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Manieren | Über den Umgang mit Rüpeln knigge-peinlich

Über den Umgang mit Rüpeln

Wie peinlich!

Wissen Sie woran Sie Menschen mit Manieren erkennen? Sie haben Schamgefühl. Sie können sich und andere als peinlich empfinden. Sie empfinden Scham und des Fremdschämens mächtig. Das Adjektiv peinlich leitet sich aus dem Substantiv Pein ab. Es bedeutet Strafe und den damit verbundenen Schmerz. Strafe und Schmerz, beides erleiden wir, wenn wir uns entweder durch unserer eigenes Verhalten in peinliche Situation manövrieren oder uns das Benehmen unserer Mitmenschen vor Scham oder Zorn erröten lässt. Doch was ist uns eigentlich peinlich? Und wann schämen wir uns für das Verhalten anderer?

Vorsicht, Fettnapf!

Das Sammelsurium an Etiketteregeln, geschriebenen und ungeschriebenen Konventionen wächst von Tag zu Tag. Da ruft die Zeitschrift „Focus“ die „Renaissance der Fliege“, da werden Zahnstocher zu „Dinner-Killern“, Unsicherheiten in der Anrede zum „Adels-Desaster“. Überall ist die Rede von natürlichem Respekt und Ungezwungenheit, doch die Realität ist gezwungen. Dies ist korrekt, jenes tabu, dieses absolut zu vermeiden und jenes fatal! Da wird das gute Benehmen zum Hochleistungssport: die Profis ins Töpfchen, die Amateure ins Kröpfchen! Peinlich, Peinlich! Fürwahr.

Dabei gibt es echte Peinlichkeiten, die einen vor Scham erröten lassen.

6 peinliche Sätze

1. Denen nichts peinlich ist

Sie scheren sich nicht um die Empfindungen ihrer Mitmenschen und scheinen selbst über keinerlei Schamgefühl zu verfügen. Sie ähneln dem berühmten Elefanten im Porzellanladen. Das Ausmaß der Verwüstung, für das sie selbst verantwortlich sind, ist ihnen nicht bewusst. Wäre es ihnen bewusst, dann wäre es ihnen egal. Diese Freibeuter auf den Weltmeeren der Höflichkeit interessieren sich nur für sich und ihre nächsten Beutezüge! Sie sind wie kleine Kinder, die das Chaos um sich herum erst dann wahrnehmen, wenn ihr Spielzeug in Gefahr ist.

2. Denen nichts heilig ist

Für sie ist jede Einschränkung ihrer persönlichen Maßstäbe ein Eingriff in ihre persönliche Freiheit: Warum soll ich mir nicht im Muscle-Shirt den Petersdom angucken dürfen und warum keine Fotos machen? Schwachsinn! Waren Sie schon einmal auf Mallorca? Da ist es im Sommer so heiß, da ziehe ich mir doch kein T-Shirt über, wenn ich essen gehe! Wem das nicht passt, der kann ja woanders hingehen. Also ehrlich, man kann sich auch anstellen. Und hören Sie mir bloß mit dem Vatikan auf, da stehen meine Frau und ich eine geschlagene halbe Stunde an, damit uns dann eröffnet wird, dass meine Frau ihre Schultern bedecken soll! Ja, wo leben wir denn? So schnell sehen die uns hier jedenfalls nicht wieder! Unfassbar!

3. Die nix mkitkriegen

Nicht, dass sie die sozialen Zusammenhänge, in denen sie sich bewegen, nicht erkennen würden. Im Gegenteil! Sie wenden sich jedoch ausschließlich den Menschen, Situationen und Geschichten zu, die ihnen wichtig erscheinen. Warum die nette junge Dame begrüßen, die auf dem Stehempfang die Häppchen reicht, wenn man weiter hinten bereits Dr. Schleicher erblickt hat? Warum sich beim Mitarbeiter Schmitz erkundigen, ob es seiner Tochter wieder besser gehe, wenn der seine Arbeit ohnehin mit preußischer Gewissenhaftigkeit erledigt? Warum nicht versuchen, den besten Freund mit eigenen Erfolgsgeschichten aufzumuntern, obwohl der gerade im Begriff ist, sich von seiner Frau zu trennen? Warum nicht umgehend den freien Stuhl in Beschlag nehmen, Frauen reden doch dauernd von Gleichberechtigung?

4. Die gerne die Hauptrolle spielen

Nichts geschieht bei ihnen beiläufig, stets wähnen sie sich in der Hauptrolle des eigens für sie geschriebenen Stückes. Im Spitzenrestaurant ist ihnen plötzlich nach einem Spargelgericht, auch wenn Dezember ist, und die Weinkarte wird nach dem angelernten Wissen aus dem „Parker“ mit einer ungebührenden Ernsthaftigkeit studiert. Ständig betonen solche Leute, mit welchen wichtigen Persönlichkeiten sie verkehren. Jedes spezielle Interesse ist ihnen vollkommen fremd, sie interessieren sich weder für Fußball, Musik, Theater oder Film, haben aber schon mit Franz Beckenbauer den Raum geteilt, den drei Tenören aus ihrer Loge in der Schalke-Arena gelauscht, den „Jedermann“ gesehen und mit Götz George gezecht!

5. Die Stolz sind, Rüpel zu sein

Menschen mit gutem Benehmen sind sich bewusst, dass das Wesen dieses guten Benehmens darin besteht, seine animalischen Triebe zu zügeln. Ungehobelten Menschen ist dieses Wesen fremd. Sie sehen keinen Sinn darin, irgendeine ihrer ach, so menschlichen Eigenschaften zu zügeln und halten jeden, der seinen Affekten Einhalt gebietet oder dies zumindest versucht, für einen Heuchler oder ein Weichei. Warum kein Bordell besuchen, es handelt sich schließlich um das älteste Gewerbe der Welt? Warum keine Kraftausdrücke verwenden, das Leben ist eines härtesten? Warum kein offenes Wort reden, sonst hören die Pappnasen den Knall doch sowieso nicht? Hinfort mit diesem ganzen Brimborium des guten Benehmens, zur Sache, meine Damen und Herren!

6. Die anderen die gleichen schäbigen Motive unterstellen, denen sie selbst folgen

Sie sind Populisten, weil sie selbst an einfache Lösungen glauben und froh sind über jeden, der das eigene Gepolter lautstark unterstützt. Sie sind unfähig, irgendjemanden anzuerkennen oder ihm Respekt zu zollen. Sie scheuen sich nicht, Witze auf Kosten anderer zu machen und sämtliche Versprechen der Verschwiegenheit zu brechen, so lange sich damit eine gute Geschichte erzählen lässt. Sie besitzen die Chuzpe, die Schuldfrage mit vorwurfsvollen Blick auf den Bloßgestellten mit dem Hinweis zu klären: „Also bitte! Ihr wisst doch, dass ich mein Plappermaul nicht halten kann!“

Ihnen wird bereits ganz unwohl ob dieses Feuerwerks an ungehobelten Verhaltensweisen? Mir auch. Deswegen breche ich an dieser Stelle ab. Aber hatte ich Ihnen nicht einige Strategien versprochen, die helfen, mit diesen „menschgewordenen Bremsklötzen“ des guten Benehmens umzugehen? Sie haben Recht! Auch auf die Gefahr hin, Sie zu enttäuschen:

Was kann ich gegen Rüpel tun?

Wie gehe ich mit solchen ungehobelten Zeitgenossen um, Herr Knigge? Das werde ich immer wieder gefragt? Tatsächlich gibt es glaube ich nur drei Strategien, die einen Umgang mit dem Ungehobelten ermöglichen:

1. Hauen Sie ab.

2. Nehmen Sie kein Blatt vor den Mund.

3. Gehen Sie beharrlich mit gutem Beispiel voran.

Sie wollen mehr Miteinander?