Schlechte Nachrichten überbringen ist doof. Drohte früher noch der Verlust des eigenen Kopfes, ist das heute nicht so. Das ist gut. Was aber droht, ist Gesichtsverlust. Was nicht gut, aber menschlich ist. Weil der Verursacher nicht greifbar ist, schnappen wir uns den Nächstbesten und nehmen ihn in Haftung: den Überbringer schlechter Nachrichten.

Schlechte und sehr schlechte Nachrichten

Nun gibt es schlechte und sehr schlechte Nachrichten. Jemanden dem Tod eines lieben Menschen sagen zu müssen, Ärzte, die ihren Patienten sagen müssen, dass die Krankheit unheilbar ist, dass ist schlimm. Eine Beziehung zu beenden, von der Freundin hören zu müssen, dass der eigene Freund mit einer anderen gesehen wurde oder den Kindern beichten, dass die Ehe kaputt ist und Mama und Papa getrennte Wegen ist oder Herrn Schmitz die Kündigung auf den Tisch legen zu müssen, all das ist auch nicht schön. Und tatsächlich sind es bereits weit aus weniger dramatische „schlechte Nachrichten“, die bei Menschen ein Vermeidungsverhalten auslösen: Die Verabredung, die man nicht einhalten kann, der Kollege, dem man schon seit Monaten sagen will, dass sein Schweißgeruch unangenehm ist oder die 5 in Latein, die wir am liebsten vor unseren Eltern verheimlichen würden.

Mutige Botschafter des Schlechten

Und doch braucht es Menschen, die ihr Herz in die Hand nehmen, die auch dem Unangenehmen nicht aus dem Weg gehen, sondern ihm souverän begegnen und sich verantwortlich machen. Menschen, die das Risiko des eigenen Gesichtsverlustes in Kauf nehmen, um anderen diesen zu ersparen. Doch was braucht es, um schlechte und pikante Botschaften so überbringen, dass die Dinge nicht noch schlechter werden als sie es ohnehin schon sind? Wir haben Ihnen 10 Tipps zum Überbringen schlechter Nachrichten zusammengestellt, die das Schlechte nicht gut, aber auch nicht schlimmer machen.

10 Tipps zum Überbringen schlechter Nachrichten

  1. Wann ist der beste Zeitpunkt für eine schlechte Nachricht? Gestern! Zu Schweigen oder etwas rauszuzögern lässt die schlechte Nachricht nicht verschwinden, sondern immer größer werden. Fassen Sie sich ein Herz und raus damit! Now.
  2. Der richtige Augenblick: Herrscht und äußere innere Stille? Dann ist es der richtige Augenblick, ich rede leise aber bestimmt und bestmöglich unter vier Augen statt vor großem Publikum.
  3. Nicht rumeiern: Ich drücke mich klar aus und machen nur so viele Worte wie nötig. Ich beklage mich nicht und andere nicht an, sondern beschreibe was ist. Fakten, Fakten, Fakten ist Devise für das Überbringen schlechter Nachricht. Bevor Sie beginnen zu reden, sprechen Sie das, was Sie sagen wollen leise im Kopf durch. Einen klaren Hauptsatz. That’s it.
  4. Keine Relativierungen: Eine schlechte Nachricht ist eine schlechte Nachricht, sonst hieße sie ja Nachricht oder gute Nachricht.
  5. Ego zurückstellen: Nicht immer sind die Überbringer schlechter Nachrichten deren Verursacher. So müssen Vorgesetzte manchmal Mitarbeiter kündigen, obwohl sie dies nicht wollen. Das interessiert den Empfänger meist wenig. Sprechen Sie so wenig wie möglich von sich.
  6. Verantwortung übernehmen: Wenn Sie sowohl Verursacher und Überbringer der schlechten Nachricht sind, laviere nicht rum, stell Dich Deiner Verantwortung. Ja, der Lateinlehrer ist doof, aber die 5 hast Du geschrieben.
  7. Üben Sie Affektkontrolle: Wer schlechte Nachrichten überbringt, der kann sich darauf gefasst machen, dass die Emotionen hochkochen, dass es Heulen und Zähneknirschen, Wutausbrüche oder Schockstarren gibt. Da muss man durch. Hiess es früher. Und auch heute noch.
  8. Bieten Sie Hilfe an: Ob Schulter zum Anlehnen oder linke Wange. Vermitteln Sie dem anderen das Gefühl, ihm zu helfen ohne dafür Lorbeeren ernten zu wollen. Freuen Sie sich über ein kurzes Dankeschön, aber lassen Sie nicht die Laune verderben falls es ausbleibt.
  9.  Zuhören: Immer wichtig, aber hier besonders. Weil der Sender den Empfänger zum Sender macht.
  10.  Nur die schlechte Nachricht: Erst die schlechte oder erst die gute Nachricht? Was in Witzen lustig oder unlustig ist, ist im echten leben meist unlustig. Denn das Negative überwiegt immer und bleibt haften. Also gutes und schlechtes niemals mischen.
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