Überall, wo wir hinschauen, in Bussen, Bahnen, Zügen, Kaufhäusern, Restaurants, Kneipen, im Theater oder Kino und sogar auf Hochzeiten und Beerdigungen kommunizieren sich die Menschen die Seele aus dem Leib. Was es dabei zu beachten gilt, um sich und anderen das Leben zu erleichtern, darüber habe ich mir Gedanken gedacht. 

1. Menschen sind wichtiger als technische Geräte

Einmal wurde ich in einer Fernsehsendung gebeten, eine im Studio nachgespielte Szene im Hinblick auf das beobachtbare Verhalten zu kommentieren. Ein junges Pärchen saß an einem Tisch im Restaurant. Er hatte sein Handy direkt neben sich liegen und nahm, als es klingelte, ohne zu zögern, ohne Rückfrage, Erklärung oder Entschuldigung ab und telefonierte. Sich beim Bezahlen, dem Einsteigen in ein Taxi oder gar beim Bestellen im Restaurant gegenüber dem leibhaftig Anwesenden mit Zeichensprache zu verständigen, weil noch ein dringender Anruf geführt werden muss, ist schlicht unhöflich.

2. Du kannst Dich erklären

Tun Sie sich keinen Zwang an! Legen Sie Ihr Handy im Restaurant ruhig neben sich auf den Tisch. Jedenfalls dann, wenn Sie einen wirklich wichtigen Anruf erwarten und Ihr Gegenüber davon in Kenntnis gesetzt und den Vibrationsalarm eingestellt haben, wenn Sie nach Annahme des Anrufs das Restaurant verlassen, um nicht in die Situation zu kommen, während des Telefonats die Bestellung aufgeben zu müssen. Und bitte: Schreien Sie draußen nicht die ganze Straße zusammen …

2. Du brauchst nicht schreien

Seit Erfindung und Benutzung des Telefons im Jahre 1875 hat sich in der technischen Entwicklung einiges getan: Niemand braucht daher zu Beginn des 21. Jahrhunderts in sein Mobiltelefon zu schreien! Es sei denn, sein Gesprächspartner ist schwerhörig. Wer es gewohnt war, für das Ferngespräch mit der Tante aus Amerika ein Vermögen auszugeben, der überlegte sich genau, was er zu sagen hatte. Überlegen wir uns doch – auch in Zeiten von Flatrates –, was es wirklich zu sagen gibt, und ob es für alle anderen Zuhörer im Supermarkt, in Bus oder Bahn von gleichem Interesse ist!

3. Du sollst nicht multitasken

„Multitasking“ mag zu den postmodernen Errungenschaften des mobilen und überall erreichbaren Individuums gehören, doch noch immer gilt die alte Weisheit: eins nach dem anderen!

4. Du sollst den Vibrationsalarm ehren

Ich weiß, für Anhänger des „verrückten, schrillen und individuellen Klingeltons“ natürlich eine absolut inakzeptable Lösung. Für alle, die hingegen ihre eigenen Nerven und die ihrer Mitmenschen schonen möchten, eine höfliche Alternative zum ohnehin schon lärmenden Alltag.

5. Sei nicht erreichbar

Handys haben uns ängstlich werden lassen: Jeder Anruf könnte der wichtigste unseres Lebens sein! Wenn es schon keine autofreien Sonntage mehr gibt, ermöglichen Sie sich doch einfach Ihren persönlichen handyfreien Tag. Schalten Sie das Ding ab! Und wenn Sie dazu nicht den Mut haben, weil der nächste Anruf Ihnen den Diebstahl Ihres Autos oder gar den lang ersehnten Lottogewinn verkünden wird, dann schauen Sie wenigstens nicht alle fünf Minuten auf Ihr Display! Es gibt aber auch Anlässe im gesellschaftlichen Leben, bei denen das Handy unbedingt ein Schattendasein führen sollte und jeder, der sich darüber hinwegsetzt, um im Schatten der jeweiligen Veranstaltung hell zu strahlen, kann sich kollektiven Kopfschüttelns, böser Blicke und eindeutiger Unmutsbezeugungen zu Recht sicher sein. Wessen mobiles Telefon sich jemals im Theater oder während einer Trauung Gehör verschafft hat, der kann sich vermutlich noch an die Hitzewallungen erinnern, die in seinem Körper aufstiegen, während er nervös in seinen Taschen nach dem Handy suchte, um die Aus-Taste zu betätigen. Es sei denn, Sie besitzen dieselbe Schmerzfreiheit wie ein ehemaliger Kollege von mir, der einst meinen Anruf entgegennahm und mir auf meine Nachfrage, warum er denn so leise spreche, eröffnete, er befände sich in der Kirche beim Trauergottesdienst zu Ehren seiner Großmutter, woraufhin ich kopfschüttelnd das Gespräch von mir aus beendete!

6. Sei erreichbar

Dies sollte jedoch nicht bedeuten, Ihr Handy grundsätzlich abzuschalten. Sobald Sie dem „Klub der Erreichbaren“ beitreten – denn genau dies tun Sie mit dem Erwerb eines Handys –, dann sollte es Ihnen gelingen, in mindestens einem von zehn Fällen den ankommenden Anruf auch anzunehmen! Schnelle Erreichbarkeit durch den Besitz eines Handys zu suggerieren und dann schwerer erreichbar zu sein als der Papst ist ebenso unhöflich wie die sklavische Abhängigkeit von seinem mobilen Telefon! Schalten Sie Ihr Handy doch wenigstens in solchen Fällen ein, wo die gegenseitige Erreichbarkeit wahrscheinlich und „lebensnotwendig“ wird. Wer schon sich schon einmal im Gedränge des Kölner Karnevals, des Oktoberfestes oder in fremden Städten aus den Augen verloren hat, der weiß, wovon ich spreche!

7. Say sorry

Um jedoch Konfliktsituationen wie die obige auszuschließen, ist es stets ein Akt der Höflichkeit, den Anwesenden Ihre Gründe zu verdeutlichen und sich ebenso beharrlich jedes Mal für die von Ihnen initiierten Unterbrechungen aufrichtig zu entschuldigen. Niemand wird es Ihnen übel nehmen, wenn Sie auf dringende Anrufe warten, weil Ihr Mann im Krankenhaus liegt, Ihr Sohn heute eine wichtige Examensprüfung hat oder Sie einen schwierigen Kunden besänftigen müssen, solange Sie dies transparent machen!

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