Regeln – Welche brauchen wir, und welche wollen wir nicht?

Jedes gesellschaftliche System hilft, ein wenig Ordnung in unsere unübersichtliche Welt zu bringen. Es schafft Regeln, die das Zusammenleben erleichtern, weil jeder weiß, was er zu tun und zu lassen hat, um was er sich zu kümmern hat und um was nicht. Menschen wissen, „ob sie gerade Straßenbahn fahren, Skat spielen, sich an einer politischen Wahl beteiligen, bei der Arbeit im Büro sind oder mit ihrer Familie zu Abend essen. Und jeweils halten sie sich an bestimmte Systemregeln und wissen, was sie hier so nicht tun können“. (Niklas Luhmann) Die Regeln in gesellschaftlichen Systemen sind also alles andere als theoretisch, sie sind höchst praktische Orientierungshilfen.

Was man tun und was man lassen kann

Wer die Regeln kennt, der weiß sich zu helfen, wer sie nicht kennt, der sollte sich helfen lassen.

  • Wer beim Skat den Mitspielern in die Karten schaut und nicht weiß, was reizen bedeutet, der muss keine schlechten Karten auf der Hand haben, hat aber trotzdem welche.
  • Wer es nicht versteht, seine Kunden von den Vorzügen des eigenen Produktes zu überzeugen und Umsatz zu machen, der wird es schwer haben im Vertrieb.
  • Wer ein grundsätzliches Problem mit Hierarchien hat, wird es in den meisten Unternehmen oder bei der Bundeswehr wohl zu nichts bringen.
  • Wer im Stadion nicht weiß, wo die eigenen Fans sitzen und mitten unter den gegnerischen Anhängern allzu laut dem eigenen Team zujubelt, der gefährdet unter Umständen seine Gesundheit.
  • Wer in der Kirche einen lauten Applaus für die tolle Predigt des Pfarrers für angemessen hält, der darf sich über erstaunte Blicke nicht wundern.
  • Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, der weiß, dass man nicht jeden Mitreisenden mit Handschlag begrüßt, aber sehr wohl den bereits Sitzenden fragen kann, ob der Platz neben ihm noch frei ist, selbst wenn das offensichtlich ist.
  • Wer in der Politik etwas werden will, für den ist das Kleben von Plakaten und das Händeschütteln im Ortsverband selbstverständlich.

Systemen kommt eine Entlastungsfunktion zu, weil der Einzelne nicht gezwungen ist, sich immer wieder aufs Neue damit zu beschäftigen, was er zu tun und zu lassen hat. Er hält sich einfach an die gegebenen Regeln. Das gibt uns allerdings nicht immer die Gewissheit, dass wir uns auch verantwortlich verhalten.


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