Der Trinkgeld-Knigge für Servicekräfte: Für mehr Spaß an der Freude! Wenn es ums Trinkgeld geht, dann wollen die einen wissen,  wieviel Trinkgeld sie geben sollen und die anderen, wie sie mehr Trinkgeld bekommen. Moritz Freiherr Knigge ist der Frage nachgegangen, warum manche Kellnerinnen und Kellner mehr Trinkgeld machen als andere.  Dabei ist er auf eine einfache aber schlagende Antwort gestoßen: Wer zum Gast eine gute Beziehung herstellt, hat nach Feierabend mehr Trinkgeld!

Guter Service macht mehr Spaß und bringt mehr Kohle

„Es gibt Menschen, die geben immer gleich viel und gleich wenig Trinkgeld, es gibt aber auch die, die unseren Service bewerten und ihr Portemonnaie noch ein bißchen weiter öffnen.“ Sagt Nico, der seit über 20 Jahren in der Düsseldorfer Altstadt kellnert. „Letztlich hat mir eine Freundin eine Studie geschickt, in der untersucht wurde, was man tun muss, um sein Trinkgeld zu erhöhen Das fand‘ ich spannend. Ich habe mich dann mit meiner Chefin zusammengesetzt und die Kriterien der Studie mit unseren Erfahrungen verglichen. Das passte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Guter Service macht nicht nur Spaß, er lohnt sich auch!“ Schmunzelt Nico.

Der Trinkgeld-Knigge für die Gastronomie

Ein Trinkgeld-Knigge. Das fand auch ich spannend. Nico war so nett mit das entsprechende PDF von Dr. Michael Lynn, Associate Professor der School of Hotel Administration der Cornell University zu schicken. Auf dieser Grundlage – angereichert mit eigenen Einsichten und Erfahrungen – haben wir einen Trinkgeld-Knigge für Kellnerinnen und Kellner entwickelt. Für mehr Kundenzufriedenheit und mehr Geld in der eigenen Tasche.

Knigge-Tipps für mehr Trinkgeld

  1. Sei ein Unikum – Ein besonderes Merkmal macht Dich zu einer besonderen Servicekraft: Ob Blume im Haar, einen schrägen Hut auf dem Kopf, Donald-Duck-Tattoo auf dem Unterschenkel oder eine übergroße Fliege, was immer Dir erlaubt ist und Dir ein Markenzeichen verleiht, was Gäste Spaß macht, ist guter Laune und prallen Geldbeutel förderlich.
  2. Stell‘ Dich mit Namen vor – „Hi, my Name ist Nancy, it’s a pleasure being your waitress tonight“. In den USA ist das vorstellen mit Namen selbstverständlich, in Deutschland eher ungewöhnlich. Psychologische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die persönliche Note das Vertrauen in die Rolle des Gegenübers stärkt.
  3. Gehe auf Augenhöhe – Höflichkeitsliteratur und Kommunikationspsychologie sind sich einig: „Augenhöhe“ verbindet. Wir stehen auf, wenn wir einander begrüßen, wir gehen in die Hocke, wenn wir mit Kindern sprechen. Und genau dieses in die Hocke gehen kann auch beim Gespräch mit dem Gast eine Nähe herstellen, die Begegnung erleichtern und Trinkgeld erhöhen. Einfach mal testen.
  4. Wiederhole – Wenn der Laden voll ist und der Tisch mit vielen Personen besetzt, dann  steigt die Sorge bei den Gästen, dass ausgerechnet die eigene Bestellung nicht angekommen ist. Die Folge: Viele Nachfragen: „Mein Ginger Ale hatten Sie auch aufgeschrieben?“ „Drei mal das Vitello, nicht zweimal, dreimal!“ Wer die Bestellung seiner Gäste wiederholt, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Er prägt sich die Bestellung mit dem Gast besser ein und gibt ihm das gute Gefühl, dass seine Bestellung den Weg zu ihm finden wird.
  5. Lächle„Ich weiss, warum der Laden nicht läuft, wie kann man nur so muffeliges Personal einstellen?“ Natürliche Freundlichkeit und ein echtes Lächeln auf dem Lippen ist noch immer die erfolgreichste und schnellste Methode eine gute Beziehung zu seinen Kunden aufzubauen. Wer lächelt bricht jedes Eis, zaubert dem anderen ein Lächeln aufs Gesicht und lächelt miesepetrige Gäste locker weg.
  6. Verkaufe – Die einfache Faustregel lautet: „Dein Trinkgeld steigt in der Regel prozentual zu Deinem Umsätzen.“ Wer seine Gäste schnell und zügig bedient, wer ihnen ihre Wünsche von den Lippen abliest und Wünschen erfüllt von denen sie beim Betreten noch gar keine Ahnung hatten, der darf sich später über ein schönes Trinkgeld freuen.
  7. Berühre – Natürlich lautet ein Service-Credo: Rücke Deinen Gästen   nicht auf die Pelle, aber eine leichte Berührung zur rechten Zeit, bspw. an der Schulter, bekräftigt den Schulterschluss, der soeben durch eine  nette Plauderei, einen netten Witz oder auch ein aufgelöstes Missverständnis entstanden ist. Best friends, nicht forever, aber für einen netten gemeinsamen Abend.
  8. Unterhalte – Service ist mehr als Speisen und Getränke bringen. Guter Service ist Kommunikation. Empfehlungen aussprechen, auf Wünsche eingehen, den Tisch im Blick behalten, ein launiger Spruch zu rechten Zeit, Speisen und Getränke beim Aufdecken und Einschenken anpreisen, locker mit Kritik umgehen können, Fachkompetenz  beweisen, sich für Unannehmlichkeiten wie bspw. längere Wartezeiten entschuldigen. Service, das ist die ganze Palette zwischenmenschlicher Kommunikation in kürzester Zeit. Man muss nicht jonglieren können oder Feuerspucken sein, aber man muss die Menschen ein wenig mögen und unterhalten können.
  9. Sei ein gut gelaunter Wetterfrosch  „Wer das Wetter nicht ehrt, ist des Small-Talks nicht wert“, sagt man. Wer den Wetterfrosch spielt ist noch einen Schritt weiter. Der wetterfühlige Mensch bekommt nämlich schon gute Laune, wenn er nur von Sonnenschein hört. Und gute Laune ist gut fürs Geschäft. Egal also, ob es regnet oder schneit, immer das schöne Wetter loben. Das war, ist oder kommen wird. Nach Regen kommt Sonne und nach Sonne sowieso.
  10. Mache die Rechnung persönlich –Eine kleine Notiz auf der Rechnung wirkt Wunder. Ein bonmot aus der Konversation des gemeinsamen Abends. Eine netten Sinnspruch, eine Mini-Zeichnung oder ein persönlicher Gruß. Jeder Mensch mag es als etwas Besonderes wahrgenommen zu werden.
  11. Gib ein Gooddie – ein Bonbon zur Rechnung, eine Glas Wein über dem Eichstrich, eine Runde aufs Haus, einen Extrawunsch for free, einen Kinderteller, der nicht auf der Karte steht, Freirunde fürs lange warten oder Zeichenblöcke für die Kleinen. Oder was immer Dir Gutes einfällt, was gut tut.
  12. Nenne Kunden beim Namen – Menschen lieben es beim Namen genannt zu werden. Selbst die persönliche Ansprache der Supermarktkassiererin  nach dem Ablesen unseres Namens von der EC-Karte gibt uns ein gutes Gefühl. It’s easy as that. Doch auch in Restaurants, die Tischreservierungen entgegennehmen, ist der Name zwar bekannt, genannt wird er aber selten. Also ran an die Namen. Und nicht vergessen: Nach dem zweiten Besuch sind sowieso alle Stammgäste: „Ah Dottore…“ 
  13. Locker bleiben: Selbst wer alle Tipps des Trinkgeld-Knigge beherzigt, wird trotzdem stressige Arbeitstage haben. Geizige und mäkelnde Kunden, schlecht gelaunte Kollegen, ungerechte Chefs und Chaos in der Küche: nicht immer ist die Arbeit im Service ein Zuckerschlecken. Trotzdem gilt: locker bleiben, denn morgen scheint wieder die Sonne! Hast Du gut gelaunter Wetterfrosch selbst gesagt 😉
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