Richtig beschweren im Restaurant, wie geht das eigentlich? Darf man sagen, wenn einem etwas nicht geschmeckt hat? Denn nicht immer entspricht die Leistung ja unseren Erwartungen. Aber auf die Frage: „War bei Ihnen alles recht“  antworten viele dann doch: „Ja, alles prima“, ärgern sich später und kommen nicht wieder. Überall hören und lesen wir, dass Feedback geben wichtig ist, dass man nichts dazulernt, wenn keiner was sagt. Doch die Realität sieht anders aus. Eine Beschwerde ist eben immer unangenehm und macht schlechte Laune. Dann doch lieber: Augen zu und durch. Moritz Freiherr Knigge ist der Frage nachgegangen wie man sich richtig beschwert.

Richtig beschweren ist eine Frage des Timings

»Hat es Ihnen geschmeckt?« »Ich habe schon besser gegessen« »Aber nicht bei uns!« In Witzbüchern und auf Speisekarten liebe ich die Klassiker. Klar darf man sagen, dass es einem nicht schmeckt. In einer Sprache, die Respekt vor dem Essen zeigt. Mit Gründen, die über den eigenen Geschmack hinausgehen. Bevor der Teller leer ist.

Höfliche Menschen haben ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt. Sie handeln seltener zu früh oder zu spät, einfach weil besser auf den passenden Moment achten. Wem es etwas nicht schmeckt bevor er probiert hat, hat keinen Geschmack. Wer seinen Teller aufgegessen hat, bevor er sich beschwert, hat schlechte Argumente. Wem es nicht schmeckt, wartet nicht bis ihn der Service fragt, sondern sucht das Gespräch: „Entschuldigen Sie, ich habe eine Bitte…“

Don’t shoot the messenger

Höfliche Menschen erinnern sich, dass Kellner nicht kochen. Kellner sind Boten, die Nachrichten vom Tisch in die Küche und zurück tragen. Dabei bringen sie hin und wieder etwas zu essen mit. »Don’t shot the messenger« sagt der Engländer. »Sei diplomatisch zum Botschafter«, sagt der Knigge. Höfliche Menschen sind bessere Diplomaten. Sie nennen Schlechtes nicht schlecht, weil sie Niemandem Schlechtes wollen. Sondern das Gute für sich, Kellner und Köche. Das Beste aber wollen sie auf ihren Tellern.

Der Koch ist König

Höfliche Menschen, wissen, dass es Regeln gibt. Im Miteinander und in der Küche. Sie wissen, dass Kurzgebratenes keine Längen mag, sie salzen nach wenn es an Salz fehlt, aber lassen den Koch wissen, wenn er verliebt ist. Sie können Fischers Fritzens frischen Fisch gut riechen, weil er nicht riecht. Sie können medium rare von medium unterscheiden. Am meisten lieben sie es aber über den Kellner der Küche WELL DONE ausrichten zu lassen. Ganz direkt und undiplomatisch.

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