Mehr miteinander erreichen

5 Axiome

Kommunikation

Im Jahr 1969 erschien das Buch „Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien“. Verfasst von Paul Watzlawick, , Janet H. Beavin und Don D. Jackson. Bis heute gelten die am Mental Research Institue Palo Alto in Kalifornien entwickelten 5 Axiome zur menschlichen Kommunikation als die Grundlagen des Zwischenmenschlichen. Als das, was immer schon da ist, bevor sich Menschen damit befassen, wie sie miteinander umgehen wollen. Bevor wir also das ICH-MENSCH-DU-MENSCH-SPIEL auf eine bestimmte Art und Weise spielen können, sollten wir wissen, was überhaupt zwischen Menschen gespielt wird. Watzlawick und Kollegen für ihre Untersuchungen den Menschen bewusst nicht als isolierte Variable betrachtet, sondern als als Beziehungswesen. Kommunikation ist immer Beziehung, ist immer Funktion. Mathematisch ausgedrückt: Variablen sind nur in Beziehung zueinander sinnvoll. 

1. Axiom: Die Unmöglichkeit nicht zu kommunizieren

Das wohl bekannteste Axiom zur menschlichen Kommunikation lautet: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“  Sobald wir mit anderen in Beziehung stehen, können wir uns nicht nicht verhalten. Egal, was wir tun oder lassen, unser Verhalten wir von anderen interpretiert und bewertet. Egal, was wir sagen, wie wir es sagen, ob wir Gähnen, Lachen, Seufzen uns Räuspern, wie unsere Tonlage ist, ob wir reden wie ein Wasserfall oder wie eine Schnecke, ob wir Flüstern, Schreien oder Nuscheln oder Schweigen. Wie wir stehen, gehen oder liegen. Wie wir schauen, starren, mit den Augen zwinkern oder sie zu Boden senken. Ob wir uns am Kopf kratzen oder die Hand vorm Mund, ob wir wild gestikulieren, aufstehen oder sitzen bleiben, mit den Augenrollen oder die Stirn in Falten legen.

Wir können uns auf den Kopf stellen und lachen oder Käse an den Schlips binden, wir senden was das Zeug hält, weil es überall Empfänger*innen gibt noch und nöcher. Solange wir nicht auf einer einsamen Insel leben. Und selbst da kommt irgendwann ein Freitag vorbei und sendet dem Robinson Botschaften, der sie empfängt und seinerseits etwas sendet. Ob bewusste Kommunikation und der verzweifelte Versuch, Kommunikation zu vermeiden, es bleibt dabei: Man kann nicht nicht kommunizieren. 

2. Axiom: Die Inhalts- und Beziehungsaspekte der Kommunikation

Ob menschliche Kommunikation gelingt, hängt davon ab, ob es in der Beziehung stimmt oder nicht. Wenn etwas zwischen den in Beziehung nicht stimmt, dann kann man sagen oder nicht sagen, was man will, es wird falsch verstanden. 

Der schottische Psychiater Ronald David Laing hat dies Ende der 1960er Jahre getan. In seinem Buch mit dem Titel „Knoten“, hat er aus seiner therapeutischen Praxis Beispiele zusammengetragen und diese zu kurzen Fragmenten des Scheiterns verdichtet.

Jill & Jack sind Laings Hauptdarsteller. Man kann über ihr Verhalten lächelnd den Kopf schütteln, man kann aber auch darüber nachdenken, wie viel von Jill & Jack in uns selbst steckt. Jill und Jack spielen ein Spiel, das auch wir so oder anders immer wieder spielen:

Jill: Mich ärgert, dass Du verärgert bist

Jack: Ich bin nicht verärgert

Jill: Mich ärgert, dass Dich nicht ärgert, dass mich ärgert, dass Du verärgert bist

Jack: Mich ärgert, dass Dich ärgert, dass mich nicht ärgert, dass Dich ärgert, dass ich verärgert bin, wenn ich es nicht bin.

„Im allgemeinen ist es so“, sagt Paul Watzlawick, „dass die Definition der Beziehung um so mehr in den Hintergrund rückt, je „spontaner“ und „gesunder“ die die Beziehung ist, während „konfliktreiche“ Beziehungen u.a durch wechselseitiges Ringen um ihre Definition gekennzeichnet sind, wobei der Inhaltsaspekt fast völlig an Bedeutung verliert.“

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. derart, dass letztere den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation. 

3. Axiom: Die Interpunktion von Ereignisfolgen

Die Auseinandersetzung zwischen Jack und Jill macht aber noch etwas anderes deutlich: Die typische Sandkastenlogik: „DER HAT ANGEFANGEN!!!!“ muss einer genaueren Prüfung unterzogen werden. So einfach scheint es weder im Sandkasten, noch in der Ehe, noch in beruflichen Beziehungen zu sein. Ursache und Wirkung scheinen sich in der menschlichen Kommunikation hinten anstellen zu müssen. Es regiert die Zirkularität. Watzlawick und Kollegen machen das an monotonen Hin und Her einer weiteren kriselnden Ehe deutlich: Ehemann zieht sich zurück, Ehefrau nörgelt, Ehemann zieht sich zu rück, Ehefrau nörgelt. 

Oder: Kevin spielt Playstation, Laura ist genervt, Kevin spielt noch mehr Playstation, Laura ist noch genervter, Kevin spielt noch mehr Playstation. 

Oder: Vorgesetzte wünscht sich, dass die Mitarbeiter*innen ihr Rückmeldung geben, Mitarbeiter*innen wünschen sich, dass die Vorgesetzte selber sieht, was sie besser machen könnte, Vorgesetzte sieht keinen Grund, was zu ändern, Mitarbeiter*innen sehen keinen Sinn darin, beratungsresitenter Vorgesetzten Rückmeldung zu geben. 

Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt. 

Oder: Je gesunder eine Beziehung desto wahrscheinlicher sind kürzere Kommunikationsabläufe und weniger konfliktreiche Interpunktionen. 

4. Axiom: Digitale und analoge Kommunikation

Alle 5 Axiome der menschlichen Kommunikation haben die Tendenz zur Uneindeutigkeit, Überlappung und Komplexität.  Das gilt auch für die Sprachen, mit denen wir kommunizieren. Paul Watzlawick und Kollegen unterscheiden hier digitale und analoge Ausdrucksformen. In der digitalen Ausdrucksformen bedienen wir uns Namen, in der analogen nutzen wir Zeichen, um zu kommunizieren. 

„Namen sind Worte, deren Beziehung zu dem damit ausgedrückten Gegenstand eine rein zufällige oder willkürliche ist. Wie Bateson und Jackson feststellen, ‚hat die Zahl fünf nichts besonders Fünfartiges an sich und das Wort ‚Tisch‘ nichts besonders Tischähnliches'“. 

Nicht nur ein Bild sagt mehr als tausend Worte, auch ein Blick oder eine Geste erzählen mehr als alles Digitale. Überall wo es um Beziehungen geht, rücken analoge Ausdrucksformen in den Mittelpunkt. 

„Wenn wir uns erinnern, dass jede Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat, so wird deutlich, dass die digitalen und die analogen Kommunikationsweisen nicht nur nebeneinander bestehen, sondern sich in jeder Mitteilung gegenseitig ergänzen. Wir dürfen ferner vermuten, dass der Inhaltsaspekt  digital übermittelt wird, der Beziehungsaspekt dagegen vorwiegend analoger Natur ist.“ 

Tatsächlich scheinen sich in der menschlichen Kommunikation beide Formen gut zu ergänzen, da beide etwas mitbringen, was der jeweils anderen Ausdrucksform fehlt.

Komplex, vielseitig und logisch die Syntax des Digitalen, aber auf dem Gebiet der Beziehungsebene nerdig bis der Arzt kommt. Ohne logisch-eindeutige Syntax unterwegs, aber mit einem semantischen Potenzial ausgestattet , wie es dem Digitalen abgeht, das Analoge. Zusammen wird ein Schuh draus. 

5. Axiom: Symmetrische und komplementäre Interaktionen

Gleich und gleich gesellt sich gerne? Oder doch: Unterschiede ziehen sich an? Das ODER können wir streichen. Beides ist denkbar: Augenhöhe oder Boss und Mitarbeiter. Keine, flache oder steile Hierarchien. Zwei Sensible oder Zwei harte Brocken. Mit harter Schale und hartem Kern. Oder einer von zwei beiden weichem Kern.

Symmetrisch oder komplementär können die Beziehungen zu unseren Mitmenschen sein. Und je nachdem, ob sie komplementär oder symmetrisch sind, prägen sie unser Verhalten und die Art der Beziehungen, die wir führen. Entscheiden darüber, ob wir selbst führen oder geführt werden, ob wir Führung brauchen oder zulassen. Ob wir gerne in  Führung gehen oder in Deckung!

Topf und Deckel oder gute Ergänzung? 

Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht. 

Wissen, was gespielt wird

Wer mehr miteinander erreichen will, der sollte wissen, wie das Zwischenmenschliche funktioniert.

Gewusst WAS folgt gewusst WIE: Über den Umgang mit Menschen.

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