Geschichte wiederholt sich. Reinliche Menschen vorausgesetzt. Nachdem im Jahr 1986 bereits die berühmte „Fettecke“ des Düsseldorfer Künstlers Joseph Beuys „ihr Fett wegbekam“ und schlicht weggeputzt wurde, widerfuhr im Jahre 2004 abermals einem deutschen Künstler, dem Dekonstruktivisten Gustav Metzger, Ähnliches. Eine Plastiktüte mit Zeitungen und Pappe, die vor einem abstrakten Gemälde lag, wurde durch eine „gewissenhafte“ Reinigungskraft in der Londoner Nationalgalerie Tate Britain entsorgt.

Die moderne Kunst macht es den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung – ob Betrachter oder Ordnungsliebhaber – nicht immer leicht, und das will sie ja im Zweifelsfall auch gar nicht. Der Besuch im Museum und die damit einhergehenden Anforderungen an unser Benehmen halten zwar auch das ein oder andere Fettnäpfchen für uns bereit, aber die lassen sich in Regel etwas leichter und günstiger aus dem Weg schaffen als besagte „Fettecke“ – immerhin musste das Land Nordrhein-Westfalen einen fünfstelligen Betrag an Joseph Beuys zahlen.

Und doch kann es ja nicht schaden, sich im Vorfeld des Museumsbesuches einige Umgangsregeln zu vergegenwärtigen:

  • Ballspielen, Essen, Petting und Anfassen von Kunstobjekten sind in der Regel verboten!

Sie wundern sich über die merkwürdige Zusammenstellung? Fragen Sie doch mal nach bei den netten Damen und Herren, die in den Museen arbeiten, so wie ich es getan habe, dann ließe sich die kleine Zusammenstellung der Verbote sicher noch um die eine oder andere Skurrilität anreichern.

  • Eintrittspreise sind nicht verhandelbar! Wenn es keine Ermäßigung für Rentner gibt, dann gibt es sie nicht.

Wenn Sie einen Künstlerausweis oder sonstige Ausweise besitzen, die Ihnen einen ermäßigten oder gar freien Eintritt bescheren, nehmen Sie sie mit und zeigen sie vor, statt sie zu Hause zu vergessen. Nicht jede Kassiererin erkennt in Sekundenbruchteilen, welchen angehenden oder berühmten Meister sie gerade vor sich hat.

  • Wenn Karten nach dem Erwerb am Eingang abgerissen werden, sparen Sie sich bitte jeden Kommentar.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass witzig gemeinte Sprüche („Oh, jetzt haben Sie meine Karte kaputt gemacht!“) vom Gegenüber allein an diesem Sonntag bereits zum fünfzigsten Mal mit einem gequälten Schmunzeln erwidert werden mussten.

  • Es kann nicht schaden, die Bediensteten in den Ausstellungsräumen freundlich zu begrüßen, und wenn es nur ein kurzes Kopfnicken ist.
  • Befolgen Sie bitte die Anweisungen der Museumsangestellten. Wenn in der betreffenden Ausstellung Fotografierverbot besteht, dann halten Sie sich bitte daran.

Mit einem betont unbeteiligten „Ja, ja“ auf die Bitte der betreffenden Person zu reagieren, ist bereits unhöflich, darauf hinzuweisen, dass Sie das letzte Mal aber fotografieren durften, ist nicht zielführend und hinter der nächsten Ecke dennoch den Fotoapparat zu zücken, schlicht unverschämt.

Sollten Sie sich eines „Vergehens“ schuldig gemacht haben, weil Sie einmal in Ihrem Leben die Kleider von Vivienne Westwood berühren, den „Schwung“ von van Gogh mit Ihrer Nasenspitze erspüren oder die Belichtung des Fotografen Andreas Gursky mit Ihren Händen nachvollziehen wollten, fangen Sie bloß nicht an, sich zu rechtfertigen oder gar patzig zu werden. Sätze wie „Ach, kommen Sie, das ist doch nicht so schlimm“, oder „Also, ich habe kein Schild gesehen, dass mich darauf hingewiesen hätte, nichts anzufassen!“, tragen nicht wirklich zur Deeskalation bei. Mit einem kurzen „Entschuldigen Sie bitte!“ ist die Sache meist aus der Welt geräumt. Aber vielleicht haben Sie ja auch Lust, die übrige Zeit Ihres Besuches von einem nicht von Ihrer Seite weichenden „Anstandsschatten“ verfolgt zu werden …

  • Kinder sind im Museum willkommen – solange sie nicht mit zehn Metern Anlauf und ausgestreckten Patschhändchen auf die Werke der alten und jungen Meister zustürmen.

Als Erziehungsberechtigte sollten Sie im Ernstfall genau überlegen, wen Sie schelten. Die Museumsbedienstete, die sich um die Ihr anvertrauten Bilder sorgt, ist sicherlich die falsche Adressatin für Anwürfe wie „herzlos“oder „kein bisschen kinderfreundlich“.

  • Absperrungen sind nicht immer gleich als solche zu erkennen. Schalten Sie daher nicht umgehend auf Abwehr, wenn Sie eine der Bediensteten freundlich darauf hinweist, dass Sie sich einer Absperrung nähern („Also hören Sie mal, ich bin doch nicht das erste Mal im Museum!“).

Schon so manchen stand später die Schamesröte im Gesicht, als er über die nächste Absperrung stolperte oder sich hinter einer Absperrung die Nase am Plexiglas eines Großformats platt drückte. Einige Museumsbesucher sind sich jedoch nicht zu schade, auch in diesem Fall jedwede Schuld von sich zu weisen („Die Dinger sieht man ja überhaupt nicht!“).

  • Ihnen hat die Ausstellung nicht gefallen? Das ist Ihr gutes Recht. Es hat auch niemand was dagegen, wenn Sie Ihren Ärger kundtun.

Bedenken Sie nur, dass die Beschäftigen des Museums in der Regel wenig dafür können, dass Ihr Geschmack nicht getroffen wurde und es Ihnen absolut schleierhaft ist, „wieso die Stadt für so etwas auch noch Geld zum Fenster rauswirft. Und das soll Kunst sein?“


Vorheriger Artikel:
«
Nächster Artikel:
»


Share This