzichtet haben.

Ich wiederhole mich gerne: Ich bin ein unbedingter Freund der gemeinschaftlichen Rechnung, wie hoch der eigene Anteil daran ist, darüber sollte jeder fraglos selbst Bescheid wissen. Und wenn Sie es wirklich nicht wissen, dann zahlen Sie eben als Letzter in den gemeinsamen „Pott“. So viel Vertrauen haben Sie doch, oder?

  • Unterlassen Sie jede Form der ritualisierten Abwehrhaltung, wenn jemand Sie einladen möchte.

Karla möchte Sie zu Kaffee und Kuchen einladen? Siggi zu Currywurst und Pommes? Schön, stecken Sie Ihr Portemonnaie wieder ein, sagen Sie Danke, und freuen sich über Ihre tollen Freunde! Kein „Aber, das ist doch nicht nötig“, „Ach, lass doch!“ und vor allen Dingen kein: „Wofür das denn?“ Sparen Sie Ihre „höfliche Energie“, um sich bei Gelegenheit zu revanchieren.

  • Verschleppen Sie nichts! Nichts beschert gewachsenen Freundschaften einen quälenderen Tod als aufgestauter Ärger.

Wer sich immer wieder über dasselbe ärgert, der muss sich irgendwann äußern. Schließlich hat uns der liebe Gott unseren Mund nicht nur zum Essen gegeben. Wir sind nun einmal unterschiedlich, und das betrifft auch unseren Umgang mit den anerkannten Zahlungsmitteln. Und wenn der andere nicht weiß, was uns an seinen monetären Gepflogenheiten stört, dann sieht er auch keinen Grund, etwas zu ändern. Sie haben die zehn Euro für Cordulas Geschenk noch nicht erhalten? Sprechen Sie Ihre Freundin einfach darauf an! Oder vertrauen Sie darauf, dass sich ohnehin alles im Leben ausgleicht. Immerhin sind Sie seit 25 Jahren befreundet. Wer wird denn da kleinlich werden?


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