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Ladies first

Ladies first

Eine schöne, alte Sitte. Diese ladies first. Nur werden die Ladies rar. Denn mit der Emanzipation verschwand die Dame aus dem Salon und zog sich still und unaufgeregt in ihre Gemächer zurück. Gleichberechtigung wäre in ihren Augen ein Rückschritt gewesen. Und Dr. Lady Bitch Ray betrat das Parkett.

1. Sollte mann frau noch aus dem Mantel helfen?

Die veränderungshungrige Frau, dem heimischen Herd entflohen, kletterte auf die Karriereleiter und mancher Gentleman, der einer Dame aus dem Mantel helfen wollte, nahm zur Kenntnis, dass eine Frau drinsteckte, die seinen Versuch ausschlug mit den Worten: „Das kann ich auch alleine.“ Eine zuvorkommende Geste rabiat ausgeschlagen, ist doof. Seinen Willen nach Distanz und  Autarkie in Fragen der Bekleidung  lässt sich auch mit schöneren Worten sagen. So bekam ich letztlich von einer jüngeren Damen ein charmanten Korb als ich Ihr in den Mantel helfen wollte: „Danke, aber ich bin schon ein großes Mädchen.“

2. Gehe nie an einer ausgestreckten Hand vorbei

Zeitlos gerne wird diese alte Begrüßungsregel allerdings genutzt, jemandem einen einzuschenken: „Aber Herr Dr. Piepenbrink! Heisst es nicht eigentlich ‚ladies first!?‘“ Wenn einer der Umstehenden versehentlich zuerst einem Mann statt einer Frau die Hand zur Begrüßung entgegenstreckt. Diese Form der Demonstration eigener Regelkenntnis wird durch den Verstoß gegen die weitaus wichtigere Regel: Schlage alle Etikette in den Wind, um andere nicht bloßzustellen. Ich habe im Übrigen diesen Satz noch eine Frau diesen Satz sagen hören. Was ich aber hörte von Frauen hörte war das Unwohlsein darüber, aus einer einfachen Begrüßung ein Staatstheater zu machen, an dessen Ende einer die Eselsmütze trägt, weil man selbst zur first Lady gemacht wurde.

3. Die Dame schlägt jede Hierarchie

Emanzipation und Business haben die Spielregeln verändert. Damen und Fräuleins sind auf dem Rückzug und im Business hat sich die Hierarchie durchgesetzt. Doch so ganz stimmt das auch nicht. Schon so mancher wollte zuerst den männlichen Vorgesetzten grüßen, als der einem das obige „Ladies first“ ins Gesicht griente. Andere sagen, es sei fatal , wenn man zunächst die Assistentin und erst dann den Vorgesetzten begrüße. Ich selbst bleibe beim „Ladies first“! Da bin ich alte Schule und die kommt trotz manch verstaubter Ecke bei den meisten Menschen immer noch gut an.

4. Ein Hoch auf die Gleichberechtigung!

Als es die Dame noch gab, gab es eine Vielzahl geschlechtsspezifischer Benimmregeln. Seitdem die Dame beschloss Frau zu werden und sich mit der Gleichberechtigung zu begnügen, sind auch die Regeln gleichberechtigter. Gut, einen Handkuss würde auch ich mir gegenüber Männern verkneifen und womöglich ebenfalls davon Abstand nehmen, einem gleichaltrigen, sportlichen Geschlechtsgenossen ungefragt seinen Koffer in die Ablage zu hieven, aber andere Regeln lassen sich meines Erachtens durchaus auf beide Geschlechter übertragen. Was hindert mich daran, einem Mann Feuer zu geben, was, dem Gastgeber einen Blumenstrauß zu überreichen, und warum sollte ich als Fahrer nicht einem guten Freund zuerst die Beifahrertür öffnen, bevor ich selbst einsteige, oder dem Vater mit Kinderwagen in die Straßenbahn helfen? Ich bekenne mich zur Gleichberechtigung,  auch wenn ich der Überlegenheit der Dame ein Träne nachweine. Ladies first!

5. Mach’s gut Dame. 

Es war einmal: Die Dame. Das überirdische Wesen. Vollkommen. Überlegen, den Frauen und den Männern ohnehin. Selbst den Gentlemen unter diesen. Bis die Frau die Dame um 1968 abschaffte. Zu tantenhaft, zu sehr Ornament, zu sehr Weibchen des weissen heterosexuellen Mannes mittleren Alters, dem die Mutti die Pantoffeln nach einem anstrengenden Arbeitstag zum Fernsehsessel bringt.

Im Fernsehen sitzen kluge Männer in dämlichen Kapseln bei der „Der große Preis“. Und der kluge Vati rät mit. In der Küche erledigt Mutti derweil das bißchen Haushalt und freut sich des Lebens und über den klugen Vati, der ihr Mann ist. Dem Muff aus Talaren und Pantoffeln wurde der Kampf angesagt. Nicht länger mit Kernseife, sondern mit Ho Chí Minh und Uschi Obermaier. Die 68er machten sich bereit der Republik ein neues Gesicht zu geben. Damen und Fräuleins wurden von nun an den Geschichtsbüchern überantwortet. (Tauchen aber ab und zu noch mal auf. Das Fräulein zum Beispiel vor Kurzem in Wien.)

6. Darf man Damen nach Ihrem Alter fragen?

Bei der Frage nach dem Alter von Frau aka Damen mussten schon fünfjährigen Kindern erfahren, wie es sich anfühlt, wenn jemand nicht raus will mit der Sprache:

Wie alt bist Du, Frau Schmitz?“

„Ungefähr ein Jahr älter als Du liebe Lisa!“

Altert die Sonne? Altern die Sterne? Also. Frag doch nicht so doof. Die Dame welkt nicht. Sie ist Rose bis ans Ende aller Tage. Nie junges Ding, nie alte Schachtel. Die Dame ist eine Göttin, die im Körper einer Frau lebt. Weil es sie offiziell nicht mehr gibt. Männer haben ein Alter, Frauen und Damen nicht. Basta! Bei der Kolumnistin des Tagesspiegel Dr. Elisabeth Binder las ich ein sehr schlagkräftiges Argument, warum sich Männer und auch Kinder bis in alle Ewigkeit die Frage „Wie alt bist Du, Frau Schmitz?“ verkneifen sollten. Wie sehr sie ihre unhöfliche Neugier auch verklausulieren mögen: „Ich frage mich gerade, wie alt Sie sind, Frau Schmitz…“ „Ich weiss, das macht man eigentlich nicht Frau Schmitz, aber würden Sie mir verraten, wie jung Sie sind?“ Statt einer Antwort wartet nämlich eine Gegenfrage wie ein Tiefschlag.

„Was würdest Du denn schätzen?“

Ganz dünnes Eis. Man kann schon auf den Grund des Sees schauen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit das Thema wechseln. Wer auch nur dran denkt zu schätzen, hat schon verloren. Wer tatsächlich schätzt, sollte sich selbst teeren und federn. Zu gewinnen gibt es jedenfalls nichts. Nada. Niente. Das musste ich letztlich selbst schmerzhaft erfahren:  Erst bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe von meinen geschätzten Alter 15 Jahre abgezogen. 

„Nee, Moritz jetzt mal im Ernst.“ Dann habe ich fröhlich gesagt: 38! Und die eiskalte Antwort erhalten: „Ich bin 32, Herr von und zu!“

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