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Statussymbole

Wenn man an Statussymbole denkt, dann fallen uns meist materielle Merkmale ein, greifbare und sichtbare Insignien. Ein Auto, eine Uhr, bestimmte Kleidungsstücke. Käufliche Dinge eben, die es uns erlauben, unsere eigene gesellschaftliche Stellung zu unterstreichen und anderen Menschen ihren Platz zuzuweisen. Doch die Möglichkeiten, ein Bild von uns zu entwerfen und uns ein Bild über andere zu machen, sind weitaus vielschichtiger, als uns dies oftmals bewusst ist. Egal, ob man mitspielen will in der Welt der Statussymbole, der Mächtigen und Aufschneider oder nicht, es ist gut, zu wissen, was gespielt wird. Viel Spaß mit meinen 34 ultimativen Status-Tipps für Aufschneider und Angeber!

1. Erfolg – Ich hab’s verdient

Status-Tipp 1: Achten Sie darauf, wo Sie arbeiten. Das Firmengebäude ist Imageträger des Unternehmens. Ideal ist, wenn es an einem repräsentativen Ort stehen und eindrucksvoll aussieht. Die Adresse auf der Visitenkarte liest nicht nur der Postbote: Kluge Köpfe unter den Selbstständigen verschaffen sich über Netzwerke mit Kollegen einen Briefkopf mit internationalem Flair: „Hamburg, Paris, Rom, London“.


Status-Tipp 2: Investieren Sie in Luxus, aber an der richtigen Stelle. Es reicht, wenn Sie ein extravagantes Accessoire nutzen, das jeder auf Anhieb versteht. Das Auto ist die einfachste Methode.


Status-Tipp 3: Gönnen Sie sich auf der Geschäftsreise ein teures Hotel oder laden Sie Ihre Kunden zu einem edlen Essen ein, um zu demonstrieren, dass Sie sich derlei aufgrund Ihres Erfolges leisten können.


Status-Tipp 4: Finden Sie auch in der Luxus-Welt Ihren eigenen Stil. Sich mit namhaften Markenprodukten zu schmücken, ist zwar ein sicheres Zeichen von Erfolg, aber mehr Souveränität zeigt, wer darauf verzichten kann – und sich trotzdem Luxus leistet und leisten kann: etwa den teuren handgeknüpften Perserteppich oder die edle Schreibtischlampe aus einer italienischen Designwerkstatt.


Status-Tipp 5: Jeder ist Herr seiner Zeit. Machen Sie sich bewusst, wann Sie wem Macht über Ihren Terminkalender geben. Auch als Dienstleister müssen Sie nicht jeden Termin möglich machen. „Ausgebucht“ zu sein bedeutet oftmals mehr Prestige-Gewinn als Umsatz-Verlust.


Status-Tipp 6: Lernen Sie, zu delegieren. Lassen Sie weniger Wichtiges von anderen erledigen, und lassen Sie sich Kompliziertes von Experten abnehmen. Dann können Sie sich selbst auf das Wesentliche und die eigenen Stärken konzentrieren. Wer sich derlei leisten kann, gewinnt an Prestige und Reputation.: Jeder ist Herr seiner Zeit. Machen Sie sich bewusst, wann Sie wem Macht über Ihren Terminkalender geben. Auch als Dienstleister müssen Sie nicht jeden Termin möglich machen. „Ausgebucht“ zu sein bedeutet oftmals mehr Prestige-Gewinn als Umsatz-Verlust.

2. Tradition – Ich hab‘ Wurzeln

Status-Tipp 7: Stöbern Sie in Ihrer Familiengeschichte und machen Sie sich auf die Suche nach vorzeigbaren Wurzeln. Vielleicht gibt es ja unter Ihren Urahnen schon jemanden, der sich in einem ähnlichen Geschäftsfeld betätigt hat wie Sie. Stellen Sie sich bewusst in eine repräsentative Tradition.


Status-Tipp 8: Gründen Sie doch einfach einen eigenen Club, und wenn’s einer zum gemeinsamen Genuss des Portweins oder der Sammlung nobler Roben der Jahrhundertwendezeit ist. Vielleicht machen Sie ja irgendetwas Außergewöhnliches, üben Ihren Beruf anders aus als andere und finden im Club Mitstreiter für Ihre Belange. Als Gründer gehören Sie automatisch zum Führungskader. Geben Sie dem Club einen attraktiven Namen und ein eigenes Signet, das sich jedes Mitglied gern ans Revers heftet.


Status-Tipp 9: Im Grunde ist es egal, welchem Verein man beitritt – auch bei Hobbys wie Modelleisenbahnbau oder Schmetterlinge-Sammeln kann man interessante Menschen treffen und wertvolle Kontakte knüpfen, auch wenn es ja durchaus prestigeträchtigere Freizeitbeschäftigungen geben soll…


Status-Tipp 10: Werden Sie Gastgeber! Es muss ja nicht gleich eine festliche Gala sein. Bei kleinen informativen Gesprächsrunden mit interessanten Referenten zu spannenden Themen lernt man sich besser kennen als beim Small-Talk großer Feste.


Status-Tipp 11: Suchen Sie sich eine Epoche der Kulturgeschichte, die zu Ihnen – und möglichst auch zu Ihrem Geldbeutel – passt. Über die Jahre werden Sie auf Messen, im Internet oder auch auf Trödelmärkten Stück für Stück sammeln können. Schon nach kurzer Zeit werden Freunde und Geschäftspartner Sie bei der Sammlung unterstützen, sei es, dass sie Ihnen passende Stücke dazu schenken oder wertvolle Tipps geben. In jedem Fall wird sich schnell herumsprechen, dass Sie einen besonderen Stil bevorzugen.

3. Wissen – Ich hab‘ Köpfchen

Status-Tipp 12: Man muss nicht gleich die gesamte Schulzeit in Eaton und sein gesamtes Studium in Stanford absolvieren. Machen Sie mit beim Schüleraustausch, nutzen Sie ein freies Fortbildungsangebot oder besuchen Sie zum Beispiel ein Sommerkolleg an einem der renommierten Bildungsinstitute. Egal, wie kurz Ihr Aufenthalt auf gewesen sein mag – jetzt steht ein großer Name in Ihrem Lebenslauf.


Status-Tipp 13: Wer nicht schreiben kann, lässt schreiben. Den richtigen Ghostwriter zu engagieren, ist auch eine Kunst – denn nicht jeder heimliche Schreiberling versteht sein Handwerk. Hier also tatsächlich einen hochkarätigen „Lektor“ zu finden, muss keineswegs verheimlicht werden, sondern kann für sich schon wieder ein Statussymbol sein.


Status-Tipp 14: Um mit dem klassischen Bildungsbürgertum mithalten zu können, braucht es nur wenig: Für „Lesemuffel“ gibt es ja das Medium Fernsehen: „Kulturzeit“ und „Delta“ aus 3sat, den Themenabend „Boxen“ auf ARTE, Aspekte auf ZDF oder Talkrunden auf Phoenix statt Maischberger. Und werfen Sie doch ab und zu einmal einen Blick auf die Top-Titel der „Spiegel-Bestsellerliste“ dann können Sie wenigstens im Name-Dropping bei jeder Diskussion mithalten…


Status-Tipp 15: Suchen Sie sich einen Bereich, in dem Sie sich richtig auskennen. Das kann genauso die Fußballgeschichte wie die hohen Kochkünste sein, die Sie beherrschen – Hauptsache: Sie beherrschen selbst skurrilste Details aus dem Effeff! Dann ist die einzige Herausforderung fortan nur noch die Kunst, das Gespräch unauffällig auf dieses Lieblingsthema zu lenken, mit dem Sie durch Ihr profundes Wissen alle anderen beeindrucken. So lange Sie auch andere zu Wort kommen lassen. Denn anderen eine Frikadelle ans Ohr zu quatschen, gilt selbst in gehobenen Aufschneider-Kreisen als daneben.

4. Dynamik – Ich hab‘ Körper

Status-Tipp 16: Achten Sie auf Ihr Äußeres. Zwar können Sie grundsätzlich nichts an Ihrer körperlichen Grundausstattung ändern, aber durch Körperpflege, Kleidung oder Accessoires können Sie bewusst Ihr Erscheinungsbild beeinflussen und Akzente setzen – in puncto Status-Quartett ein absolutes „Muss“!


Status-Tipp 17: Achten Sie auf Ihre Kleidung, auch wenn Sie vielleicht nicht die Idealfigur haben. Investieren Sie Ihr Urlaubsgeld doch mal in eine Stilberatung. Manche Textilkaufhäuser bieten das sogar kostenlos an, allerdings erwarten sie dafür zu Recht, dass man sich seine neuen Kleider dann auch bei ihnen kauft.


Status-Tipp 18: Ein Auto ist leichter gekauft als eine gute Figur oder dynamische Körperhaltung. Allerdings ziehen in Zeiten, in denen Psychologie ein Volkssport geworden ist, Sportwagenfahrer nicht nur anerkennende, sondern gelegentlich auch mitleidige Blicke auf sich…!


Status-Tipp 19: Männlichkeit und Weiblichkeit sind auch in Gender-Zeiten noch immer gefragt.


Status-Tipp 20: Auch Boxen gehört zu den Punktebringern in dieser Kategorie. Man muss ja nicht gleich selbst in den Ring steigen und zuschlagen. Es reicht, wenn man sich Karten besorgt und die wichtigsten Box-Events live miterlebt. Nicht umsonst sind solche Spektakel immer noch der Prominententreff schlechthin.


Status-Tipp 21: Treiben Sie Sport, egal welchen! Selbst bei einst harmlosen Bewegungsarten wie Wandern, Waldlauf oder Gymnastik kann man Statuspunkte sammeln, man sollte es nur anders benennen: Nordic Walking oder Trekking, Jogging oder Cross-Marathon, Aerobic oder Tai Chi…

5. Gemeinsinn – Ich hab‘ Herz

Status-Tipp 22: Engagieren Sie sich doch mal für eine echte Randgruppe. Schenken Sie zum Beispiel Ihrem Kunden oder Gastgeber einfach Bargeld, zusammen mit einem ausgefüllten Überweisungsträger für eine ausgesuchte wohltätige Organisation. Lassen Sie den Überweisungsbetrag offen. So kann der Beschenkte selbst entscheiden, ob er das Bargeld behält oder an die vorgeschlagene Institution weiterreicht, eventuell sogar mit etwas Aufschlag.


Status-Tipp 23: Veranstalten Sie mal eine eigene Charity-Party, bei der Sie Ihre Freunde und Geschäftspartner auffordern, Gegenstände für eine Versteigerung zu Gunsten einer ausgewählten Organisation mitzubringen. Sie werden staunen, was da an Geld zusammen kommt. Und jeder wird sich daran erinnern, dass Sie der Initiator waren.


Status-Tipp 24: Es muss ja nicht gleich eine eigene Stiftung und auch nicht für die Ewigkeit sein. Dabei sollten Sie einem Zweck treu bleiben und nicht jede karitative Modewelle mitmachen. Entdecken Sie Ihre kreativen Seiten und starten Sie eine eigene Initiative zu Gunsten einer guten Sache. Verwandeln Sie Ihr Hobby in eine pfiffige Fundraising-Aktion, für die Sie vielleicht sogar Prominente gewinnen können.


Status-Tipp 25: Kinder sind ein Karrierekiller? Von wegen. Immerhin muss man sich die Kinder erst mal leisten können und idealerweise eine Frau zu Hause, die einem den Rücken freihält und um den Nachwuchs kümmert. Sie haben keine Kinder? Dann zeigen Sie Herz und engagieren Sie sich wenigstens für Kinder in Not. Tierschutz ist eine Alternative, aber nicht ganz so beeindruckend.

6. Weltoffenheit – Ich hab Weitblick

Status-Tipp 26: Eine Miles & More Karte kostet nichts und gehört in jedes Portemonnaie. Buchen Sie auf jeden Fall „etix“, also ein elektronisches Ticket, egal wie selten Sie fliegen. Das wirkt immer so, als seien Sie völlig routiniert dabei.


Status-Tipp 27: Organisieren Sie sich ein Lexikon der wichtigsten Denglisch-Begriffe, sodass Sie im Zweifel beides können: Mitreden, als ob Sie nie anders sprechen würden und lästern über den Verfall der schönen Muttersprache.


Status-Tipp 28: Man muss nicht wirklich irgendwo gewesen sein, um eine Kultur besser zu kennen als andere. Für das Status-Quartett genügt es, ein gutes Buch zu lesen. Sehr gut geeignet sind Kinder- und Jugendsachbücher, die nicht nur mit trockenen Fakten, sondern oft auch mit hübschen Geschichten und vielen kleinen Anekdoten aufwarten, die man sich leicht merken kann.


Status-Tipp 29: Überlegen Sie sich, inwiefern Sie Ihre Heimatliebe demonstrieren können. Werden Sie Mitglied im heimischen Fußball-Club und organisieren Sie die Jugendbetreuung. Gründen Sie ein kleines Heimatmuseum oder geben Sie einen Sammelband mit Lyrik vergessener Heimatdichter heraus.


Status-Tipp 30: Schauen Sie „Auslandsjournal“ oder „Weltspiegel“ und lesen Sie die Reisebeilage in der „Zeit“. Abgesehen davon gibt es eigentlich auf jedem Kanal eine ansprechende Reisesendung und auch das gute alte Radio lohnt sic:, statt den immer selben Gedudel, bietet sich auf Reisen der „Deutschlandfunk „ an. Wer es gerne ohne Netz und doppelten Boden mag, der setze sich in einen Flieger, so teuer ist der Flug nach Lissabon oder Madrid nun wirklich nicht: Fado live und Goja im Prado, das hat auch was.7

7. Bescheidenheit – Ich hab‘ Boden unter den Füßen

Status-Tipp 31: Passen Sie auf, dass Sie beim Versuch, ihren Erfolg durch Luxus zur Schau zu stellen, nicht zu sehr protzen. Understatement kann wertvoller sein, allerdings nur, wenn er als solcher erkannt wird – eine schwierige Gratwanderung, die viel Übung erfordert.


Status-Tipp 32: Der Wechsel macht’s: Heute hauen Sie im Gourmetlokal das Trinkgeld auf den Kopf; morgen sammeln Sie Bonuspunkte im Supermarkt. Bei beidem sollten Sie Zuschauer haben, sonst haben die Mühen keinen Sinn – und Sie sollten sich überlegen, wie Sie den scheinbaren Widerspruch plausibel und sympathisch auflösen.


Status-Tipp 33:Freuen Sie sich, wenn Sie wenigstens zeitweilig mal einen Unterschicht-Job erledigt haben. Das macht sich in dieser Tugend-Kategorie ausgesprochen gut.


 Status-Tipp 34: Spielen Sie den offensichtlichsten Luxus zu einer bescheidenen Liebhaberei herunter. Polieren Sie liebevoll ihre superteure Uhr und murmeln sie dabei etwas wie „Ganz zerkratzt das olle Ding, aber ich kann mich einfach nicht davon trennen…“ Erzählen Sie dann die rührende Geschichte, wie Sie die Uhr mit Ihrem ersten selbst (und hart) verdienten Geld bei einem seltsamen Kauz in einer fernen Stadt gekauft haben.

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