Wer sich mit Tischsitten beschäftigt, der kommt um die Serviette nicht herum. Im Umgang mit ihr zeigt sich der Umgang mit Menschen. So jedenfalls mein Eindruck nach der Lektüre einiger älterer und neuerer Etiketteratgebern.

1. Auf den Schoss gehört die Serviette

Auch ich bin ein erklärter Freund der Serviette und lege diese selbst im Fast-Food-Restaurant dahin wo sie hingehört: auf den Schoß. Ob aus Papier oder feinstem Tuch. Doch damit hat sie ihre Schuldigkeit noch nicht getan. Sie ist ständige Begleiterin und Multitalent. Sie liegt nicht gerne auf dem Tisch und auf dem Teller schon gar nicht. Insbesondere, wenn sie aus Stoff ist. Regeln, wie man mit seiner Serviette umzugehen habe, gibt es genug. Dabei ist alles ganz einfach: Wenn Sie Platz genommen haben, entfalten Sie Ihre Serviette und legen sich diese auf den Schoß.

2. Wohin mit der Serviette, wenn ich den Tisch verlasse?

Wenn Sie den Tisch verlassen, eröffnet Ihnen die Etiketteliteratur ein weites Feld an Möglichkeiten: Entweder, Sie legen sie rechts neben den Teller, links neben den Teller, auf Ihre Sitzfläche, hängen sie über die Stuhllehne oder nehmen sie mit. Suchen Sie sich einfach Ihre Lieblingslösung aus. Ich selbst, lasse sie neben meinem Teller liegen. Ich glaube links des Tellers. 

3. Ich schmeiss runter, der Service hebt auf?

„Sollte Ihnen Ihre Serviette herunterfallen, verlangen Sie nach der Bedienung und bitten diese, Ihre Serviette aufzuheben und Ihnen neues Tuch zu reichen.“ Auch wenn mir diese Regel auf Nachfrage beim Servicepersonal bereits bestätigt wurde, mag ich sie nicht. Es sträubt sich etwas in mir, jemand anderen für meine Tollpatschigkeit in die Knie zu zwingen. Ich hebe meine Serviette selber auf, die Freiheit nehme ich mir. Sollte meiner Tischnachbarin selbiges Missgeschick widerfahren, wäre ich mir ebenfalls nicht zu schade. Ob Sie danach eine saubere Serviette ordern oder auf die Gewissenhaftigkeit der Reinigungskräfte vertrauen, darüber sollten Sie selbst befinden. Die Freiheit haben Sie.

knigge serviette

 

 

 

 

 

Serviette: schön und nützlich.

Wer Menschen gewinnen will, der räume die Serviette vor dem Essen schnell vom Teller. Ja, sie dürfen das Servicepersonal, wenn sie ihnen vom Schoße auf den Boden fällt und sich diese aufheben und eine neue bringen lassen. Sie können sich aber auch selbst bücken. Wozu ich umso mehr raten würde, desto weniger Sterne ihr Hotel oder Restaurant hat. Wer in der Stammkneipe jemanden bittet, seine Serviette aufzuheben, der dürfte sich eine neue suchen müssen. Dann doch lieber die Serviette um den Hals binden. So wie die beiden Kinderreporterinnen Chiara und Hannah, die mich für „Mein Spiegel“ interviewt haben.

4. Was es sonst noch zur Serviette zu sagen gibt

  1. Auch ist es nicht artig, daß du mit der Serviette deinen Teller abwischest, man könnte leicht vermuthen, dein Teller sey nicht reinlich. Dieses könnte der Wirthin des Gastmahls ein heimlicher Vorwurf zu seyn scheinen.
[Claudius: Kurze Anweisung zur wahren feinen Lebensart]
  2. Der untere Teil der Sektflasche wird von einer Serviette umhüllt und der Sekt von rechts eingegossen. Man achte besonders darauf, daß Sektgläser nicht zu voll gefüllt werden.
 [Eichler: So oder so? Fingerzeige für gesellschaftlichen Erfolg.]
  3. Die Serviette gehört, ebenso wie in der Privatgesellschaft, auf den Schoß, aber nicht in das Luftloch zwischen Hals und Kragen. 
[Baudissin: Spemanns goldenes Buch der Sitte.]
  4. Die Servietten werden in Ringe gesteckt oder von Serviettentäschchen umhüllt, um jeder Verwechselung vorzubeugen. Letzteres ist empfehlenswerter, weil dadurch zugleich das Berühren der Serviette durch fremde Hände [beim Tischdecken und Abräumen] ausgeschlossen ist.
[Gleichen-Russwurm: Der gute Ton.]
  5. Verweilt man nach dem Speisen noch einige Zeit, so läßt man die Serviette auf dem Schoß und legt sie erst beim Aufstehen an die Tischkante. Niemals spielt man mit ihr oder legt sie wieder sorgfältig zusammen.
 [Gratiolet: Schliff und vornehme Lebensart. ]
  6. In Frankreich, dem Land der Feinschmecker, ist es ja durchaus üblich, sich die Serviette um den Hals zu binden,
[Holm: Die neue Etikette für junge Leute. ]
  7. Ehe man trinkt, wische man sich mit der Serviette, nicht mit der Hand, den Mund rein ab; es ist höchst widerwärtig, die Spuren der fettigen Lippen am Rande des Glases zu gewahren.
[Kistner: Schicklichkeitsregeln für das bürgerliche Leben.]
  8. Daß Du mit der Serviette nicht Teller und Besteck abwischen darfst, versteht sich von selbst.
[Roeder: Anstandslehre für den jungen Landwirt.]
  9. Beim stilvollen Krebsverzehr liegt ein rotgemustertes Tuch auf dem Tisch, die Krebsesser tragen eine rotgemusterte Serviette um den Hals. Bei diesem Ritual ist die sonst verpönte Art des Servietten-Umhangs nicht nur erlaubt, sondern geradezu verpflichtende Tischsitte.
[Schäfer-Elmayer: Der Elmayer. Gutes Benehmen gefragt.]
  10. Nach dem Essen wird die Papierserviette leicht zusammengeknüllt auf den Eßteller getan, die Stoffserviette locker zusammengefaltet neben den Teller gelegt.
 [Smolka: Gutes Benehmen von A-Z.]

 

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