Man kann der Globalisierung gegenüberstehen, wie man will: Man kann sie als historische Chance oder als existenzielle Bedrohung empfinden. Man kann sich auf die Seite smarter Unternehmer und Manager stellen, die überall die Chance wittern, gewinnbringende Möglichkeiten zu ergreifen, oder an der Seite engagierter Attac-Aktivisten auf die vielfältigen Bedrohungspotenziale hinweisen, die aus einem weltumspannenden Kapitalismus erwachsen. Welches Denkmodell wir auch wählen, unsere interkulturellen Fähigkeiten werden wir erst dann unter Beweis stellen, wenn wir in einer konkreten Situation einem leibhaftigen Menschen aus einem anderen Kulturkreis gegenüberstehen und diese Begegnung zur Zufriedenheit beider Seiten gestalten müssen.

Die Wahrscheinlichkeit, mit dem nötigen Respekt auf andere Menschen zuzugehen und gleichzeitig von diesen mit gebührendem Respekt behandelt zu werden, hängt von unserer Bereitschaft ab, uns sowohl mit der eigenen Kultur und ihren Wirkungen auf unserer Verhalten auseinanderzusetzen, als uns auch den spezifischen Eigenarten der fremden Kultur zu öffnen. Wer im „globalen Dorf“ lebt, darf nicht den Fehler begehen, eine standardisierbaren Welt vorauszusetzen und traditionell gewachsene Strukturen auszublenden. Bereits in der nächsten Hütte im globalen Dorf ticken die Uhren ganz anders!

  • Wer sich gezielt vorbereiten will, muss zuhören, genau hinsehen, verhandlungsbereit, geduldig und gelassen sein.
  • Wer sich überall auf der Welt zu Hause fühlen möchte, der sollte wissen, wann er sich anpassen muss, welchen Grad an Anpassung er von seinem Gegenüber erwarten darf und wo er die Grenzen zwischen Anpassung und unzulässiger Selbstaufgabe zu ziehen gedenkt!

In letzter Zeit hat Samuel Huntingtons Befürchtung des „Clash of Civilisations“ immer neue Nahrung erhalten. Die Diskussionen um die Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen hat gezeigt, wie schwer es mitunter ist, sich seiner eigenen kulturellen Wurzeln und den damit verbundenen Wertvorstellungen bewusst zu werden. So wurde auch aus gebildeten Kreisen darauf hingewiesen, man möge sich doch um „Gottes Willen“ in der islamischen Welt für die Beleidigungen entschuldigen.

Dass eine solche staatliche Entschuldigung jedoch nicht mit dem demokratischen Verständnis unserer europäischen Kultur vereinbar sei, darauf wies der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen eindringlich hin, als er deutlich machte, dass sich ein Staat, in dem das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit gelte, nicht für das Handeln seiner Bürger entschuldigen könne und wolle! So sehr er selbst auch die Karikaturen und die in darin transportierten Inhalte verurteilen möge, so sehr sehe er sich in seiner Funktion als demokratischer Vertreter in der Pflicht, allen Rufen nach staatlicher Zensur und/oder Entschuldigung vehement entgegenzutreten. Rasmussen formuliert bei diesen Aussagen zwischen den Zeilen zwei Empfehlungen, die uns auch abseits staatstragender Herausforderungen helfen können, die Welt und die Menschen aller Herren Länder mit offenem und gelassenem Blick zu betrachten:

  • Machen wir uns zum einen unsere eigenen kulturellen Vorstellungen bewusst! Vergessen wir nicht, dass wir die Welt durch unsere kulturelle Brille betrachten, und verschließen wir nicht die Augen davor, dass andere Menschen dies genau so tun.
  • Zum anderen sollten wir unseren Anpassungswillen überprüfen! Auf welche kulturellen Werte und Errungenschaften sind wir bereit zu verzichten, für welche bereit zu streiten?
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