Alles ein großes Spiel. Die Spieltheorie ist ein Fachbereich der Wirtschaftswissenschaft. Jener Wissenschaft, die hinter dem natürlichen Motiv des Menschen, seine Lebensumstände zu verbessern, nichts Ehrenrühriges vermutet, sondern die Triebfeder des allgemeinen Wohlstandes: Wenn jeder an sich denkt, dann ist an alle gedacht. Kümmere dich nicht um deine Mitmenschen, vertraue auf die unsichtbare Hand des Marktes, und alles wird gut!

Die Spieltheorie ist der Stachel im Fleisch dieser auf persönlichen Vorteil spezialisierten Wissenschaft. Mit der Spieltheorie lässt sich zeigen, dass vermeintlich vernünftige Entscheidungen durchaus zu unvernünftigen Ergebnissen führen können. Dann nämlich, wenn man die Chancen zur Zusammenarbeit nicht erkennt, weil man sein Gegenüber für einen ebenso großen Egoisten hält wie sich selbst, oder aber dessen Egozentrik unterschätzt.

Auch wenn der deutsche Spieltheoretiker und Nobelpreisträger Reinhard Selten nicht müde wird zu betonen, dass kooperatives Verhalten keineswegs eine Frage der Moral sei – schließlich beruhe auch die Mafia auf Kooperation –, lassen sich spieltheoretische Erkenntnisse durchaus auf moralische Aspekte anwenden. Insbesondere auf die Frage, wie man diejenigen, die bereit sind, für ihre Ideale Verantwortung zu übernehmen, vor denen schützen kann, die Idealisten für spinnerte Weltverbesserer und Weicheier halten.

Unter welchen Umständen sind Menschen bereit, die Auswirkungen ihres Handelns auf andere zu berücksichtigen und eine Zusammenarbeit in Erwägung zu ziehen, anstatt den anderen über den Tisch?


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