Ode an die Freude.

So ein schönes Geschenk! »Von La Bruyère – dem Knigge der Franzosen – stammt der Satz: »Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, dem man soeben etwas geschenkt hat.«

Diese Begegnung gelingt uns leider nicht immer. Sie gelingt aber immer, wenn Schenkende das Passende gefunden haben. Klingt banal. Ist aber eine hohe Kunst. Das Geschenk gelingt genauso, wenn Beschenkte die gute Absicht der Schenkenden höher bewerten als das traurige Etwas, das sie gerade in den Händen halten. Klingt nicht banal und ist eine umso höhere Kunst. Ein schönes Geschenk wäre demnach das, was Schenkende und Beschenkte dazu machen. Im Moment des Schenkens. Dann, wenn sich ihre Augenpaare begegnen und sagen: »Schön!«

Ohne das aussprechen zu müssen. Wenn beide Seiten eine Begegnung als Geschenk empfinden, dann bedarf es ein wenig liebevoller Mühe bereits im Vorfeld und manchmal auch im Nachgang. Strahlende Gesichter und Freudentränen gibt es nicht zum Nulltarif. Das ist selbst bei Geschenken so. Schmale Lippen, gequältes Lächeln, Tobsuchtsanfälle und verbrannte Erde hingegen sind im Dutzend billiger.

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