Knigge kochen

Koch-Knigge für Nicht-Sterne-Köche

Ich koche gerne für Freunde und kann nur jedem raten, der ein wenig Spaß am Kochen hat, dasselbe zu tun. Damit Sie sich hierfür nicht einen kompletten Tag freinehmen und mit schwitzenden Händen, dem Kreislaufzusammenbruch nahe, zwischen Herd, Ofen und Tisch hin- und herspringen müssen, habe ich einige Erfahrungen zusammengetragen, die ich gerne teile. Damit Freude am Miteinander und Spaß am Geschmack zusammenkommen. Ein paar einfache „Rezepte“ für Nicht-Sterne-Köche:

1. Machen Sie sich nicht verrückt!

Kaufen Sie sich ein Kochbuch. Jeder kann nach Rezept kochen, selbst wenn ihm spontan nicht einmal der Name für jenes Gemüse einfallen sollte, das es in grüner, roter und gelber Farbe gibt. Halten Sie sich an das, was Sie können, selbst wenn Sie gar nichts können! Suchen Sie sich ein Rezept heraus, das Ihnen gut gefällt, machen Sie eine Einkaufsliste, und gehen Sie diese Punkt für Punkt durch. Sie werden von sich selbst und Ihren Kochkünsten überrascht sein! Die Gefahr, den schönen Abend mit Ihren Freunden zu „versauen“, besteht immer nur dann, wenn Sie als Amateur vergessen, dass Sie ein Amateur sind.

2. Stumpfe Messer gehen gar nicht!

Freunde würden das nie tun, und Snobs haben Sie ja wohl nicht eingeladen! Halten Sie sich an das, was Sie können, und stellen Sie sicher, dass Sie alle Utensilien im Hause haben, die Sie benötigen. Man kann alles kaufen. Fangen Sie mit einem scharfen Messer an. Nichts verleidet den Spaß am Kochen mehr als stumpfe Messer!

3. Schuster bleib bei Deinen Leisten

Halten Sie sich an Gerichte, deren Zutaten die jeweilige Jahreszeit hergibt. Je mehr Sie sich an Standards orientieren, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, in schwierige Situationen zu geraten! Je spezieller das ausgesuchte Rezept, desto länger die Wege, desto expansiver die Ausgaben und desto höher die Wahrscheinlichkeit mit dem eigenen Anfängerstaus konfrontiert zu werden! Ihnen hat das Viergangmenü von Tim Raue so gut gefallen? Wann kommen Ihre Gäste? Morgen? Fangen Sie ruhig schon mal an.

4. Gerichte kochen, die schlechtes Timing verzeihen

Gulasch, Tafelspitz oder Eintopf haben den Vorteil, dass sie eine fünf oder zehn Minuten längere Garzeit vertragen, ohne dem ins Mark treffenden Vergleich mit der Schuhsohle trotzen zu müssen. 

5. Keep it simple

Sie mögen Fisch? Filets kaufen, Butter in die Pfanne, zweimal wenden, fertig. Gemüse und ein Kartoffelgericht dazu, guten Appetit! Kochen Sie Nudeln in Brühe, und Sie haben weniger Druck bei der angemessenen Würze der Soße. Passieren Sie Ihre Suppen durch ein Sieb: So machen Sie aus rustikalen Erbsen- oder Linsensuppen feine „neue Erfahrungen“ ohne großen Aufwand. Was erzähle ich, probieren Sie es einfach mal. Warum starten Sie nicht mit Ihrem Lieblingsgericht?

6. Fragen kostet nichts

Fragen Sie, was Ihre Gäste mögen. Nichts ist unangenehmer, als gnadenlos am Geschmack vorbeizukochen! Wie sollen sich Heinz und Jutta an Ihrem ersten Schnitzel Wiener Art erfreuen, wenn sie Vegetarier sind, wie Frauke und Hannes an Ihrer gemischten Fischplatte, wenn beide nichts zu sich nehmen, was mit „mehr als der Hälfte des Körpers unter Wasser lebt“? Fragen Sie vorher, kostet ja nichts.

7. Von den Guten lernen

Ihre beste Freundin ist eine begnadete Köchin, und Sie sind ein wenig nervös ob ihres zu erwartenden Urteils? Keine Panik! Egal, wie Ihnen das Essen gelingt: Als wahre Freundin wird Sie Ihnen ein faires Urteil ausstellen, Ihnen den einen oder anderen wertvollen Tipp geben können, sich freuen, dass sie beide nun ein neues Hobby teilen und überrascht sein über den wohlschmeckenden Braten, den sie selbst seit über zehn Jahren nicht mehr zubereitet hat.

8. Mehr Zeit am Tisch als in der Küche verbringen

Im Zentrum sollte das gemeinsame Essen stehen. Je weniger Zeit Sie mit Ihren Freunden am Tisch verbringen, desto mehr haben Sie falsch gemacht. Wählen Sie Gerichte, die sich gut vorbereiten lassen. Verzichten Sie auf überkandidelte Aperitifs wie individuelle Cocktails mit Sonnenhütchen und Dekorwettbewerbe auf den zu reichenden Teller. (Auch die schönsten Dekorationen sind ungeeignet, den Ärger über kalt gewordenes Essen zu mildern!)

9. Gemeinsam Essen, gemeinsam abräumen

Zwischen den Gängen und nach dem Essen helfen Ihnen Ihre Freunde gewiss gerne, den Tisch für den weiteren Verlauf des Abends „freizuschaufeln“. Wer gemeinsam Ordnung schafft hat, hat danach umso mehr Zeit, gemütlich zusammenzusitzen und das eine oder andere Fläschchen zu öffnen.

10. No fishing for compiments

Verzichten Sie auf jede Art der Rechtfertigung! Sätze wie „Das ist mir auch schon mal besser gelungen!“, „Ich habe das heute zum ersten Mal gemacht!“ oder „Da fehlt noch ein wenig Salz, findet Ihr nicht?“ sind im besten Fall unnötig, im schlechtesten werden sie als unangenehmes „fishing for compliments“ missverstanden! Überlassen Sie Ihren Gästen das Wort. Sagen die nichts, ist es Ihnen wirklich schon besser gelungen, sagen sie was, wird es ein Lob sein. Und dann wäre jede Entschuldigung wirklich fehl am Platz …

Andere lasen auch:

Gefühle

Erinnern wir uns an den Satz von Robert Greene: „Die wichtigste Fähigkeit – und die entscheidende Grundlage der Macht – ist es, die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu haben.“ Nun ist die Erkenntnis, dass eine Voraussetzung für ein gleichermaßen freies und verantwortungsvolles Leben darin besteht, Macht über die eigenen Gefühle zu gewinnen, nicht gerade neu, sondern weist mindestens in die Antike zurück. Wer sich zum Spielball seiner Emotionen macht, der wird es nicht weit bringen,

Mehr erfahren »

Misstrauen

Wer sich selbst misstraut, der misstraut den Falschen. Menschen mit Knoten im Kopf haben schon so mancher Führungskraft schlaflose Nächte bereitet. Frisch gestärkt, mit neuen Führungsinstrumenten ausgestattet, soll nun endlich das in die Tat umgesetzt werden, was das letzte Seminar an Erkenntnissen geliefert hat. Kritik ist nicht nur Schelte, Kritik ist eine begründete Beurteilung, und zu der kann auch Lob gehören. Auf zu Herrn Schmidkunz, sein letztes Projekt hat er wirklich mit Bravour gemeistert. Hut

Mehr erfahren »

Im Supermarkt

Auch im Supermarkt gelten Regeln. Zwischen König Kunde und dem Einzelhandel. Aber auch zwischen den Königen. Die wichtigsten haben ich für Sie zusammengestellt. Viele Spaß beim Lesen und beim nächsten Einkauf. Diese Infos und Tipps finden Sie in diesem Artikel:Bitte nicht hauen1. Einkaufswagen und Einkaufskörbe benutzen2. Nichts ungefragt probieren3. Anfassen erlaubt4. Nie mehr als 50 Münzen5. Freundlich begrüßen und verabschieden6. Waren-Trenner benutzen7. Nicht über die falsche Schlange ärgern8. Gehen Sie ruhig vor!9. Portemonnaie zur Hand

Mehr erfahren »