„Sollen wir noch etwas mitbringen?“ – „Gute Laune wäre schön!“ Dieser kurze Dialog gehört längst zu den festen Ritualen im Vorfeld eines Ereignisses, das wir Party nennen. Da mit steigendem Alter die Wesensmerkmale einer Party – lebhafte Gespräche, herzhaftes Lachen, reichlich Alkoholkonsum, laute Musik und gut gefüllte Tanzflächen – abhanden zu kommen scheinen, ist die Aussage „Gute Laune wäre schön!“, eine versteckte Beschwörungsformel des frommen Wunsches der Generation Ü30, noch einmal richtig ausgelassen zu feiern. Meist bleibt es jedoch beim frommen Wunsch. Statt lauter Gespräche und herzhaftem Lachen gedämpfte ernsthafte Unterhaltung, statt Alkohol ein Gläschen Weinschorle und statt lauter Musik und schwingenden Tanzbeinen entspannte Lounge-Berieselung. Vorbei die Zeiten der rauschenden Feste! Und so gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie akzeptierenden den nagenden Zahn der Zeit und fügen sich in das selbst gewählte Schicksal der gemütlichen Chill-Out-Zonen, oder Sie tun etwas dagegen und lassen es noch einmal richtig krachen!

  • Sehen Sie so wenige Stühle wie möglich vor. Wer erst mal sitzt kommt schwerer wieder hoch.
  • Nehmen Sie Ihre Rolle als Gastgeber ernst, besonders auf Stehpartys. Stellen Sie Ihre Gäste einander vor, sorgen Sie für Essen, von dem sich jeder selbst nehmen kann, lassen Sie keinen Gast allein, aber scheuen Sie sich nicht weiterzuziehen.

Fight for your right to party

Es gibt keinen Grund, sich an einen Gast fest zu binden. Es ist ganz natürlich, sich mit möglichst vielen Menschen zu unterhalten. Das gilt im Übrigen auch für Ihre Gäste: Jede gelungene Party ist ein Gemeinschaftsprojekt, auf der sich niemand genötigt fühlen sollte, zu schlechten Entschuldigen („Ich hole mir kurz ein Getränk.“) greifen oder aber die beleidigte Leberwurst spielen zu müssen, wenn sich der Gesprächspartner anderen Gästen zuwendet!

Musik auf Partys ist keine emotionslose Nebensache. Im Gegenteil, sie zielt auf unseren Bauch und nicht auf unseren Kopf. Sei es, dass sie uns in die Tage unserer Jugend zurückführt, uns an unsere erste große Liebe erinnert oder die Zeiten unverbrüchlicher Freundschaft und Verbundenheit wieder auferstehen lässt. Geben Sie es zu, auch Sie wünschen sich in Ihren heimlichen Träumen, noch einmal sechzehn zu sein. Und natürlich ist das eine Illusion, aber das macht doch nichts! Wer in gesetzterem Alter allerdings nicht die Bereitschaft mitbringt, sich – wenigstens für einen Abend – selbst zu betrügen, wer sich scheut, sich „zum Affen machen zu machen“, der sollte konsequenterweise seine Partyträume begraben.

Knigge Party
Party on!

  • Machen Sie es doch so wie ein Freund von mir: Bitten Sie jeden Ihrer Gäste, seine zehn Lieblingsplatten einzustecken und am Abend selbst aufzulegen. Sie werden sehen, laute Musik und eine volle Tanzfläche bleiben nicht länger ein frommer Wunsch!
  • Falls Sie einen professionellen DJ anheuern, tun Sie ihm und sich selbst einen Gefallen, und stellen Sie im Vorfeld sicher, dass er kein Problem damit hat, sich der ausgelassenen Stimmung der Gäste und einer vollen Tanzfläche zu verschreiben.

Prosecco, Becks Gold, Rioja und Grauburgunder? Vergessen Sie’s! Wer dem Alkohol nicht ganz entsagt, der weiß, dass das Trinken von Cocktails selbst langweiligste Partys in rauschende Feste verwandelt hat. Das gemeinsame Zubereiten von Caipirinhas oder ähnlichen „Erfrischungsgetränken“ fördert die Kommunikation und führt zu spontaner Heiterkeit. Das erscheint Ihnen zu gewollt? Ich habe nichts anderes behauptet. Aber die spontane Euphorie, die einen befällt, wenn man sich beschwipst dem Plattenteller nähert, um sein Lieblingsstück aufzulegen, ist es allemal wert!

  • Machen Sie keine Kompromisse bei Ihrer Gästeauswahl! Partymuffel, Spaßbremsen und andere Bremsklötze müssen sich an diesem Wochenende anderweitig beschäftigen.

Die Einladungskriterien sind diesmal andere: Erinnern Sie sich an alte Schulfreundinnen, Kommilitonen und Arbeitskollegen, mit denen man immer gut feiern konnte. Geben Sie den Spaßvögeln in Ihrer Bekanntschaft, deren gut gelaunte Oberflächlichkeit zwar für eine Konversation am Essenstisch ungeeignet ist, für eine zünftige Party aber eine Bereicherung darstellen könnte, mal wieder eine Chance. Laden Sie Menschen ein, die keine einsamen Seelen vertragen und jedem die Möglichkeit geben, sich ins Gespräch einzuklinken. Verzichten Sie schon im Vorfeld auf Gäste, die Schwierigkeiten haben, auf andere zuzugehen und andere Gäste mit ihren langweiligen persönlichen Erfolgsgeschichten behelligen. Ersetzen Sie diese durch Small-Talk-Heroen und geistreiche Possenreißer!

  • Verzichten Sie auf „bürgerliche Standardbüffets“.

Tomaten mit Mozzarella, Rucolasalat und Sushihäppchen sind schmackhaft, keine Frage. Aber an eine Party erinnert man sich nicht des Essens wegen. Scheuen Sie sich daher nicht, sich dem Vorwurf der Zünftigkeit auszusetzen: Nudel- oder Kartoffelsalate, Frikadellen, Brötchen und Schweinemett sind nicht umsonst die Renner in den lokalen Brauhäusern meiner Wahlheimat Düsseldorf. Sie sind eine gute Grundlage für sich anbahnende alkoholische Exzesse und helfen einem, sich auf das Wesentliche einer guten Party zu konzentrieren!

Sie haben Angst davor, dass Ihnen der exzessive Abend am nächsten Morgen nicht nur einen dicken Kopf, sondern auch ein Sammelsurium an Peinlichkeiten bescheren könnte, weil Sie die Hauptrolle in Geschichten gespielt haben, an die sich selbst nicht mehr erinnern können?

  • Vertrauen Sie Ihren wohlerzogenen Gästen! Es gehört sich nicht, die Partyereignisse des vergangenen Abends ans Licht zu zerren. Freuen Sie sich stattdessen auf die dankbaren Anrufer, die Ihnen zur Party des Jahres gratulieren!

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https://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_Freiherr_Knigge

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