Kaum ist die Chefin auf ihrem einsamen Weg in die Kantine, liegen die Broschüren der örtlichen Lieferservices auf dem Tisch. Eine „gute Seele“ findet sich immer, die höflich anklopft und freundlich fragt: „Wollt Ihr auch was bestellen? Wir hatten an chinesisch gedacht.“ Für alle, die – aus welchen Gründen auch immer – auf den Gang in die Kantine verzichtet und sich selber nichts mitgebracht haben, nun die Gelegenheit, doch noch an etwas Essbares zu kommen.

Zu welcher Gruppe Sie auch gehören mögen, Sie werden Anteil an einer „Luftveränderung“ haben, deren Bandbreite von duftend bis stinkend reichen kann. Seien Sie daher vorsichtig, welche Speisen Sie im Beisein von anderen zu sich nehmen! Auch wenn es in Ihrem Unternehmen keine festen Regeln gibt, was wo gegessen werden sollte, gibt es einfache Gradmesser, um die Bewertung der durch Ihr Essen verbreiteten Gerüche von „duftend bis stinkend“ zu erkennen und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Tun Sie das bitte nicht mit dem einfachen Satz ab: „Wem das nicht gefällt, der hat ja einen Mund zum Sprechen.“ So sehr Sie sich selbst die direkte verbale Ansprache wünschen mögen und diese auch pflegen – vielen unserer Mitmenschen fällt genau dies schwer!

  • Ein feines Gespür für die subtilen und nonverbalen Kommunikationsstrategien ist geeignet, sich selbst und seinen Mitmenschen den Appetit zu erhalten!

Wer sich beispielsweise darüber wundert, dass Frau Grubermann-Kramer den weiten Weg aus der drei Büros entfernten Controllingabteilung auf sich nimmt, um sich danach zu erkundigen, was denn hier so köstlich dufte, dem sollte die Frage in dem Moment verdächtig erscheinen, wenn sich die Erinnerung beim Blick auf das „Thai-Curry“ vor einem wieder einstellt: Jene Frau Grubermann-Kramer war es, die auf der Betriebsfeier erwähnte, dass Koriander, Zitronengras und Fischsoße zu den wenigen Lebensmitteln gehören, deren bloßer Geruch bei ihr schon Übelkeit auslösen …

Wer sich im gerade noch gut gefüllten Großraum urplötzlich allein befindet, obwohl kein Meeting ansteht, obwohl er sich am Morgen geduscht und seine Kollegen auch nicht durch eine cholerische Attacke vergrault hat, der könnte mit einem Minimum an Sensibilität den Grund vielleicht in seinem prachtvoll vor sich ausgebreiteten Gyros komplett („Mit Zaziki und Zwiebeln?“ „Ja, gerne!“) entdecken …

Wer soeben der höflichen Nachfrage seines naserümpfenden Kollegen zugestimmt hat, das Fenster zu kippen und sich wundert, dass es plötzlich empfindlich kühl wird, weil alle drei Fenster des gemeinsamen Büros offen stehen, der sollte in Zukunft entweder den Gemeinschaftsraum aufsuchen oder in Zukunft auf den „Giant XXL Burger“ verzichten.

  • Als Faustregel gilt: Je weniger Menschen aus Ihrem eignen Büro sich an der gemeinsamen Bestellaktion beteiligt haben oder ihr eigenes Essen von zu Hause mitbringen, desto schärfer sollten Sie Ihre „Geruch-Rücksichts-Antennen“ justieren!
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