Mit Begrüßung, Anrede und Vorstellung beginnt das Ich-Mensch-Du-Spiel. Und dann wären da ja auch noch die Titel. Gerne geb ich Auskunft, was in den ersten Sekunden des Zusammentreffens beim begrüßen, anreden und vorstellen zu beachten gilt.

1. Einander wahrnehmen

Begrüßt einander. Nur wer gar nicht grüßt, hat gar nichts verstanden. Ob Hello, As-Salaamu-Alaikum, Konnichiwa, Moin, Servus, Hallöchen, Namaste, Nǐ hǎo, Dag, ob Verbeugung, Handschlag, Hongi, Küsschen auf Wangen oder Hand, Umarmung oder Anfassen des Unterarms. Wo Menschen einander begrüssen, kann der Umgang mit Menschen beginnen.

2. Wenn einer nicht grüßt, konsequent weiter grüßen

Immer wieder sagen Menschen zu mir: „Es wird immer schlimmer, die Menschen begrüßen nicht mehr, manche erwidern nicht mal mehr eine Begrüßung.“ Nicht ärgern, sondern konsequent weiter grüßen. Schon so mancher Ungehobelte war lediglich unaufmerksam oder in Gedanken. Und immer in Vorleistung gehen. Schon so mancher, der sich über andere Nicht-Grüßer aufregte, hat selbst nicht gegrüßt.

3. Für gute Stimmung sorgen

So lange Knigge drin vorkommt fühle ich mich angesprochen.»So lange Knigge darin vorkommt, fühle ich mich angesprochen.« Bei der bin ich geblieben. Weil sie mein Gegenüber zum Schmunzeln bringt. Ich mach mich locker, das entspannt andere. Meine Erfahrung lehrte mich, den traditionellen »Baron« ebenso stecken zu lassen, wie den demokratischen »Herrn Freiherr«. Herrlich, Entspannung. Beim Empfang ist geht es mir darum, möglichst fix entspannt ins Plaudern zu kommen. Dem ordne ich Tradition, Moden, vor allem aber meine Eitelkeiten unter. Das gilt auch für den Handschlag.

4. Sich entscheiden

Früher war das anders. Früher war nicht alles besser. Aber manches einfacher. Zumindest bei der Begrüßung. Bevor die Dame sich erhob, um Frau zu werden, durfte sie bei der Begrüßung sitzen bleiben. Bevor die Business-Etikette dem traditionellen Protokoll in die Parade fuhr, wurde die Dame vor dem Generaldirektor begrüßt. Auch wenn sie seine Sekretärin war. Heute haben sich Teamassistentinnen bei der Begrüßung hinten anzustellen. Die Begrüßung ist die erste Möglichkeit, einander wahrzunehmen. Wer grüßt stellt Weichen. Gegen chronische Verkrampfung und akute Verunsicherung wirken die selben Hausmittelchen wie eh und je: Lächeln, Blickkontakt und die Bereitschaft sich und andere vorzustellen. Brücken bauen statt Mauern. So einfach. Je schneller jeder jeden kennt, desto eher wird es locker.

5. Sich nicht nicht profilieren

»Weißt Du was mir immer total unangenehm ist, Moritz?« fragte mich eine Freundin kürzlich. »Dieses ‚Ladies first!?’ von der Seite, wenn ein Herr versehentlich einen Herrn vor mir grüßt. Und weißt Du warum? Weil mich jemand als Vorwand benutzt, um jemand anderen bloßzustellen.« Das beantwortet möglicherweise ihre wunderbare Frage, lieber Herr Mörwald: Nehmen Sie freudig die Hand des Herrn an. Auch die Damen im Raum werden es Ihnen danken.

6. Locker bleiben

Beharren wir nicht auf unseren Begrüßungsregeln. Ein Bayer auf Rügen sollte sich so wenig über das fehlende „Grüß Gott“ in der Ostsee aufregen wie ein Rügener in den Alpen sein „Moin, Moin“ vermissen. Anpassung an das Gegebene ist nicht verwerflich sondern höflich. Auch bin bin ein Freund von traditionellen Umgangsformen und würde nie einen wildfremden Menschen Duzen. Selbst im Streit versuche ich beim SIE zu bleiben. Wenn mich einer ungefragt duzt bleibe ich aber locker. Da bricht mir kein Zacken aus der Krone. Und flotte Sprüche auf ein ungefragtes DU wie „Entschuldigung, kennen wir uns?“ verkneife ich mit tunlichst. 

7. DUZEN nicht befehlen

In immer mehr Unternehmen wir das DU mittlerweile von OBEN befohlen. Ich halte nicht viel davon. Weil hier Nähe vorgetäuscht wird, die nicht da und daher kontraproduktiv. Wenn ich als Unternehmen das DUZEN einführen möchte, würde ich immer diejenigen fragen, die auf der Hierarchiestufe ganz unten stehen. Wenn die Azubis kein Problem damit haben haben, den Geschäftsführer Hans-Peter zu nennen, dann passt es. Ansonsten verweise ich auf die großartige Geschichte von Asfa-Wossen Asserate aus „Manieren“:

Das „Sie“ kann gefordert werden, das „Du“ muss erbeten oder ertragen werden, aber niemand kann einen anderen dazu zwingen, ihn zu duzen. Auf die Absurdität das „Du“ zu befehlen, setzte der berühmte Bankier und Bonmot-Fabrikant Fürstenberg, dem sein Chauffeur nach der Revolution von 1918 erklärte, er wolle von nun an nicht mehr als Otto, sondern als Lehmann angesprochen werden. „Gut, Herr Lehmann“, antwortete Fürstenberg, „dann besteh ich darauf, dass Sie in Zukunft zu mir Carl und „Du“ sagen, den ein Unterschied muss sein.“

8. In der Welt zu Hause sein

Mit der Begrüßung versichern sich Menschen auf der ganzen Welt, dass sie einander wahrnehmen und in friedlicher Absicht gekommen sind. Wer nicht grüßt, der zeigt sich nicht und bleibt mit seinen Absichten im Dunklen. Wer grüßt, der zeigt sich und gibt seinen Mitmenschen zu verstehen: Wir können einander verstehen. Maori und Inuit stecken die Köpfe zusammen, um dem Lebensatem des anderen zu spüren, der Adel und der Gentleman von Welt küsst der Dame in dem er einen Kuss auf den Handrücken andeutet, in Frankreich begrüssen die Menschen mit drei mehr oder weniger angedeuteten Küsschen auf die Wange. Im südlichen Asien legen die Menschen die Handflächen senkrecht nebeneinander, in Japan verbeugt man sich ohne einander in Augen zu blicken, nicht nur in Deutschland schaut man einander in die Augen und reicht sich die Hand. Früher wurde der Hut gezogen, heute wird sich nicht nur in Südeuropa und Südamerika umarmt. In Afrika wird in manchen Regionen zur Begrüßung Beifall geklatscht Beim Militär wird wie stets salutiert, was an eine weitere Funktion des Begrüßen erinnert: Das Bezeugen von Respekt vor dem Ranghöheren. Ob „Grüß Gott“, „Ghettofaust“, „Moin“, Hallo, ‚Hi“, ob lässig oder formvollendet, immer das Grüßen ein wichtiger Anfang für das Miteinander. 

9. Vom Umgang mit Titeln

Titelträger beim Titel nennen – Ich weiss Adel gibt es in Deutschland nicht mehr, aber die adligen Titel wurden dem Namen zugehörig erklärt. Doktortitel gibt es viele und weniger Professoren und nur einen Papst, aber alle haben das Recht mit ihrem Titel angesprochen werden. Sich nicht mit Titel vorstellen –Ich finde es etwas merkwürdig, wenn Menschen sich mit ihrem Titel vorstellen. Das schafft von von Beginn an eine Distanz, die die Begegnung schwierig macht. Wie soll ich denn jemanden mit Titel ansprechen, wenn der sich mit selbigen vorstellt? Fragte mich einmal Auszubildende. Völlig zu recht. „Nun es gehört Wesen der Höflichkeit, dass sich nicht alle Ziele auf geradem Wege erreichen lassen.“ Antwortete ich. Und ergänzte: „Der höfliche Mensch ist vorbereitet und lässt alles wie selbstverständlich erscheinen.“ 

10. Knigges kleine Titelsammlung

Anreden und Titel sind Stolpersteine, weil die Begrüßung die erste Möglichkeit ist, eine gute Figur anzugeben. Auch ich werde oft gefragt, wie man mich eigentlich richtig anspricht. Ich antworte dann ebenso kurz wie freundlich: So lange Knigge darin vorkommt, fühle ich mich angesprochen. Das bricht das Eis und verkompliziert nicht von Beginn die persönliche Begegnung. Wenn es jemand genauer wissen möchte, dann habe ich aber auch die ausführlichere Erzählung zu Hand. Und die ist in der Regel ein tolles Small-Talk-Thema. Denn wir Knigges hatten zwar einen Freiherrentitel aber nie ein „von“. Das ist ungewöhnlich, weil es in Deutschland nur eine einstellige Zahl an adligen Familien gibt, die einen Freiherren-Titel haben, aber kein „von“. Es gibt auch die rührende Geschichte, dass Adolph Freiherr Knigge als glühender Verfechter der französischen Revolution sein „von“ abgelegt hätte und sich der freie Herr Knigge genant hätte. Das stimmt aber nicht. Und adlig sind wir seit 1918 ja auch nicht mehr. Ist doch der Titel dem Namen zugehörig erklärt werden. So werde ich nicht mehr aristokratisch als Baron angeredet sondern als Herr Freiherr Knigge. Ich trage also de facto einen Doppelnamen. Ganz demokratisch. Wer sich trotzdem für die adlige Nomenklatura interessiert oder auf eine Papstaudienz hofft, dem sei die folgende Titelsammlung empfohlen: Titel und Anreden – Knigges keine Sammlung. 

11. Sich und andere richtig vorstellen

In der richtige Reihenfolge vorstellen. Begrüßungszeremonien waren von jeher eine hierarchische Angelegenheit. Ehre wem Ehre gebührt. Aber wem gebührt eigentlich die Ehre, wenn ich an einen Tisch trete und die Menschen in der richtigen Reihenfolge begrüßen möchte? Nun drei Kategorien sind zu beachten: Rang, Alter, Dame. Da letztere der Emanzipation zum Opfer viel, bleiben im 21. Jahrhundert zwei übrig: Alter und RangSich vorstellen: Ich mag es, wenn ich weiß mit wem ich es zu tun habe. Ich liebe es, wenn Menschen mich freundlich begrüßen und ich von der ersten Sekunde an das Gefühl habe: Schön hier zu sein. Nice to meet you! In aller Wahrheit dieses Satzes. Wenn dann noch mein Gegenüber sich kurz vorstellt, sich als Person „in den Ring schmeisst“ und die Gesprächsmöglichkeiten einfach vor mir liegen, dann genieße ich das. Und schaue mir ein wenig ab, wie man das macht. Sich vorstellen, um einander zu begegnen. Auf einer Party habe ich mal jemanden kennengelernt, der hat zu mir gesagt: „Hi, schön Dich kennen zu lernen. Ich heisse Mark und höre gerne zu, bevor ich andere unterbreche. Was treibt Dich gerade um?“ Das fand ich lustig, Ich habe dann tatsächlich sehr viel erzählt bis er mich lächelnd unterbrochen hat und sagte: „So. Jetzt kenn ich Dich und Die Dich ja sowieso. Du sollst morgen ja auch was Neues zu erzählen haben…“ Menschen einander vorstellen – Zur Begrüßung gehört die Vorstellung. Nicht nur der eigenen Person sondern auch seiner Mitmenschen. Menschen, die richtig begrüßen, stellen auch richtig vor. Sie schaffen eine Atmosphäre, in der sich niemand als fünftes Rad am Wagen fühlen muss und jeder schnell weiss, mit wem er es zu tun hat. Um Anknüpfungspunkte zu finden, Konversation zu beginnen, einander kennenzulernen, Vertrauen zu gewinnen, um eine gute Zeit zu haben oder gute Geschäfte zu machen. 

12. Schlage nie eine ausgestreckte Hand aus

Wer richtig begrüßt, stellt niemanden bloß, der einen kleinen Etikette-Fehler begangen hat. „Heisst es nicht eigentlich ‚Ladies first‘? Ja, Klugscheisser heisst es. Aber das heisst noch lange nicht, dass Du Dir entgegengestreckte Hände ausschlagen solltest, um auf Kosten der ‚Banausen“ zu schimmern und auch noch den Damen schlechte Laune zu machen, weil Du sie in Dein Rampenlicht stellst, Du eitler Pfau. (So. Das musste mal raus.)

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